Der Flirt der Musikindustrie mit dem Vertrieb durch Peer-to-Peer-Netzwerke wird intensiver. Nach Sony BMG bekennt sich nun auch EMI Recorded Music offiziell zu Verhandlungen mit Filesharing-Diensten. Dabei soll vor allem Snocap, das neue Unternehmen von Napster-Erfinder Shawn Fanning, eine entscheidende Rolle spielen. Fanning will mit Hilfe von Audiofiltern P2P-Netzen wie Grokster oder iMesh zur Legalität verhelfen. „Wir sprechen derzeit noch mit Snocap und sind ganz kurz vor einem Deal“, bestätigt Alain Lévy gegenüber der Londoner „Times“. Der Chairman & CEO von EMI Recorded Music sieht in der Filterung von P2P-Netzen eine „sehr interessante Technologie“, die im Sinne der Rechteinhaber ein neues Kapitel im Onlinevertrieb eröffnen könnte.
Snocap arbeitet seit rund einem Jahr an einem P2P-Filter für lizenzierte Inhalte und will seine Errungenschaften voraussichtlich im Dezember vorstellen. Im Januar soll dann auf Basis der Snocap-Software der legale Filesharing-Dienst Mashboxx.com starten. Unbestätigten Meldungen zufolge hat Universal Music hierfür bereits Lizenzen von 150.000 Titeln freigegeben. Dem Vernehmen nach wird Snocap wie ein digitaler Großhändler für kooperationswillige P2P-Anbieter fungieren. „Wir müssen einen Weg finden, wie wir dieses Bedürfnis unserer Kunden befriedigen können“, so Lévy, der bezeichnenderweise in diesem Zusammenhang von Filesharern als Kunden und nicht als Dieben spricht.
Die Rolle von Snocap bleibt bis auf weiteres noch relativ unklar, die Firma will angeblich erst in den kommenden Wochen mit ihren Plänen an die Öffentlichkeit gehen. Bislang vermuten Beobachter, dass Snocap keine Musiktitel, sondern deren Meta-Daten lizenziert und so genannte Audio-Fingerprints der einzelnen Songs erstellt, die ein passender Filter später erkennen kann. P2P-Netze, die das System einsetzen wollen wären damit in der Lage, als Verkäufer der lizenzierten Musiktitel aufzutreten. „Wichtig ist, dass wir unseren Kunden alle Möglichkeiten lassen – und zwar innerhalb der legalen Schranken“, so Lévy.






