Recorded & Publishing

Dossier: Neues Spiel, neues Glück

Dieser Branchenmeeting war als Alternative zur Midem geplant. Und es hat geklappt. Für die Teilnehmer war es offensichtlich eine gelungene Premiere: Die Debütausgabe der Classical:Next zog mehr als 650 Besucher an. Damit hat sie auf Anhieb die Erwartungen des Veranstalters Piranha Womex weit übertroffen.

Initiiert vom Verband CLASS – Association of Classical Independents in Germany und flankiert von der Naxos-Vertriebstagung sowie den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum von Naxos bot die Fachmesse im Münchner Gasteig den Besuchern einen doppelten Anreiz: „Die Labels gehen dahin, wo die Vertriebe sind“, konstatiert Stefan Piendl, Geschäftsführer Arion Arts. Er bescheinigt der neuen Spezialmesse einen vielversprechenden Anfang mit guter Stimmung und angenehmer Atmosphäre; solche Faktoren habe er zuletzt auf der Midem vermisst. Wie Piendl empfanden es wohl die meisten Fachbesucher. „Es ist ein Segen, dass es diese Veranstaltung jetzt wieder gibt“, sagt zum Beispiel Jens Quindt, Managing Director Edel:Kultur. „Ob man das dann nun alles mag, ist zwar eine andere Frage. Aber das ist Gemäkel auf hohem Niveau. An sich müssen wir froh und dankbar sein, dass das hier jemand hochgezogen hat. Gerade kleine und kleinste Firmen nutzen diese Plattform, um in Kontakt zu kommen, Majors sehe ich wenige.“ Die Unzufriedenheit über die Midem mit ihren hohen Preisen, weiten Wegen und teuren Hotels veranlasste CLASS, in München etwas Neues zu wagen. Es war ein Erfolg, wie Geschäftsführer Manfred Görgen (MDG) betont. So verzeichnete die erste Classical:Next mehr Buchungen, als die Midem im klassischen Segment in den vergangenen vier Jahren zusammen. „Ich bin fasziniert von der Tatsache, dass wir die Möglichkeit haben, die Messe selbst zu gestalten und die Indies dazu ermutigen, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen“, schwärmt Görgen. Ein abwechslungsreiches Konferenz- und Showcaseprogramm ergänzte das geschäftige Treiben, das sich ansonsten sehr nüchtern und zweckorientiert präsentierte. So gab es vom 31. Mai bis zum 2. Juni prominent besetzte Diskussionsrunden, die sich mit der Zukunft der klassischen Musik beschäftigten. Unter dem Motto „What is Better, a Commu – nity or a Crowd?“ zeigten Steven Walter, Artistic Director Podium Festival Esslingen, und Robert Douglass, der zusammen mit seiner Frau, der Pianistin Kimiko Ishizaka, das Projekt „Open Goldberg Variations“ ins Leben rief, ganz neue Wege der Finanzierung von Musikprojekten auf. Außerdem diskutierten Rechtsanwalt Stefan Pennartz, Barbara Wunderlich (Wunderlich Medien) und Paul Janse (Codaex International) über „Copyright Extension for Phonograms“ und überlegten dabei, welche Auswirkungen veränderte Schutzfristen für urheberrechtlich geschützte Werke auf Labels und Urheber haben. Als einziger Majormann nahm Christian Kellersmann, Managing Director Universal Classics & Jazz, am Panel zum Thema „Classical Cub Culture“ teil, das classical:next in Form einer Kooperation der Clubs Bob Beaman und Harry Klein an zwei Abenden auch in die Praxis umsetzte. Konnten sich die Messeteilnehmer für die Konferenzprogramme noch begeistern, so blieben die Reihen im Carl-Orff-Saal, wo die Showcases stattfanden, zum Teil erschreckend leer. Dabei boten die Veranstalter ein durchweg abwechslungsreiches Programm mit einer musikalischen Bandbreite vom Alte-Musik-Ensemble Le Jardin Secret bis hin zum Saxofon-Ensemble Sax Allemande; Videoshowcases zum Beispiel von Max Richter und dem Red Note Ensemble ergänzten das Programm. Auch die Filmvorführungen des IMZ International Music and Media Centre in Wien, wurden vom Fachpublikum kaum wahrgenommen. „Die Händler sind voll mit Terminen, da bleibt für die Showcases einfach keine Zeit“, erklärt Johannes Kernmayer von Capriccio. „Das ist schade, aber hier geht es um Deals, um Kontakte, ums Verkaufen und um neue Strategien. Das ist der eigentliche Schwerpunkt.“

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