Recorded & Publishing

EMI-Bosse pfeifen auf Marktanteile

Dass sie beim Verkauf von Warner Music nicht zum Zuge gekommen sind, sehen die Chefs von EMI nicht als Wettbewerbsnachteil. Vielmehr erteilen Alain Lévy und David Munns dem Streben nach reinen Marktanteilen eine deutliche Absage.

Dass sie beim nicht zum Zuge gekommen sind, sehen die Chefs von EMI Recorded Music nicht als Wettbewerbsnachteil. Vielmehr erteilen Chairman & CEO Alain Lévy und Vice Chairman David Munns dem Streben nach reinen Marktanteilen eine deutliche Absage. Bereits vor dem Beginn der Fusiongespräche habe man eine Vision für den Umbau von EMI gehabt. Ein Zusammenschluss mit Warner hätte die Neuausrichtung lediglich beschleunigt. „Mich fragen die Leute ‚Wie lautet denn nun Ihr Plan B?‘. Aber es gibt keinen Plan B“, erklärte Munns im Gespräch mit dem US-Fachmagazin „Billboard“. Es gebe nur einen Plan A, „mit Warner wäre der Plan A eben größer gewesen“. Zudem betonten die beiden Manager die Bedeutung von langfristigem Künstleraufbau. „Zu viele Hits der letzten drei Jahre waren One-Hit-Wonder. Das ist das Leiden dieser Industrie“, diagnostizierte Lévy. Die Strategie der EMI-Mitbewerber konzentriere sich zu sehr auf den Ausbau der Marktanteile, die obendrein selten profitabel seien. Er hält das für einen Fehler: „Marktanteil bedeutet überhaupt nichts. Die Qualität des Marktanteils ist wichtig.“ Es gehe seinem Unternehmen nicht darum, mit möglichst vielen Veröffentlichungen kurzzeitig in die Charts zu kommen, sondern Künstler aufzubauen, die langfristig Platten verkaufen. Als Beispiele nannte Lévy Stars wie Coldplay oder Norah Jones. „Wenn die Musikindustrie nur zehn Acts hätte, die konstant zehn Mio. Einheiten verkaufen, dann ginge es uns allen besser.“ Lévy verwehrte sich auch gegen sein Image als Sparweltmeister: „Wir werden immer als Kostensenker bezeichnet. Dabei beenden wir nur die Verschwendungssucht. Klar haben wir unsere Marketingausgaben gewaltig zurück gefahren. Aber das heißt noch lange nicht, dass wir deswegen auch nur eine Platte weniger verkauft hätten.“

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