Recorded & Publishing

Dossier: Metal bleibt weiter hart im Nehmen

Trotz aller durchaus positiven Signale in Hinblick auf die deutlich steigenden digitalen Verkäufe und die weitgehend prosperierende Liveszene gibt es auch im Metalmarkt, gerade im Bereich der Newcomer und diverser Spezialgenres, handfeste Probleme. Trotzdem erweist sich das Genre insgesamt auch 2010 als erstaunlich stabil und trotzt der allgemeinen Entwicklung.

Von übertriebener Panikmache war bei den Metalexperten in den vergangenen Jahren wenig bis gar nichts zu spüren. Den negativen Entwicklungen des Gesamtmarkts konnte sich zwar auch dieses Genre nicht vollständig entziehen, aber eine nach wir vor funktionierende, zum Teil sogar deutlich wachsende Fanszene sorgt weiterhin dafür, dass sich die Umsatzeinbußen in halbwegs erträglichen Grenzen bewegen. Daran hat sich bei den führenden Labels und Vertrieben, von Nuclear Blast über Roadrunner, Century Media und SPV bis hin zu Soulfood, die mit entsprechend hochwertigen Produkten aufwarten, auch 2010 wenig geändert. Trotzdem betrachten sie die Entwicklung ihrer Branche mit Sorge, die auch Erfolge im Bereich der bezahlten digitalen Downloads nicht schmälern. Härter als die „großen“ Metallabels trafen die Umsatzrückgänge sicherlich viele kleinere Labels, die zum Teil erheblich Personal abbauen mussten. Doch angesichts dieser strukturellen Probleme muss man nicht gleich ein Katastrophenszenario heraufbeschwören. Mit entsprechendem Einsatz, einer klugen Marketing-, Promotion- und Vertriebsstrategie gerade auch im digitalen Bereich und natürlich viel spannender Musik lässt sich auch in diesem Jahr noch viel bewegen. „Sicherlich ist es im Metalmarkt noch besser als in den meisten anderen Bereichen“, meint Jochen Richert, Managing Director von Soulfood, „aber man kann auch nicht behaupten, dass die Problematik von illegalen Downloads spurlos am Metal vorbeigegangen ist.“ Speziell neue Trends wie zum Beispiel Metal Core hätten mit derselben „Krankheit“ zu kämpfen. „Darum gehen wir immer mehr dazu über, mit Sonderverpackungen und speziellen 3 43/2010 11 Sogar alten Hasen wie sie spüren Umsatzrückgänge: die Musiker von Helloween metal.dossier 12 43/2010 SPV präsentiert reichhaltiges Herbstprogramm Hannover – Zu den Schwerpunkten im Metalbereich bei SPV zählt im Herbst 2010 neben „The Black Light Bacchanalia“ (VÖ: 22. Oktober), dem neuen Album von Virgin Steele, vor allem „In War And Pieces“, das neue Werk der Thrash-Metal-Forma – tion Sodom um Sänger und Bassist Tom Angelripper. „Bei Virgin Steele konzentrieren wir uns beim Marketing auf traditionelle Maßnahmen wie Printanzeigen sowie auf einige ausgewählte Internetplattformen“, erklärt Olly Hahn, A&R Steamhammer und International Product Manager. Im März 2011 geht die Band auf ausgedehnte Europatournee. Ab diesem Zeitpunkt bringt SPV nach und nach den kompletten Backkatalog der Formation um Sänger und Bassist David DeFeis neu heraus. „Die zehn Alben werden wir sukzessive aufwendig restaurieren und mit neuen Booklets, Artwork und Bonustracks ausstatten.“ Veröffentlicht werden die remasterten Longplayer verteilt über das ganze Jahr. „Es macht keinen Sinn“, so Olly Hahn, „sie alle auf einmal herauszubringen. Sie erscheinen immer dann, wenn es passt.“ Bei Sodom hingegen setzt SPV unter anderem auf Kooperationen mit ausgewählten Mailorder-Anbietern und eine enge Zusammenarbeit mit iMusic-TV, zwei Partner, „die für uns in letzter Zeit an Bedeutung gewonnen haben“. SPV kooperierte bereits bei „The Crest“, dem letzten Album von Axel Rudi Pell, erfolgreich mit iMusic TV. „Die Zusammenarbeit bei Sodom umfasst Banner, Interviews und Spots“, erklärt Olly Hahn. Mit dem zuneh- Fanboxen zu arbeiten“, sagt er. Diese Strategie habe sich in der Metalszene bewährt. Einen Service für Fans stellt auch die Vinylschallplatte dar, die im Metal – bereich wieder verstärkt eingesetzt wird. Viele Labels, die zum Teil jahrelang kaum Vinyl im Angebot hatten, besinnen sich heute auf den Mehrwert dieses Tonträgers, zusätzlich zu CD-Veröffentlichungen. „Die Entwicklung in diesem Bereich ist sehr positiv“, erklärt Olly Hahn, A&R Steamhammer und International Product Manager bei SPV. Ein Hoffnungsschimmer seien außerdem legale Downloads – hier präsentieren viele Firmen stark ansteigende Zahlen. So konnte zum Beispiel Nuclear Blast in den ersten sechs Monaten 2010 bei den digitalen Verkäufen in Deutschland um 50 Prozent zulegen. „Letzen Endes kommt es aber immer noch auf den Endverbraucher an, der entscheidet, was geht und was nicht“, stellt Andy Siry, Head of A&R/Labelmanager bei Nuclear Blast, fest. „Es ist heute wichtiger denn je, gerade im A&R-Bereich die richtigen Akzente zu setzen.“ Eine zunehmend große Rolle beim Verkauf der Platten und Downloads spielen die Handelsketten, die großen Mail – ordervertriebe und natürlich iTunes. Roadrunner zum Beispiel startet nächste Woche die erste Label-iTunes-Kampagne, die bis Ende November läuft. „Davon versprechen wir uns natürlich sehr viel“, erklärt Henk Hakker, Geschäftsführer von Roadrunner. „Um die Kampagne entsprechend anzustoßen, setzten wir sogar extra unsere bisher jährlich auf DVD erscheinende Roadrage-Video-Compilation eins zu eins digital um.“

Neugierig?

Jetzt als Abonnent anmelden und weiterlesen.

Du hast noch kein Abo? Dann hol dir jetzt das Digitalabo für nur 39,90 Euro pro Monat.

Anmelden