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Downloads stärken englischen Singlesmarkt

Nach dem Tief der britischen Singlesverkäufe, die 2004 auf 32,3 Mio. Einheiten gesunken waren, trugen 2006 vor allem Downloads zu einem Anstieg auf 65,1 Mio. bei. Diesen Trend soll die neue Chartsreform abbilden.

Nach dem Tief der britischen Singlesverkäufe, die 2004 auf 32,3 Mio. Einheiten gesunken waren, trugen 2006 vor allem Downloads zu einem Anstieg auf 65,1 Mio. bei. Diesen Trend soll die neue Chartsreform abbilden. Denn ab 1. Januar fließen auch digitale Downloads in die Chartsermittlungen ein, selbst wenn es keinen passenden physischen Tonträger zu dem entsprechenden Titel im Handel gibt.

Von den 70er Jahren bis in die späten 90er wurden in Großbritannien stets an die 70 Mio. Singles pro Jahr verkauft. Ab 1999 bis 2004 brach der Markt jedoch rund um die Hälfte ein; als Ursache gelten gemeinhin illegale Downloads.

Die Branche reagierte und bot legale Dienste an. Danach zog der Markt für digitale Musik von 5,8 Mio. Downloads 2004 auf 50 Mio. im Jahr 2006 an. Dies macht einen Marktanteil von rund 60 Prozent für den gesamten Markt und 80 Prozent für den Verkauf von Titeln aus dem Backkatalog aus. Die aktuelle Änderung des Reglements wird nach Angaben der Official Charts Company zu einer Verdopplung der erfassten Singlesverkäufe in den UK-Charts im Vergleich zu den Zahlen von 2004 führen.

BPI-Vertreter Steve Redmond erklärt: „Die letzten 54 Jahre wählte eine Tonträgerfirma für eine Single einen Track aus, presste ihn auf Plastik und brachte ihn zu einem bestimmten Datum in den Handel. Von nun an könnte eine Single jeder Track sein, der zum Download steht. Dies kann ein Albumtrack oder ein ‚Golden Oldie‘ sein oder natürlich ein physischer Tonträger.“

HMV-Sprecher Gennaro Castaldo sagte, dass der Wechsel zum Download kein Ende der Vinylsingles bedeuten müsse, da der Verkauf von rund zwei Mio. Tonträgern im letzten Jahr zeige, dass eine Nachfrage bestehe. „Ein Grund, warum wir nicht glauben, dass physische Tonträger verschwinden, ist, dass Liebhaber weiterhin eine Single oder ein Album besitzen wollen“, so Castaldo.

Steve Kincaid von Virgin Megastores glaubt, dass die Änderung des Reglements „ein positiver Schritt vorwärts ist, weil sie klar das Kaufverhalten der Kunden widerspiegelt“. Er glaubt aber, dass weiterhin eine große Nachfrage nach physischen Tonträgern bestehe, wenn „ein guter Künstler auf den Plan tritt“.

Branchenbeobachter rechnen jetzt damit, dass auch alte Titel, die durch Fernsehwerbung oder Filme wiederbelebt, aber nicht wiederveröffentlicht werden, künftig Chancen hätten, in die Charts zu gelangen. Als Erste könnten u. a. New Order, The Cure oder Siouxie And The Banshees von dem neuen Reglement profitieren, die alle auf dem Soundtrack vom aktuellen Film der Regisseurin Sofia Coppola, „Marie Antoinette“, vertreten sind.