Recorded & Publishing

Dossier: Schwarze Scheiben massiv gefragt

Die Vinylplatte mag zwar ein Nischenthema sein – aber in der Nische tut sich mehr denn je. Weltweit wachsen die Absatzzahlen, was auch die deutschen Duplizierer spüren.

In Deutschland meldet der Bundesverband Musikindustrie für 2011 beachtliche Zuwächse von 18,5 Prozent im Vinylsegment. Noch größer ist der Sprung in den USA, wo 3,9 Millionen verkaufte LPs ein Plus von fast 40 Prozent zu den 2,8 Millionen LPs aus dem Jahr 2010 bedeuten. Das ist der höchste Vinylabsatz seit 1991, in Großbritannien beläuft sich der Zuwachs sogar auf 43,7 Prozent. Damit erreichen die Vinylverkäufe in UK den höch – sten Stand seit 2005. Diesen positiven Trend bestätigt auch Grit Schreiber, Prokuristin und Leitung Vertrieb & Marketing beim zu Edel gehörenden Duplizierer optimal media in Röbel: „Seit 1995 stellen wir Vinylschallplatten her, und seitdem entwickelten sich die Umsätze stetig nach oben.“ Dabei habe sich allerdings der Schwerpunkt im Lauf der Jahre verändert, denn die Vinylschall – platte sei heute kein reines Gebrauchsobjekt mehr, sondern ein Liebhaberstück. Schreiber betont: „Vinyl ist und bleibt für optimal ein sehr wichtiges Thema. Wir haben im vergangenen Jahr etwa fünf Millionen Vinyls hergestellt und bauen weiterhin auf einen erfolgreichen Markt. Im aktuellen Geschäftsjahr rechnet optimal mit deut lichen Stückzahl- und Umsatzzuwächsen im Vinylbereich.“ Entsprechend habe optimal das Engagement in diesem Bereich schon länger intensiviert und will es auch künftig weiter ausbauen. „Der Grund für diesen Boom liegt sicherlich darin, dass die Schallplatte eine Renaissance erlebt – als optisches und haptisches Erlebnis in der digitalen Welt. Viele Künstler begleiten die Veröffentlichung ihrer Alben mit einer Vinylplatte, hier vor allem in der Verbindung von Vinyl und Download.“ Dabei sei die Ausstattung der Produkte sehr wichtig: Neben den verschiedenen Größen biete optimal auch Picture Discs, Heavy, Coloured oder Etched Vinyl. „Zudem erleben wir den Trend, dass die Verpackungen veredelt sowie mit Merchandise-Artikeln oder Büchern kombiniert werden.“ Dazu passe auch die wachsende Nachfrage nach Boxsets. „Die Vinylschallplatte ist eben ein Sammler- und Genuss – objekt geworden.“ Über gestiegene Absatzzahlen freut sich auch Navid Tahernia, Account Manager Audio beim Kölner Duplizierer MPO. „Der positive Vinyltrend, so wie wir ihn schon in den vergangenen Jahren feststellten, spiegelt sich selbst – verständlich auch in unserer Auftragslage wider. Nicht nur die Menge an Neuauflagen ist angestiegen, sondern auch die Anzahl an Nachpressungen sowie die durchschnittliche Auflagenhöhe von Vinylproduktionen.“ Allerdings variiere der Anteil an Vinylveröffentlichungen deutlich nach Genre. In Segmenten wie Elektro oder Techno sei zwar ein deutlicher Anstieg zu verspüren, dieser hole aber die Rückgänge, die das Unternehmen in den Vorjahren in diesen Genres verbuchte, noch nicht wieder ganz auf. „Das wiederum wird erfreulicherweise von anderen Bereichen mehr als kompensiert. Und durch vermehrte Schallplattenveröffentlichungen der Majors rückt das Thema Vinyl in der Öffentlichkeit wieder stärker in den Fokus – was den positiven Trend weiter unterstützt“, prog – nostiziert Tahernia. Er rechnet auch in Zukunft mit guten Absatzzahlen, wobei MPO bei den Vinylak – tivitäten nicht von einer zweistelligen Wachstumsrate, sondern „eher von einer Stabilisierung der bereits positiven Entwicklung“ ausgeht. Vinyl liegt weiterhin im Trend Steigende Vinylabsatzzahlen verbucht ebenfalls David Jahnke, Geschäftsführer des Augsburger Duplizierers Duophonic. Allerdings schränkt er ein, dass zwar mehr Aufträge eingehen – jedoch mit geringeren Stückzahlen pro Bestellung. Durchschnittlich handele es sich um Auflagen in Höhe von 500 bis 1000 Einheiten. Dabei hofft David Jahnke weiterhin auf einen positiven Trend in Sachen Vinyl. „Schließlich gibt es immer mehr jüngere Musikliebhaber, die wieder auf die gute alte Schallplatte setzen. Die Kombination aus LP und einer MP3-Downloadkarte ist dabei eine sehr gute Wahl.“ Carsten Haupt, Geschäftsführer des Stolberger Unternehmens Celebrate Records, das neben einem Label auch ein eigenes Presswerk für Vinyl unterhält, bestätigt eine Steigerung der Vinylproduktion im vergangenen Jahr um 15 Prozent. „Unsere Kunden lassen immer mehr Sonderprodukte wie Picture – und 10-Inch-Vinyls pressen. Aber auch die Standard-12-Inch-Platte ist wieder beliebt.“ Entsprechend hätten sich auch Verpackungen und Beilagen in der Menge und in den Qualitätsanforderungen erhöht. Zudem weiß Haupt: „Weltweit haben deutsche Vinylproduktionen einen guten Ruf, da sie sich in der Qualität deutlich von denen aus anderen Ländern abheben. Für 2012 sehen wir weiteres Potenzial für die schwarze Scheibe.“ Deswegen wolle das ostdeutsche Unternehmen noch in diesem Jahr in den Maschinenpark investieren, und auch personell hat Celebrate sich bereits im Januar in allen Abteilungen verstärkt, um weiterhin Lieferzeiten von sechs Tagen gewährleisten zu können.

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