“Da die Zeit bis 2020 ohne Zweifel sehr lebendige Entwicklungen mit sich bringen wird, ist eine punktgenaue Vorhersage für den Vinylmarkt 2020 nicht einfach“, meint Sandra Fritzsch, Commer – cial & Administration Director bei MPO Audio und Video. „Nach unseren Erfahrungen ist aber durchaus damit zu rechnen, dass der aktuelle Vinylboom auch über die kommenden Jahre hinweg noch in ähnlicher Form anhalten wird.“ MPO will denn auch die Kapazitäten in der Herstellung „noch in diesem Jahr“ erweitern: „Darüber hinaus profitieren wir natürlich auch von unserer über ein halbes Jahrhundert währenden Erfahrung in der Schallplattenpressung. Versierte Mitarbeiter und ein bestens gepflegter und modernisierter Maschinenpark sorgen gemeinsam mit dem langjährigen Herstellungs-Knowhow für schnelles und flexibles Agieren auf dem beweg lichen Markt.“ Auch für die Edel-Tochter optimal media sei Vinyl ein „sehr wichtiges Thema“, berichtet Vertriebsund Marketingleiterin Grit Schreiber: „Wir haben in den vergangenen Jahren eine steigende Nach – frage und einen enormen Wachstumsschub in der Vinylproduktion verzeichnet. Ganz sicher wird es auch 2020 einen Vinylmarkt geben, denn Vinyl war nie weg, es ist heute gefragter denn je.“ Grit Schreiber schätzt, dass in den kommenden Jahren „noch mehr Wert auf die Produktausstattung von Datenträgern und Verpackungen gelegt“ werden könnte. „Wir sind gut gerüstet. Mit dem Ausbau der Kapazitäten in Mastering, Galvanik und Fertigung und unserem breiten Spektrum an Dienstleistungen im Bereich der Druckerei und Weiterverarbeitung haben wir die Voraussetzungen geschaffen, um auch in Zukunft unsere Position als erfolgreicher Dienstleister der Musikindustrie zu behaupten.“ Aber auch abseits großer Fertigungsstätten freut man sich, „dass immer mehr Musikliebhaber auf die Schallplatte zurückgreifen“, wie David Jahnke, Mitinhaber von Duo – phonic, sagt. „Ich hoffe, dass die Platte und auch die MusiCassette in ferner Zukunft als Medium noch relevant sind.“ Das Unternehmen Duophonic sei dafür gerüstet: „Solange die wenigen Maschinen funktionieren, es noch Hersteller für die Master – folien und genügend Rohstoffe gibt, sollte es keine Probleme geben.“ Allerdings müssten sich die Kunden angesichts der Nachfrage darauf einstellen, „dass sich die Produktionszeiten verlängern“. Vinyl bietet Chancen für den Fachhandel Dass die Auslastung der Presswerke teils zu Wartezeiten oder Verschiebungen zwischen CD- und LP-Veröffentlichungen führt, merkt der Handel schon heute: „Neue Presswerke wären ein Segen“, lässt das Team des Hamburger Saturns an der Mönckebergstraße wissen. Die florierenden Vinylumsätze beobachte man erfreut. Die Saturn-Filiale habe die Vinylpräsentation seit 2010 bereits mehrfach vergrößert und plane für den Spätsommer erneut eine Erweiterung. „Wir erwarten auch für dieses Weihnachtsgeschäft einen knackigen Umsatzzuwachs beim Vinyl.“ Es treffe zudem nicht zu, dass junge Konsumenten nur digital kaufen: „Wir sehen jeden Tag Teens und Twens mit leuchtenden Augen vor den Vinylregalen stehen.“ Das bestätigt auch Hannes Kraus, Hauptabteilungsleiter Musik & Film bei Dussmann das Kultur- Kaufhaus: „Vinyl ist nicht nur ein Trendthema im Allgemeinen, sondern auch für junge Leute ein Trendobjekt, das sie weiterhin im hohen Maße schätzen werden.“ Er prognostiziert, dass der Vinylmarkt weiter wachsen und sich dann auf hohem Niveau stabilisieren wird. „Wer erst einmal von Vinyl begeistert ist, kann nicht mehr davon lassen. Und auch 2020 wird es einfach deutlich charmanter sein, eine Schallplattensammlung zu haben, als 20 Millionen Songs in einer imaginären Cloud oder einem Stream abrufen zu können.“ AMM-Geschäftsführer Jörg Hottas rechnet ebenfalls damit, dass Vinyl „auch 2020 einen festen Platz im Musikgeschäft“ haben wird: „Die rasant positive Entwicklung beim Vinyl geht ungebremst weiter. Auch wenn Vinyl im Gesamtmarkt nach wie vor eine Nische ist, ist es bei uns in den Platten – läden ein deutlich wachsender Schwerpunkt.“ Schließlich werde Vinyl über wiegend von Musik – enthusiasten und Sammlern gekauft, die vorzugsweise in Plattenläden gehen. „Vinyl ist ein Statement zum bewussten und intensiven Musikhören, ein Statement gegen schnelllebigen Massenkonsum“, sagt Peter Bongartz, Inhaber von Bongartz – Musik in allen Formaten. Unter anderem dank Aktionen wie dem Record Store Day und der Plattenladenwoche wachse der Vinylmarkt. Bongartz wertet das als Chance für den Fachhandel: „Weil intensive und bewusste Musikhörer auch bewusst einkaufen wollen und nicht einfach irgendwo etwas mitnehmen.“ Der Vinylmarkt im Jahr 2020 werde da stehen, wo Musik – „egal in welchem Format“ – hingehört, meint Bogartz: „Im Herzen derer, die sie lieben, und die wird es immer geben.“ Carsten Wien von A&O Medien hat den Retrotrend erkannt: „Viele Menschen suchen nach Werten, nach der guten alten Zeit. Die Entschleunigung, das haptische Erlebnis, die bewusste Wahrnehmung, die das Auflegen und Hören von Vinyl mit sich bringt, passt in diesen Kontext.“ Allerdings sieht er diese Entwicklung durchaus zwiespältig: „Einige junge Menschen möchten nicht nur einen USB-Stick und Laufwerke voll mit Musik haben. Die intelligente, interessierte Fraktion kauft Vinyl, das ist halt so schön chic, cool und retro.“ Aber was kommt danach? „Eine Branche, die die eigene Vergangenheit als eigene Zukunft ansieht, sollte sich nicht kreativ nennen“, merkt Wien an. Aber auch alternative Vermarktungswege beobachtet er kritisch: „Eine Zukunft, in der Künstler sich ihre neuen Werke einfach mal von Wirtschaftsunternehmen bezahlen lassen, ist für mich ein Problem, nicht Teil der Lösung.“ Knut Schlinger
Dossier: Vinyl liegt weiter Im Trend
Das Vinylgeschäft blüht in der Nische: Nach Informationen des Bundesverbands Musikindustrie wuchsen die Umsätze im ersten Quartal 2013 um rund 40 Prozent – Vinyl kann somit das Tempo des Vorjahres halten. Doch reicht dieser Schwung auch bis in Jahr 2020? Wo stehen wir in sieben Jahren?






