Anlässlich der Echo-Verleihung hatte Universal schon einmal zur Party in die Stralauer Allee 1 geladen. Damals war der ehemalige Spreespeicher noch eine einzige Baustelle – und Universals Führungsduo, Tim Renner und Victor Antippas, konnte sich nur schwer vorstellen, dass alles bis Anfang Juli einzugsfertig sein würde. Das gestand Renner in seiner Begrüßungsrede, die er am Nachmittag des 6. Juli vor dem Kreis der Ehrengäste auf dem Dach des neuen Universal-Domizils hielt. „Wir haben jetzt Erfahrung mit Baustellen“, meinte Renner. „Wir sind am Ziel, aber der Weg ist noch lang.“ Und wer wollte, konnte in solchen Formulierungen auch metaphorische Anspielungen auf den Zustand des Konzerns Vivendi Universal heraushören.
Doch Renner wäre nicht der pragmatische Visionär, der immer wieder zu motivieren und zu begeistern weiß, wenn er nicht gerade auch bei einem solchen Thema die Chancen erkennen und betonen würde: „Baustellen können groß sein, die Herausforderungen enorm. Aber wir können es schaffen, wenn wir wollen.“ Denn eine Baustelle sei nun mal ein Platz, „wo die Zukunft definiert wird“. In diesem Sinne wolle und werde Universal in Berlin „die Zukunft mitgestalten“, auch wenn derzeit vieles an der „Statik der Musikindustrie wackelt“. Man brauche Substanz und Innovation, „und die haben wir“. Jorgen Larsen, Chairman & CEO Universal Music International, versicherte in seiner Ansprache, dass der Weggang von Jean-Marie Messier lediglich „eine vorübergehende Krise“ symbolisiere, „die wir bald hinter uns haben“. Larsen nutzte die Gelegenheit zu einem Appell an die Politik, „endlich Schluss zu machen mit dem populistischen Mythos, dass man sich bei Musik frei bedienen kann“. Und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit konstatierte: „Berlin ist die Musikstadt Nummer eins.“ Der Umzug von Universal Music an die Spree werde sich nicht nur auf die Berliner Wirtschaft, sondern auch auf den deutschen Musikmarkt positiv auswirken.
Jedenfalls geriet die Einweihungsparty zum rekordverdächtigen Event: Mehr Volksfest als Branchentreff, zog sie geschätzte 6000 Gäste an, die zunächst einmal auf dem „Court diplomatique“, auf den Spreeterrassen vor dem Haus, viel Schlange stehen mussten, um sich Stempel der Universal-Labels für ihre „Reisepässe“ zu holen. Wer alle Stempel beisammen hatte, durfte dann vom „Balkon der Botschafter“ im achten oder neunten Obergeschoss die Rundsicht auf Berlin genießen. Ein 500 Quadratmeter großer Schwimmponton war vor dem Universal-Haus angedockt, auf dem die Live-Konzerte stattfanden – von Scycs, Till Brönner, Glashaus, Absolute Beginner, No Angels und Turtle Bay Country Club. Auf dieser Bühne hießen dann auch echte Botschafter die Geschäftsführer der Universal-Labels als „Botschafter der Musik“ offiziell in Berlin willkommen – für jeden Kontinent ein Land: Malawi, Bangladesh, Norwegen, Costa Rica, Jamaika. Als 122. Botschaft in Berlin ist das Universal-Haus gut ausgestattet: Von der dritten bis zur achten Etage bietet es auf insgesamt 18.000 Quadratmetern rund 500 Mitarbeitern Geschäftsräume und Arbeitsfläche; auch eine Kindertagesstätte, ein Frisör, ein Restaurant und ein Club sind vorhanden.






