Wenn man die Veranstaltung nicht durch die sonnige Brille sehen wollte, könnte man erzählen, was in diesem Jahr alles fehlte bei der Midem: Es gab keinen Sponsor für die Taschen; kein exotisches Partnerland wie China, Südafrika oder Trinidad & Tobago; kein Feuerwerk am Samstagabend wie manchmal in den Neunzigern; kein dickes tägliches Magazin mit den „Midem News“, sondern lediglich eine dünne Zeitung mit den wichtigsten Meldungen; keinen großer Verteiler der Drucksachen in den Foyers der Hotels; kein glamouröses Dinner zu Ehren einer wichtigen Branchenpersönlichkeit; kein MidemTalent-Spiegelzelt für Auftritte neuer Acts. Aber vermisste man all das wirklich? Die weltweite Schrumpfung der Branche ist nun auch sichtbar in Cannes angekommen; die Organisatoren von Reed Midem müssen mit den knapper gewordenen Mitteln strenger haushalten, und sie haben das Beste daraus gemacht. Dementsprechend war von Katerstimmung bei den allermeisten Besuchern nichts zu spüren. Back to basics hieß anscheinend die Devise. Auch bei der Eröffnung des deutschen Gemeinschaftsstands am Montagmittag war die Stimmung allgemein sonnig und – trotz allem – optimistisch. Zwar hatte Kulturminister Bernd Neumann wegen wichtiger Termine in Vertretung der Bundeskanzlerin in Japan nicht nach Cannes kommen können. Aber immerhin war der junge CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling angereist, der, wie er selbst sagte, nie gedacht hätte, dass er so schnell zum Internetexperten seiner Fraktion avancieren und sogar in der Enquetekommission digitale Gesellschaft sitzen würde. Aber er demonstrierte Kampfbereitschaft Seit‘ an Seit‘ mit den Kreativen und sagte die Worte, die jeder gern hört und die man in vergangenen Jahren regelmäßig politische Gastredner hat sagen hören. Er habe kein Verständnis dafür, deklamierte Heveling, wenn im Internet die Werteordnung der realen Welt ausgehebelt werden soll; er werde gegen die „Ideologen der Freiheit des Netzes“ alles tun, was zu tun ist. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass das Urheberrecht nicht in Konsumenten- oder Prosumentenrecht umgewandelt wird.“ Dagmar Sikorski hatte als Präsidentin des Deutschen Musikverleger-Verbands schon zuvor herausgestrichen, dass die Kreativwirtschaft künftig auf mehr Rückendeckung durch die Politik hoffe. Und auch der GEMA-Vorstandsvorsitzende Dr. Harald Heker machte erneut deutlich, dass die Ausgestaltung des Zweiten Korbs des Urheberrechts für die Cannes – Trotz anhaltender rückläufiger Tendenz zeigte sich die 45. Ausgabe der internationalen Musikmesse von ihrer sonnigen Seite. Und das lag nicht allein am strahlend blauen Himmel der Cote d’Azur. Auch die Standflächen waren luftig, großzügig, elegant ausgestattet. So hatte die deutsche Branche im Pavillion endlich genug Platz, sich ihrer Bedeutung gemäß darzustellen. Alles gut, oder was? 3 5/2011 9 midem 2011.dossier Vermittelte French-Vibes: Cascadeur, der wie sein Comic-Vorbild mit Schutzhelm auftritt 10 5/2011 dossier.midem 2011 Rechteinhaber „eine Enttäuschung“ gewesen sei. In der Diskussion um den Dritten Korb vertraue er nun „voller Optimismus“ darauf, dass der Gesetzgeber „den vor drei Jahren angerichteten Schaden zumindest teilweise wieder repariert“. Live-Showcase sorgt für Fun Factor Die eindrucksvolle Präsenz der deutschen Delegation auf der Midem 2011 setzte sich auch im Konzertprogramm der Messe fort: Hier sorgten Auftritte heimischer Bands, aber auch von österreichischen Acts wie die monkey.-Formation Bauchklang und das Pate-Records-Signing James Cottriall für musikalische Aufbruchsstimmung. Im Rahmen der von den Messemachern neu ausgerichteten Live-Aktivitäten traten aus Deutschland die !K7-Formation Brandt Brauer Frick, die Piranha-Künstlerin Sonia Brex, die aus dem Popakademie-Umfeld stammenden Bands The Astronaut’s Eye und Abby sowie der beinahe noch gänzlich unabhängige Münchner Act Ya-Ha auf. Am 24. Januar zunächst im Tages – verlauf noch im Messezentrum auf der sogenannten Fringe-Bühne „im Herzen der Midem“ zu sehen, setzte sich die Livereihe unter dem allerdings ein wenig ansteckend klingenden Motto „Germidem“ am Abend in Morrison’s Irish Pub fort. Zur Eröffnung strich Dieter Gorny als Vorstandschef des Bundesverbands Musikindustrie heraus, dass ein solcher Abend ohne die Unterstützung von vielen verschiedenen Partnern wie der Initiative Musik, der GEMA, Landesorganisationen wie dem Landesmusikrat. NRW und Berlin Partner oder eben den Branchenverbänden BVMI und VUT nicht möglich gewesen wäre. Allerdings sei es durchaus sinnvoll, sich auf dem internationalen Parkett zu präsentieren: „Der Markt wird immer europäischer und wir sind der Meinung, dass es in Deutschland spannende Musik gibt, die auch für das Ausland interessant ist.“ Und tatsächlich wurden die Elektroniker von Brandt Brauer Frick zwischenzeitlich für einen Auftritt beim renommierten US-Festival Coachella gebucht, das vom 15. bis zum 17. April stattfindet. Manfred Gillig-Degrave, Knut
Dossier: Midem 2011 – Fun in Cannes
Trotz anhaltender rückläufiger Tendenz zeigte sich die 45. Ausgabe der internationalen Musikmesse von ihrer sonnigen Seite. Und das lag nicht allein am strahlend blauen Himmel der Cote d’Azur. Auch die Standflächen waren luftig, großzügig, elegant ausgestattet. So hatte die deutsche Branche im Pavillion endlich genug Platz, sich ihrer Bedeutung gemäß darzustellen. Alles gut, oder was?





