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Drei Popveteranen streiten über Grand Prix

Eine Woche vor der deutschen Vorausscheidung zum Grand Prix Eurovision läuft die PR-Maschinerie für den Sangeswettstreit auf vollen Touren. Udo Lindenberg ist sauer auf den NDR, weil nun doch wieder Ralph Siegel an der Veranstaltung teilnimmt. Und Udo Jürgens erklärt den Grand Prix für tot.

Eine Woche vor der deutschen Vorausscheidung zum Grand Prix Eurovision läuft die PR-Maschinerie für den Sangeswettstreit auf vollen Touren. Udo Lindenberg ist sauer auf den NDR, weil nun doch wieder Ralph Siegel an „Germany 12 Points!“ teilnimmt. Lindenberg schickt am 12. März seine Künstlerin Ellen ten Damme ins Rennen und zeigte sich in der „Bild“-Zeitung enttäuscht: „Hätte ich gewusst, dass der mit seinem Schlager-Scheiß dabei ist, wäre ich gar nicht angetreten“, so der Altrocker im Zentralorgan des deutschen Boulevards.

Siegel hatte erst vor wenigen Tagen verraten, dass er sich unter Pseudonym beim Grand Prix angemeldet hatte, um den von ihm produzierten Künstlern eine neutrale Beurteilung zuteil werden zu lassen. Lindenberg interessiert das indes wenig: Die ARD habe ihm versichert, „dass wir einen musikalischen Wettbewerb mit Niveau starten und nicht wieder so eine müllige Schlagerveranstaltung wie in den letzten Jahren.“ Er kann nach eigenem Bekunden mit Siegels Musik nicht viel anfangen. „Für den Auftritt seines Duos habe ich mir Oropax besorgt – und Taschentücher, weil mir bestimmt zum Heulen sein wird“, sagte Lindenberg.

Grand-Prix-Veteran Siegel reagierte bislang gelassen: „Ich schätze mal, Udo hat unser Lied noch gar nicht gehört, sonst würde er solche Sätze nicht von sich geben“, sagte er der „Bild“. „Mir hat Udo jedenfalls versichert, dass er immer für musikalische Vielfalt ist. Vielleicht beruhen seine Äußerungen ja auf einer Kurz-Emotion.“ Kurzschluss oder nicht – der erste deutschsprachige Grand-Prix-Sieger gibt der Veranstaltung ohnehin keine Chance mehr. Udo Jürgens erklärt den Grand Prix nämlich für tot. Im Interview mit der „Welt am Sonntag“ sprach er dem Wettbewerb die Bedeutung vergangener Jahre ab: „Heute weiß am Morgen danach kaum noch jemand, wer gewonnen hat.“

Alle Versuche, den Vorentscheid zu modernisieren, seien gescheitert, findet Jürgens. Das „Po-Gewackle und Busen-Geschleudere“ sei vielleicht „hübsch anzusehen, aber große Songs brauchen das nicht“. NDR-Unterhaltungschef und Grand-Prix-Mann Dr. Jürgen Meier-Beer lässt sich von der Kritik indes nicht beirren und verteidigt das Teilnehmerfeld: „Ich finde, es ist eine sehr respektable Mischung.“

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