Nachdem aus dem Umfeld von Warner Music zuletzt recht unmissverständliche Signale kamen, dass man erst ab 5,6 Mrd. Dollar zum Verkauf der Firma bereit wäre, ist bei EMI erstmals ein Blinzeln im Fusionspoker zu erkennen. Zum Feilschen und Hochreizen sei man jederzeit bereit, doch Mondpreise könne sich Warner aus dem Kopf schlagen, hieß es in London.
Offiziell liegt noch gar kein neues Angebot der Warner Music Group (WMG) zur Übernahme der EMI Group vor. Offiziell hat das WMG-Management auch nicht verlauten lassen, zu welchem Preis man sich seinerseits von EMI übernehmen lassen würde. Und ebenso wenig offiziell ist die Reaktion in London auf die inoffiziellen Preisvorstellungen aus New York. Der Bieterkampf zwischen der britischen und der amerikanischen Musikfirma spielt sich in diesen Tagen vor allem in den Medien ab, wo verschiedene unbekannte Insider vom Hörensagen berichten, welche Stimmung gerade in welchem der beiden Lager herrscht.
Da sich seriöse Zeitungen wie „Times“ und „Financial Times“ oder Agenturen wie Reuters derlei Informationen kaum aus den Fingern saugen, dürfen Beobachter getrost annehmen, dass die unternehmensnahen Kreise, die „mit den Vorgängen vertraut“ sind, oft in den inneren Zirkeln der Majormächte sitzen und ihre Hinweise gezielt lancieren, um den Fusionspoker voranzubringen. Am Morgen des 7. Juli hieß es demnach noch, die Eigner der WMG würden sich erst ab einem Gebot von je 37,50 oder gar 38 Dollar von ihren Aktien trennen. Und weil sie sich bei Warner sicher sind, dass EMI bei solchen Mondpreisen – beim Handelsschluss am selben Tag rangierten die WMG-Papiere bei 29,05 Dollar – nie und nimmer eine Übernahme gegenüber seinen Shareholdern rechtfertigen könnte, versuchen sich WMG-CEO Edgar Bronfman jr. und seine Partner als potenzielle und solvente EMI-Käufer zu positionieren.
Auf 340 Pence werde Bronfman seine Offerte bald aufstocken, heißt es. Zu wenig, so die postwendende Antwort einer namenlosen Quelle, die laut Reuters der EMI nahe steht. Die Briten seien schon länger sehr bemüht darum, die Frage nach den Firmenwerten von EMI und Warner zu erörtern. Aber 38 Dollar seien „völlig unrealistisch“ für ein Unternehmen, das noch im März mit 21 Dollar an der Wall Street gehandelt wurde. Rund 5,64 Mrd. Dollar – so viel wäre die WMG bei 38 Dollar je Aktie wert – werde EMI keinesfalls ausgeben. Aber vielleicht 35 Dollar, wenn das höchste vorstellbare Gebot eines in britischen Medien zitierten EMI-Investors korrekt ist.
Gleichzeitig brachten die anonymen Insider in UK noch Summen in Umlauf, die auch den Wert der EMI Group eher ins Mondlicht stellen: Das Äquivalent zu 38 Dollar für Warner seien 475 Pence für EMI – oder umgerechnet 6,92 Mrd. Dollar. Wie unwahrscheinlich solche Preise sind, verdeutlicht der Freitagskurs der EMI-Aktie: Die schloss nämlich mit 313,75 Pence auf dem höchsten Stand seit April 2002 nach einem Plus von gut vier Prozent.
Aber immerhin: Der EMI-Kurs legte in Erwartung eines höheren Übernahmeangebots relativ deutlich zu, während die WMG-Aktie leicht nachgab. Zumindest die Börsianer rechnen also wohl damit, dass es Warner Music sein wird, die letztlich als Käufer aus dem Hickhack hervorgehen wird.






