Recorded & Publishing

EMI-Chef Lévy hält CD für tot

Das Hauptprodukt der Tonträgerindustrie ist ein Auslaufmodell, findet Alain Lévy. Der Chairman & CEO von EMI Recorded Music hält die herkömmliche CD für erledigt. Die Zukunft liege in der Diversifizierung der Formate.

Das Hauptprodukt der Tonträgerindustrie ist ein Auslaufmodell, findet Alain Lévy. Der Chairman & CEO von EMI Recorded Music hält die herkömmliche CD für erledigt. Die Zukunft liege in der Diversifizierung der Formate, sagte Lévy im Rahmen einer Rede vor der London Business School.

„So, wie es sich jetzt darstellt, ist die CD tot“, erklärte der EMI-Chef. 60 Prozent der heutigen CD-Kunden kauften sich den Tonträger ohnehin nur, um ihn am heimischen Computer zu übertragen und die Dateien auf einen Digitalplayer zu überspielen. Dennoch gebe es auch künftig in einer rein digitalen Welt weiterhin Raum für vorgefertigte Produkte wie die CD: „Sie werden Ihrer Schwiegermutter ja wohl keine iTunes-Downloads zu Weihnachten schenken“, so Lévy zu seinen Zuhörern.

Aber um den vorbespielten Tonträger für die Kundschaft attraktiv zu halten, müsse sich die Branche mehr einfallen lassen. Nur Songs auf eine Scheibe zu packen, reiche nicht aus. Es müssten immer Zusatzangebote auf dem Träger sein, die einen Kauf rechtfertigen. Auf diese veränderten Wünsche der Fans habe EMI reagiert: „Von Beginn des nächsten Jahres an werden wir keine Inhalte mehr ohne zusätzliches Material verkaufen“, kündigte Lévy an.

Zugleich dämpfte der Majorchef die Euphorie zum Thema Web 2.0. Die Dominanz der Nischen, die wachsende Relevanz des Long Tail und der Erfolg von User Generated Content bedeute nicht, dass Medienfirmen und ihre filternde Kompetenz überflüssig werden. „Unsere Marktforschungsergebnisse zeigen, dass die Konsumenten von heute völlig überfordert sind. Ich fordere Sie auf: Verbringen Sie einmal einen Tag mit MySpace oder YouTube und versuchen Sie, eine relativ unbekannte Band zu finden, die Ihnen wirklich gut gefällt.“ Knapp zwei Jahre nach Aufkommen des so genannten Mitmach-Webs gebe es immer noch keine reinen Selfmade-Stars, die es nur über das Interent zu Erfolg gebracht haben.

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