Recorded & Publishing

Dossier: Lektionen für ein neues Unternehmertum

Derek Sivers, Jahrgang 1969, gründete 1998 seine Firma CD Baby als Ein-Mann-Vertrieb von Independentmusik im Internet. Als er CD Baby 2008 verkaufte, war es ein millionenschweres Unternehmen. In seinem Buch „Anything You Want“ erläutert Sivers seine Philosophie und gibt Firmengründern nützliche Tipps. MusikWoche bringt auf den nächsten Seiten Auszüge.

“Mir geht es mit CD Baby nicht um die Weltherrschaft“, gab Derek Sivers einst zu Protokoll. „Es geht darum, der coole, freundliche Shop gegenüber dem großen, unfreundlichen Laden auf der anderen Straßenseite zu sein.“ Als Gründer von CD Baby hat Derek Sivers dieses Ziel mustergültig umgesetzt. Dabei wollte der Profimusiker, der auch als Zirkusclown auftrat, 1998 zunächst nur die CD seiner eigenen Band Hit Me über eine selbst program – mierte Webseite verkaufen. Als das funktionierte, baten ihn befreundete Musiker, den Vertrieb ihrer Aufnahmen mit zu besorgen. Das tat Sivers so erfolgreich, dass CD Baby – mit Standort in Portland, US-Bundesstaat Oregon – schnell expandierte und sogar das Platzen der ersten Internetblase um die Jahrtausendwende unbeschadet überstand. Bald war CD Baby der größte Vertreiber unabhängiger Musik im Internet; die Umsätze verdoppelten sich von Jahr zu Jahr. Sivers hielt Vorträge bei Branchenkonferenzen und wurde in den Medien als Erfolgsunternehmer gefeiert; das „Esquire“-Magazin sah in ihm einen „der letzten Helden der Musikbranche“. Doch 2008 verkaufte der Held sein Baby für 22 Millionen Dollar an den US-amerikanischen CD- und DVD-Hersteller Disc – Makers; der Erlös floss an eine gemeinnützige Stiftung zur Förderung der Musik – erziehung, die Sivers ins Leben gerufen hatte. Vom Stiftungskapital erhält Derek Sivers jährlich fünf Prozent, also 1,1 Millionen Dollar, für seinen Lebensunterhalt. Denkbar einfache Geschäftsbedingungen Inzwischen hat CD Baby nach Angaben von DiscMakers mehr als drei Millionen Digitaltracks von vertraglosen Künstlern verkauft und 157 Millionen Dollar an die Künstler ausgeschüttet; der Katalog umfasst 360.000 Alben. Zu den bestverkauften Titeln von CD Baby zählen der Soundtrack des Films „Donnie Darko“ und das Album „Trading Snakeoil For Wolftickets“ von Gary Jules, das dank CD Baby ein Hit in der Indieszene war, bevor es über Sanc – tu ary in den Handel kam und die Single „Mad World“ Anfang 2004 die Charts stürmte. Die Geschäftsbedingungen von CD Baby sind denkbar einfach: Der Vertrieb erhält bei CDs und Vinylplatten von jedem verkauften Exemplar vier Dollar, der Rest geht an den Künstler; bei einem Albumverkaufspreis von zwölf Dollar wären das also acht Dollar. Für Downloads über die Adresse CDBaby.com erhält der Vertrieb 25 Prozent des Verkaufspreises, mindestens aber 29 Cent. Bei einer Single zu 99 Cent bleiben dem Künstler also 70 Cent; bei einem Album zu 9,99 Dollar erhält er 7,49 Dollar. CD Baby bestückt alle Onlinehändler von iTunes bis Rhapsody und Amazon und kassiert dafür eine Provision von neun Prozent der Netto – einnahmen. Seit dem Verkauf seiner Firma betätigt sich Derek Sivers unter der Adresse http://sivers.org als Blogger. In seinen Texten gibt er praktische Ratschläge zur Gründung und Führung eines Unternehmens und legt Rechenschaft ab über seine Aktivitäten und Motivation. Die Essenz seines Handelns fasste er im handlichen Ratgeber „Anything You Want – 40 Lessons For A New Kind Of Entrepreneur“ zusammen, der die Indiephilosophie von CD Baby und die Do-it-yourself-Haltung des Musikers und Unternehmers Derek Sivers in knappen, klaren Essays auf den Punkt bringt. Das Buch ist als Hardcover- Edition über Amazon für 9,67 Dollar erhältlich, in der eBook-Version für den Kindle kostet es 9,22 Dollar. MusikWoche bringt hier eine Leseprobe. Sivers lebt seit Juni 2011 mit seiner indischen Frau Saj in Singapur und hat die Staatsbürgerschaft des asiatischen Stadtstaates angenommen.

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