“Wir bleiben als Tradeshow für die Musikindustrie die weltweite Nummer eins“, sagte Messedirektorin Dominique Leguern von der Reed Midem Organisation kurz vor Ende der 42. Midem am 30. Januar im Rahmen einer Pressekonferenz in Cannes. Dabei gewährte sie Einblick in die Zahlen des diesjährigen Branchentreffs, die leicht rückläufig ausfielen. Vor allem bewirkten weniger Buchungen aus dem traditionellen Musikgeschäft den Rückgang. Mit 9100 seien rund 200 Teilnehmer weniger gekommen als noch vor Jahresfrist, sagte Dominique Leguern, die aber auch betonte: „Die Transaktionen fanden auf hohem Niveau statt; die Messeteilnehmer waren höchst qualifiziert.“ Die Zahl der Besucher aus dem Live-Geschäft wuchs derweil um 18 Prozent, die aus dem Digitalbereich um 19 Prozent und die aus dem Künstlermanagement um zwei Prozent. Und Dominique Leguern übte sich nicht zuletzt deshalb in Zuversicht: „Es gibt Anzeichen für eine Erholung, es gibt Hoffnung. Ich habe in diesem Jahr viel Optimismus verspürt.“ Laut Leguern wollen die Midem-Veranstalter angesichts der sich wandelnden Wertschöpfungskette im Musikbiz weiterhin Vertreter aller Segmente des Geschäfts auf der Messe versammeln: „Wir sehen sehr viele Sektoren, die früher noch nicht Teil der Landschaft waren; die Midem war in diesem Jahr inhaltlich ganz besonders reichhaltig.“ 4550 Firmen aus 91 Nationen waren in Cannes präsent, 2238 Unternehmen stellten aus oder beteiligten sich an Gemeinschaftsständen. Die meisten Teilnehmer kamen aus Großbritannien, den USA, Frankreich, Deutschland und Kanada; gut 100 Messebesucher stammten aus dem Partnerland China. Das Reich der Mitte ist für die Midem-Veranstalter „ein ganz wichtiges Thema“, wie Dominique Leguern versicherte. Kein Wunder: Vom 17. bis zum 20. November soll in Hongkong erstmals Amazia über die Bühne gehen – ein neuer Midem-Ableger, der allen Bereichen des Entertainmentbusiness ein Forum bieten soll (siehe „Nachgefragt“ mit Amazia-Leiter Franz Caduc auf dieser Seite). Für Amazia erwarten die Messeveranstalter mehr als 3000 Teilnehmer. „Die Resonanz ist schon jetzt sehr hoch“, sagt Caduc. Zum Auftakt soll es am 17. und 18. November einen Kongress mit crossmedialer Ausrichtung geben. Man darf erwarten, dass sich dessen Konzept an der MidemNet-Konferenz orientiert, die, so Dominique Leguern, auch weiterhin als Ergänzung der Midem ihre Berechtigung hat. Midemnet zog allein 1398 Teilnehmer an. Neu im Midem-Programm war dieses Jahr die Live-Initiative „Talent Only“, die jungen Acts aus Klassik, Jazz und Pop ein Forum verschaffte und sehr positiv angenommen wurde. „Ich denke, wie wir es angegangen sind, hat es funktioniert, obwohl A&R ja nicht unser Kerngeschäft ist“, sagt Dominique Leguern im Gespräch mit MusikWoche. „Wir haben eine professionelle Umgebung geschaffen für Künstler, die zwar schon einen Vertrag oder ein gewissen Status erreicht haben, die aber Deals auf internationalem Level suchen – Licensing, Konzerte, was auch immer. Wir wollten keine Plattform für ungesignte Bands bieten; um so etwas sollen sich andere kümmern. Uns ging es darum, Profis dabei zu helfen, den Kontakt zu anderen Profis zu knüpfen.“ Dass dieses Konzept funktionierte, zeigte sich nicht nur in Konzerten von Künstlern wie dem jungen Trompeter Ibrahim Maalouf oder von Bands wie 22 Pistepirkko (Finnland), The Black And White Years (USA) und Dúné, der dänischen Gewinner des European Border Breakers Awards (EBBA), sondern auch in den Gesprächsrunden, in denen die Künstler Erfahrungen austauschten.
Dossier: Midem 2008
Zwar fielen die Besucherzahlen in diesem Jahr leicht rückläufig aus. Doch dafür konstatierten die Messeveranstalter mehr Qualität. Außerdem lockte die A&R-Initiative „Talent Only“ mit MusikWoche als Medienpartner mehr Besucher aus dem Live-Bereich zur Midem. Und mit Amazia unternimmt die Reed Midem Organisation im November einen neuen Anlauf in Asien.





