Amerikanischen Plattenfirmen drohen nach den massiven Absatzeinbrüchen des ersten Quartals weitere Engpässe im Handel. Die Großketten, die inzwischen mit einem geschätzten Marktanteil von 65 Prozent den Markt dominieren, wollen sich bei Verkaufsfläche und Sortimentstiefe einschränken.
Gerüchte über eine Reduktion der CD-Flächen bei Wal-Mart kursieren bereits seit vergangener Woche, nun berichtet auch das für gewöhnlich gut informierte „Wall Street Journal“ über Flächenkürzungen von bis zu 20 Prozent, die in einigen hundert Filialen in den kommenden Wochen umgesetzt werden sollen. Damit würde sich die Angebotsbreite beim landesweit führenden CD-Verkäufer zusätzlich verringern.
Wal-Mart verkauft schon heute nicht alle Toptitel – entweder weil sie in bestimmten Regionen nicht ins Kundenprofil passen oder weil es einige Bestseller nicht in „sterilisierter“ Version gibt. Wal-Mart verkauft aus Prinzip keine Musik mit dem vor verbaler Unflätigkeit warnenden „Parental Advisory“-Etikett. Manche Labels begegnen diesem Umstand mit einer „gesäuberten“ Fassung, die nur für Wal-Mart und ähnlich gesinnte Händler hergestellt wird.
Aber auch bei der Elektrokette Best Buy, Nummer zwei bei CD-Verkäufen im US-Markt, schrumpfen die Flächen für Musik derzeit. Der für Entertainmentprodukte zuständige Senior Vice President Gary Arnold erklärte, man habe bei diversen Filialen schon seit dem letzten Jahr schrittweise die Regalplätze reduziert. Die meisten Best-Buy-Niederlassungen führen 8000 bis 20.000 Titel im Sortiment, manche inzwischen auch weniger.
Zum Vergleich: Die im vergangenen Jahr wegen Insolvenz aufgelöste Fachhandelskette Tower Records hielt mehr als 100.000 verschiedene Titel vor. Die Schuld an der Flächenreduktion tragen laut Arnold aber eher die Labels. Die Nachfrage nach Alben in der Preisklasse zwischen 15 und 19 Dollar habe merklich nachgelassen. Als Händler müsse man darauf reagieren.





