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Dossier: Kreativität vor dem technischen Knockout

In der digitalen Medienwelt rückt das Urheberrecht ins Kreuzfeuer der Kritik. Partikularinteressen stellen den Schutz des geistigen Eigentums im Internet in Frage. Dabei drohen diejenigen unter die Räder zu kommen, die mit ihrer Kreativität erst gewährleisten, dass Verwerter jedweder Art Geschäfte machen können. Können Künstler aber nicht mehr von ihrer Kunst leben, geht irgendwann der Nachschub aus und damit die kulturelle Vielfalt flöten. Begleitend zu einem Symposium der Media Business Academy unter dem Motto „Der Schutz des geistigen Eigentums – Urheberrecht in der digitalen Medienwelt“ fragte MusikWoche profilierte Vertreter der Branche, was ihrer Meinung nach falsch läuft beim Schutz des geistigen Eigentums.

d o s s i e r g e i s t i g e s e i g e n t u m 12_MusikWoche_11_2012 Kreativität vor dem technischen Knockout In der digitalen Medienwelt rückt das Urheberrecht ins Kreuzfeuer der Kritik. Partikularinteressen stellen den Schutz des geistigen Eigentums im Internet in Frage. Dabei drohen diejenigen unter die Räder zu kommen, die mit ihrer Kreativität erst gewährleisten, dass Verwerter jedweder Art Geschäfte machen können. Können Künstler aber nicht mehr von ihrer Kunst leben, geht irgendwann der Nachschub aus und damit die kulturelle Vielfalt flöten. Begleitend zu einem Symposium der Media Business Academy unter dem Motto „Der Schutz des geistigen Eigentums – Urheberrecht in der digitalen Medienwelt“ fragte MusikWoche profilierte Vertreter der Branche, was ihrer Meinung nach falsch läuft beim Schutz des geistigen Eigentums. d o s s i e r MusikWoche_11_2012_13 d o s s i e r g e i s t i g e s e i g e n t u m 14_MusikWoche_11_2012 Frank Briegmann: Der Kern des Problems liegt nicht einmal im Urheberschutz selbst, auch wenn es an vielen Stellen schon lange nicht mehr die digitalen Realitäten abbildet und deshalb dringend reformbedürftig ist. Die eigentliche Krux ist die mangelnde Durchsetzung des Urheberrechts. Was nützen einem die besten Schutz – vorschriften, wenn sich niemand um deren Anwendung kümmert? Ich halte deshalb das Internet auch nicht für einen rechtsfreien Raum. Vielmehr ist es in weiten Teilen ein rechtsverfolgungsfreier Raum. Und das muss sich schnell ändern! Der Rechtsstaat darf nicht an der Netzwerkdose enden. Sonst ist die gesamte Kultur- und Kreativbranche ernsthaft in ihrer Existenz gefährdet. Sichere Folge wären ein nicht wieder gutzumachender Verlust an kultureller Vielfalt und Millio nen frustrierte Fans. Politik ist unter anderem dazu da, einen Interessensausgleich herzustellen. Von „Ausgleich“ kann allerdings momentan kaum die Rede sein. Wie sähe die Situation wohl aus, wenn es nicht um Musiker und ihre Songs ginge, sondern vielleicht um Autos? Was würde passie – ren, wenn eine Gruppe von Menschen die individuelle Mobilität zu einer Art Grundrecht erklärte und damit zum Beispiel die Verwendung fremder Fahrzeuge legitimieren wollte? Die Autos würden die – ser Logik folgend nicht mehr gestohlen, sondern der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Zugegebenermaßen ohne Zustimmung des Besitzers. Wie lange würde es wohl dauern, bis von staat li – cher Seite eingeschritten würde? Ich glaube, nicht lange. Denn halb Deutschland sähe sein Eigentum gefährdet und würde schnelle Maßnahmen fordern. Der Schutz geistigen Eigentums dagegen geht potenziell weniger Menschen an. Offenbar erreichen sie nicht die kritische Masse, die not wen – dig ist, um die Politik zum Handeln zu bewegen. Dabei gibt es mit dem von der Justizministerin jüngst abgelehnten Warnhinweismodell ein Instru ment, das geeignet scheint, nachhaltig auf die Nutzung legaler Angebote hinzuwirken. Es gibt dem illegalen Downloader die Chance, sein Ver – halten zu überdenken, bevor es zu Abmahnungen oder anderen Sanktionen kommt. Damit setzt dieses Modell voll und ganz auf die Einsicht der Rechteverletzer und die Attraktivität der vielen legalen Angebote. Die Arbeit der Kreativen, ihr häufig einziges Kapital, muss wirksam geschützt werden, wenn man das berufliche Leben dieser Menschen nicht zerstören will. Sie müssen die Möglichkeit erhalten, zu entscheiden, was mit ihrem Werk geschehen soll, wie es ausgewertet wird und von wem. Die Debatte ist geprägt von Grundrechtsfragen und bisweilen auch von fehlender Sachkenntnis, wie man im Zusammenhang mit ACTA wieder erleben konnte. Dabei wird von vielen Seiten, übrigens auch vom zuständigen Justizministerium, nur allzu häufig erörtert, was alles nicht geht. Gesetzgeberischer Gestaltungswille sieht für mich anders aus. Warum können wir nicht einmal dar – über sprechen, was geht und wie man den Kreativen helfen kann? Ich fordere die Beteiligten zu mehr Pragmatismus auf. Das Thema ist viel zu wichtig für diejenigen, die von ihrer Kreativität die Miete zahlen und ihre Familie ernähren, genauso wie für alle, die eine vielfältige Kunst- und Kulturszene in Deutschland zu schätzen wissen, als dass es in Ausschüssen, Arbeitsgruppen und Gesprächskreisen bis zum Sankt-Nimmerleins- Tag verschoben werden dürfte. Was läuft derzeit falsch beim Schutz von Urheberrecht und geistigem Eigentum? Welche Maßnahmen halten Sie deshalb für dringend geboten? „Der Rechtsstaat darf nicht an der Netzwerkdose enden“ Vermisst den gesetzgeberischen Gestaltungswillen: Frank Briegmann, President Universal Music Deutschland, Österreich, Schweiz und Deutsche Grammophon d o s s i e r MusikWoche_11_2012_15 Micki Meuser, Komponist, Vorsitzender mediamusic e.V.|Berufsverband Medienmusik: Das Urheberrecht ist ein flexibles System, das seit über 100 Jahren an neue Gegebenheiten angepasst wird. Falsch ist, zu behaupten, es sei nicht für das digitale Zeitalter bereit. Die derzeit erfolgreichen Verhandlungen zu Onlinetarifen und Streaming zeigen das Gegenteil. Die falschen Behauptungen haben einen einfachen Grund: Die IT-Branche braucht die kreativen Leistungen der Urheber, sonst verkauft sie nur graue Kisten, und die Social Networks haben kaum etwas zu „teilen“. Sie versucht den Einkauf dieser Leistungen billiger zu gestalten, und da steht ihr das Urheberrecht als Honorierungssystem für Kreative im Wege. Von einer Schwächung verspricht man sich höhere Profite. Die Debatte um das Urheberrecht wird einseitig als angeblicher Konflikt zwischen Urheber und Verbraucher geführt. Das bei weitem größte Interesse am Urheberrecht hat aber die IT-Branche. Es ist also in Wahrheit ein Problem mit drei Beteiligten. Wer in der Politik über das Urheberrecht entscheidet oder in der Presse berichtet, muss diesen Zusammenhang kennen. Wir Urheber sind der Auffassung, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen, die online Kultur genießen, uns für kreative Leistungen honorieren möchte, und weisen darauf hin, dass auch die große Menge von Abmahnungen nicht von uns kommt. Auch die Dagmar Sikorski, Präsidentin Deutscher Musikverleger- Verband (DMV): Falsch läuft zur Zeit beim Schutz von Urheberrecht und geistigem Eigentum, dass zurzeit leider überhaupt nichts läuft. Oder anders formuliert: Es ist sicherlich unbestritten, dass das Urheberrecht dem digitalen Zeitalter angepasst werden muss. Geänderte rechtliche Rahmenbedingungen oder auch nur Vorschläge hierzu fehlen von seiten der Politik bisher noch völlig. Leider fehlt bisher auch jegliche Bereitschaft der Internetprovider zur Zusammenarbeit mit der Kreativwirtschaft. Die Musikbranche hat zwischenzeitlich ihre Hausaufgaben gemacht und eine Vielzahl von neuen Geschäftsmodellen, die der digitalen Entwicklung Rechnung tragen, entwickelt und etabliert. Aber das große Problem, das sich weiterhin stellt, ist die illegale Nutzung von Musik im Netz. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass durch einseitige Maßnahmen nachhaltige Erfolge hier nicht erzielt werden können. Folgende Maßnahmen sind daher dringend geboten: Die Provider müssen verstärkt die legalen Angebote der Musikindustrie unterstützen und fördern, zum Beispiel durch den Abschluss von Lizenzabkommen für die mobile Musiknutzung. Derartige vertragliche Verein – barungen dürfen übrigens nicht mit dem Begriff „Kulturflatrate“ gleichgesetzt werden. Mit diesen legalen Angeboten von seiten der Industrie und den Providern könnte sicherlich die legale Musiknutzung im Netz deutlich ausgeweitet werden. Als parallele Maßnahme hierzu wäre die illegale Nutzung zurückzudrängen. Auch das geht nur mit Hilfe der Provider. Internationale Erfahrungen zeigen, dass dies mit Warnhinweisen möglich ist, ohne gegen bestehende Datenschutzregelungen zu verstoßen, oder, wie gern behauptet wird, die Provider zu Hilfssheriffs zu machen. Kurz, es fehlt die Unterstützung der Politik, vor allem aber die Zusammenarbeit zwischen Musikbranche und Internetprovidern bei legalen Angeboten und bei der Eindämmung illegaler Musik im Netz. Oder noch kürzer: Benötigt wird Kooperation statt Konfrontation. Rechtsunsicherheit, der die Verbraucher beim Konsum kreativer Werke in digitalen Medien ausgesetzt sind, ist nicht im Sinne der Urheber. Sie wird aber bewusst in Kauf genommen oder sogar noch geschürt. Das Ziel ist klar: Es soll nicht Klarheit und Rechtssicherheit geschaffen werden, sondern das Urheberrecht soll verantwortlich gemacht und wahlweise als unzureichend, ver – altet oder verbraucherunfreundlich dargestellt werden. In der Öffentlichkeit muss deutlicher darge stellt werden, was Urheberrecht wirklich ist, nämlich der erste Versuch der zivilisierten Menschheit, Ideen und kreative Leistungen zu honorieren. Es ist mehr als ein juristisches Werk. Es ist der Motor in der Mitte der Kreativwirtschaft und ein Garant für eine Gesellschaft mit lebendiger Kultur. Wer es aus Profitüberlegungen schwächen will, riskiert, eine kulturelle, lebenswerte Gesellschaft in ein Arbeitslager zu wandeln. Aufklärung der Verbraucher über ihre Rechte im digitalen Raum ist dringend geboten, um die Verunsicherung zu beenden. Nur weil es ein neues Medium gibt, muss man nicht ein ganzes Gesetz ändern oder abschaffen. Ebenso dringend geboten sind wahrheitsgetreuere Bericht – erstattung in der Presse und mehr Hintergrundwissen bei der Politik, damit die vielen Halb – wahrheiten und die aus Profitdenken gestreuten Falsch informationen endlich entlarvt und sinn – volle Entscheidungen getroffen werden können. „Urheberrrecht ist der Motor in der Mitte der Kreativwirtschaft und ein Garant für eine Gesellschaft mit lebendiger Kultur“ „Benötigt wird Kooperation statt Konfrontation“ Hält Aufklärung der Verbraucher für dringend geboten: Micki Meuser Plädiert für Zusammenarbeit mit den Providern: Dagmar Sikorski d o s s i e r g e i s t i g e s e i g e n t u m 16_MusikWoche_11_2012 „Das Warnmodell wäre ein wichtiger Baustein zum Schutz des geistigen Eigentums“ Florian Drücke: Die Diskussion über den Schutz von Rechten des geistigen Eigentums wird aktuell von vielen nur unter dem Blickwinkel der Einschränkung von Freiheitsrechten geführt, was für die Rechteinhaberseite vor dem Hintergrund der immer wieder beschriebenen Problematik der massenhaften illegalen Umsonstversorgung mit Inhalten inakzeptabel ist. Begrifflichkeiten wie „Datenschutz“, „Zugang“ oder „Information“ werden bewusst als Kampfbegriffe gegen die Kulturund Kreativwirtschaft – Teile davon gern auch als Contentmafia bezeichnet – verwendet. Generell ist festzustellen, dass das Schüren der Angst vor Überwachung und Zensur offenbar schon ausreicht, um eine versachlichte Betrachtung des Problems zu verhindern, übrigens auch und gerade – wie jüngst bei der Berichterstattung um ACTA erlebt – in der Presse. Wenn dann noch politische Zickzacksignale hinzukommen, ist es nicht erstaunlich, dass die Verwirrung in der Bevölke – rung zunimmt. Vor allem kommt man so nicht ansatzweise zu einer Diskussion über Lösungen, ganz zu schweigen von der dringend notwendigen Diskussion über den gesellschaftlichen Wert des kreativen Schaffens. Ganz bescheiden wünschen wir uns vor allem zunächst eine sachlichere Diskussion. Dazu tragen wir zum Beispiel dadurch bei, dass wir unsere Aussagen durch Zahlen belegen, beispielsweise mit der Studie zur Digitalen Content-Nutzung (DCN). Spannenderweise wird dieser Studie häufig die Berechtigung abgesprochen, jedoch keine neue Basis für eine inhaltliche Auseinander – setzung angeboten. Zur sachlicheren Diskussion tragen wir auch durch konsequente Information über das immer interessanter wer dende legale Angebot bei. Hier ist jedoch zu bemerken, dass gerade diejenigen, die noch vor ein paar Jahren gesagt haben „Euer Problem liegt nur am fehlenden Angebot“, dies einem in der Debatte nicht danken. Das zeigt das Beispiel der Musikbranche sehr deutlich: Wir haben das legale Angebot – und als Aus – rede, um die Situation der Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums nicht zu verbessern, wird pauschal auf den „weiteren notwendigen Aus- Branche hat lange genug gejammert: Philip Ginthör Philip Ginthör, CEO Sony Music Entertainment GSA: Die Musikbranche hat lange genug gejammert. Dabei haben wir es mit dem groß artig – sten und weltweit beliebtesten, weil emotional – stem Produkt zu tun: Musik. Musik erreicht jeden. Irgendwie. Irgendwann. Aber diejenigen, die sie kreieren, produzieren und vertreiben, müssen auch im digitalen Zeitalter die Chance haben, dafür angemessen vergütet zu werden. Und deshalb muss das Urheberrecht genau da ankommen, wo die Musikbranche schon ist: im digitalen Zeit – alter. Die Musikindustrie hat heute ihre Inhalte konsequent lizenziert. Weltweit gibt es 500 Music Services, die rund 20 Millionen Songs legal anbieten, davon alleine 70 Downloadportale in Deutschland. Kommerzielle Streamingmodelle ermög – lichen ein völlig neuartiges und extrem benutzerfreundliches Musikerlebnis – und dies: legal. Jetzt, wo das legale digitale Angebot an Musik so umfassend und vielfältig ist, muss auch der Gesetzgeber sicherstellen, dass illegale Nutzung ohne ökonomische Anerkennung der Urheber keine geduldete Alternative mehr ist. „Musik erreicht jeden. Irgendwie. Irgendwann.“ Daher muss neben dem Gesetzgeber das Thema „Geistiges Eigentum ist auch im Internet nicht umsonst“ klar und immer wieder kommuniziert werden. Es liegt an uns allen, immer wieder klarzumachen, dass unsere kulturelle Vielfalt nach hal tig verloren geht, wenn wir als Gesellschaft nicht bereit sind, die Notwendigkeit einer ökonomischen Vergütung von geistigem Eigentum im Netz anzuerkennen. Wünscht sich vor allem eine sachlichere Diskussion: Dr. Florian Drücke, Geschäfts – führer Bundesverband Musikindustrie Foto: Markus Nass K I N O · F I L M · T V · V I D E O · D V D · G A M E S · M U S I K mediabiz-jobs.de Die Kölner MORE Unternehmen gehören zu den innovativen und unabhängigen Anbietern der Home Entertainment Branche. Seit Jahren veröffentlichen wir erfolgreich Musik-, Film-, und TV-Content auf CD, DVD und Online mit einem Fokus auf Deutschland, Österreich und die Schweiz. Unseren Erfolg verdanken wir nicht zuletzt unserem kleinen, schlagkräftigen Team, das mit Begeisterung und Engagement herausragende Produkte entwickelt. Zum nächstmöglichen Zeitpunkt suchen wir eine/n Manager Product & Content (m/w) Ihre Aufgabe: In dieser verantwortungsvollen Position liegt das Hauptaugenmerk auf dem Einkauf von Content und dem Produktmanagement sowie der Unterstützung der Geschäftsführung. 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Der Schutz des geistigen Eigentums darf nicht zu Lasten des Urhebers auf dem Rücken des Nutzers ausgetragen werden, ebenso wenig wie zugunsten der TK-Industrie. Wir fordern die Politik auf, auf der Grundlage der eingereichten Vorschläge endlich zu handeln, sowohl in Berlin (Dritter Korb) als auch in Europa (Richtlinie für die Harmonisierung des Wahrnehmungsrechts). „Verquickung von Reformansätzen und netzpolitischer Debatte“ bau des legalen Angebots“ verwiesen. Jeder, der heute meint, es besser zu wissen, sollte meines Erachtens Risikokapital einsammeln und zeigen, dass er es auch wirklich besser machen kann. Konkreter: Das Warnmodell wäre ein wichtiger Baustein zum Schutz des geistigen Eigentums im Internet, weil es Abschreckung und Aufklärung miteinander verbindet. Dabei muss klar sein, dass Provider und Rechteinhaber gleichermaßen beteiligt sind. Es geht uns um Kooperation. Die aktuelle DCN-Studie hat übrigens gezeigt, dass ein solches Modell von den Deutschen als wirksam angesehen wird, und auch im Ausland konnten erste Erfolge bei ähnlichen Modellen festgestellt werden. Nachdem in Deutschland bislang vor allem die Frage der angemessenen Sanktion bei einem Warn – modell sehr kritisch diskutiert wurde, wird es von den Kritikern jetzt gänzlich in Frage gestellt – dabei beschreibt das vom Bundeswirtschafts – ministerium beauftragte Gutachten von Professor Rolf Schwartmann sogar ein Modell ohne technische Sanktionen. Und wieder gilt: Alternativlösungen, bei denen das Pro blem nicht einseitig auf dem Rücken der Rechte inhaber abgeladen wird, fehlen gänzlich in der Diskussion. Generell müssen wir mit Blick auf Dienste wie kino.to oder Mega upload auch die Haftungsprivilegien kritisch hinterfragen und an die digitale Realität anpassen. Fordert die Politik zum Handeln auf: Harald Heker d o s s i e r g e i s t i g e s e i g e n t u m 18_MusikWoche_11_2012 Keine Bagatelle, kein Kavaliersdelikt Nachhaltiges Wirtschaften heißt die Devise. Denn die Ressourcen auf dem Planeten Erde sind begrenzt. Aber gilt das auch für das kreative Schaffen? Die große Herausforderung in einem Wirtschaftssystem, dessen treibende Kraft die Schaffung von Mehrwert und damit Wachstum ist, besteht darin zu gewährleisten, dass die Maschine nicht ins Stocken gerät, weil der Treibstoff ausgeht. Dass man nicht unbegrenzt Raubbau an der Natur betreiben kann, haben viele begriffen. Doch wenn es um kreative Leistungen – und vor allem um Musik – geht, will vielen Konsumenten nicht einleuchten, dass auch auf diesem Gebiet nachhaltiges Wirtschaften gefragt ist. Symptom dafür ist, dass sich viele Nutzer illegale Inhalte downloaden. Wie ein Markt zusammenbricht Ein kreativer Mensch, der von seinem Schaffen leben will, möchte dafür bezahlt sein. Denn hat er nicht genug Einnahmen, muss er als Fahrradkurier oder Taxifahrer arbeiten; sein Geschäftsmodell Kreativität steht vor dem Bankrott. Bald ist es so weit, dieser Schluss drängt sich auf. Die Umsätze der Musikbranche in Deutschland sind seit 1999 um fast die Hälfte geschrumpft, die Zahl der legalen Downloads steigt zwar kräftig an, kann jedoch die Einbrüche nicht wettmachen. Knapp sieben Milliarden illegale Musikdownloads zählt die „Studie zur Digitalen Content-Nutzung (DCN)“, die GfK im Auftrag der Musik-, Film- und Buchbranche erhoben hat, in einem Jahrzehnt. Damit nahm die Entwicklung der Musikindustrie in den vergangenen zehn Jahren mit der freien Verfügbarkeit ihrer digitalen Inhalte im Internet vorweg, was inzwischen auch die Buchbranche, die Filmwirtschaft und andere Kreativzweige bedroht: Ein Markt bricht zusammen, weil ihm illegale Downloads die wirtschaftliche Basis entziehen. Für die produzierten Waren lassen sich auf lange Sicht nicht mehr genug Erlöse erwirtschaften, mit denen wiederum neue Werke produziert werden könnten. So lange der Verbraucher im Internet die Möglichkeit hat, sich illegal mit Musik, Filmen, Software einzu – decken, ist das Geschäftsmodell aller Bereiche der Kreativindustrie fundamental bedroht. Die freie Verfügbarkeit von Inhalten mag einer der großen Vorteile des Internets sein. Doch kann es dabei nicht darum gehen, dass sich jeder mit allem frei eindeckt. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum; es muss auch im Web eine Entscheidung des Rechteinhabers bleiben, was mit den Schöpfungen passiert, die er zur Verfügung stellt. Um einer Ware möglichst große Verbreitung zu si chern und dabei so viel wie möglich zu verdienen, muss man den Preis so weit wie möglich reduzieren. Diese goldene Regel der Marktwirtschaft lässt sich im Prinzip ins Internet übertragen – nur wird sie dort ad absurdum geführt, setzt man sie bis zur letzten Konsequenz um. Denn eine Ware kann noch so billig sein; wenn sie beim Angebot der Konkurrenz für umsonst zu haben ist, bleibt sie Ladenhüter. Lebensmittelmärkte oder Elektrofach – geschäfte sind in dieser Hinsicht fein raus, denn sie handeln mit physischen Gütern, und niemand kommt auf die Idee, ihre Lager auszuräumen, um Nahrungsmittel oder MP3-Player gleich nebenan an die Kunden zu verschenken. Jeder versteht, dass ein solches Handeln Diebstahl und Hehlerei wäre und gegen Gesetze verstoßen würde. „Verteile ich vor einem Bahnhofskiosk geklaute Zei tun gen, bin ich sofort weg, aber Musikliebhaber machen oft jahrelang weiter“, bringt es Jasper Jones vom DJ-Duo Blank & Jones auf den Punkt. Ausreden und Rechtfertigungen Im Internet hingegen sehen viele die Sache anscheinend laxer. Das mag mit der leichten Verfügbarkeit der Inhalte und mit der Sammelwut oder Habenwollen-Mentalität vieler Nutzer zu tun haben. Man steckt gern was ein, ohne dafür zu zahlen, so lange man weiß, dass man keine Sanktionen zu befürchten hat. Und weil man in einem hinteren Winkel seines Bewusstseins weiß, dass man damit etwas tut, was sich schlicht und einfach nicht gehört, legt man sich Rechtfertigungen zurecht. „Es trifft ja keinen Armen“, lautet so eine wohlfeile Ausrede. Oder fieser: „Die Musik – industrie soll erst mal weniger Schrott produ – zieren, dann bin ich auch bereit zu zahlen.“ Solche Argumente werden gern ins Feld geführt, auch bei der Enquetekommission des Deutschen Bundestags zum Thema „Internet und digitale Gesellschaft“ klangen sie immer mal wieder an. Falsch – und verlogen – sind sie trotzdem. Ernst zu nehmen sind allerdings die Folgen. Denn wer sich um Auch Kreativwirtschaft braucht nachhaltiges Wirtschaften Das Internet ist kein rechtsfreier Raum; der Rechteinhaber muss selbst entscheiden können d o s s i e r MusikWoche_11_2012_19 seines kurzfristigen Vorteils willen beim geistigen Eigentum anderer bedient, der nimmt auf Kosten der Nachhaltigkeit in Kauf, dass weite kreative Landstriche veröden. Diese Haltung erinnert an Brandrodung auf indonesischen Inseln oder im Amazonasbecken: Viele Arbeitskräfte haben davon etwas, nämlich einen Hungerlohn, wenige Konzerne machen indes richtig Profit – und natürliche Ressourcen in Form von Artenvielfalt und nachhaltigen Geschäftsmodellen gehen unwiederbringlich verloren. Das Muster lässt sich ebenso bei der industriellen Hochseefischerei erkennen und bei der Gewinnung seltener Elemente, die für Hightech-Elektronik gebraucht werden und im Kongo zum Beispiel den Bürgerkrieg perpetuieren. Im Internet geht es zwar nicht so blutig wie im Kongo zu, doch viele, die freien Zugang zu Inhalten propagieren, die angebliches Verbraucherrecht über Urheberrecht stellen und sich vehement gegen Regulierung – Zensur! – wehren, nehmen es hin, dass Konzerne wie Google/YouTube, Facebook oder Apple längst die Spielregeln formulieren. Mit Selbstausbeutung über die Runden Der Urheber, der am Anfang der Verwertungskette steht und ohne den auch das Internet eine ziem – lich öde Landschaft wäre, ist dabei das schwäch – ste Glied. Schon jetzt stehen die kreativen Berufe am unteren Ende der Einkommensskala: Laut Künstlersozialkasse verdiente ein Musiker im Jahr 2010 durchschnittlich 11.781 Euro, also nicht einmal 1000 Euro im Monat, während es alle Kreativen durchschnittlich immerhin auf rund 13.689 Euro im Jahr brachten, was nichtsdestotrotz auch ein Hungerlohn ist. Berufsanfänger standen noch schlechter da: Im Durchschnitt verdienten sie im Bereich Musik im Jahr 8780 Euro, also rund 731 Euro im Monat. Und schon jetzt kommen viele Independentlabels nur wegen der Selbstaus beu – tung ihrer Betreiber, die sich 800 oder 1000 Euro Bruttolohn im Monat gönnen, über die Runden. In der deutschen Bundesregierung hat wenigstens einer erkannt, wie ernst die Lage ist. Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien, stellte schon Ende 2010 in einem Zwölf-Punkte- Papier „zum Schutz des geistigen Eigentums im digitalen Zeitalter“ unter anderem fest: „Die Mechanismen und Regelungen für das traditionelle Marktgeschehen reichen im virtuellen Umfeld nicht mehr aus.“ Das ungenehmigte Einstellen und das ungesetzliche Herunterladen von Werken seien keine Kavaliersdelikte, „letztlich geht es um die Stärkung der Rechtsstellung der Urheber und damit um die Wertschätzung ihrer geistigen Arbeit“. Neumann sagte klipp und klar: „Freier Zugang ist nicht gleichbedeutend mit kosten – freiem Zugang. Auch bei digitalen Nutzungen muss eine angemessene Vergütung der Urheber und sonstigen Rechteinhaber sichergestellt werden.“ Bei eindeutigen Rechtsverletzungen müsse „sichergestellt sein, dass illegales Handeln auch ernstzunehmende rechtliche Konsequenzen wie zum Beispiel eine Abmahnung nach sich zieht“. Wie sich solche Maßnahmen in der Praxis aus – wirken, haben die schwedischen Forscher Adrian Adermon und Che-Yuan Liang untersucht. In ihrer Studie „Piracy, Music and Movies: A Natural Experiment“ werteten sie aus, wie sich eine Gesetzes – änderung in Schweden auswirkte. Ab dem 1. April 2009 waren die Anbieter von Internetzugängen verpflichtet, die Identität mutmaßlicher Raub – kopierer offenzulegen; unmittelbar nach Inkrafttreten des Gesetzes brach der Internetverkehr in Schweden um 40 Prozent ein, die Nachfrage nach legaler Musik stieg stark an, der Absatz von CDs nahm in den ersten sechs Monaten um 27 Prozent zu, bei Musikdownloads sogar um 48 Prozent. In Norwegen und Finnland hingegen, wo es keine Verschärfung der Gesetzeslage gab, veränderte sich die Internetnutzung nicht, wie Adermon und Liang feststellten. Allerdings hatte sich in Schweden die illegale Nutzung nach sechs Monaten wieder auf hohem Niveau eingepegelt, was die beiden Autoren damit erklären, dass es kaum zu juristischen Schritten gegen Downloader gekommen sei, die Drohkulisse deshalb an Glaubwürdigkeit verloren habe. Wenn Kulturstaatsminister Bernd Neumann also auf ernstzunehmende rechtliche Konsequenzen Wert legt, hat er sicher recht. Frankreich hat mit der Hadopi-Behörde vor – gemacht, wie sich eine solche Forderung in die Praxis umsetzen lässt: In einem dreistufigen Warn system wurden im Februar die ersten Verfahren gegen Internetnutzer eingeleitet, die Daten illegal heruntergeladen haben; angeb lich sind 150 bis 200 Nutzer betroffen, denen eine Geldstrafe bis zu 1500 Euro sowie eine Sperre des Anschlusses bis maximal einen Monat droht. Die Behörde hat bisher 822.000 IP-Adressen bei Internet- und Telekomprovidern angefordert; 68.343 Internetnutzer wurden zweimal abgemahnt – und diese Mahnungen scheinen etwas bewirkt zu haben. Die Nutzung illegaler Dateien ging in Frankreich übrigens wie in Schweden schon mit der Einführung des neuen Gesetzes zurück. Nur in Deutschland wollen die meisten Politiker und Nutzer anscheinend partout nicht begreifen, dass Piraterie keine Bagatelle ist. Kommentiert die Lage: Manfred Gillig-Degrave, Chefredakteur MusikWoche Konzerne wie Google, Facebook oder Apple haben längst die Spielregeln formuliert Mahnungen und Warnhinweise verfehlen ihre Wirkung nicht

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