Die Zahlen sprechen für sich: Der Markt mit physischen Tonträgern verzeichnete in Deutschland im ersten Halbjahr 2006 einen Absatzrückgang von 3,4 Prozent, wohingegen der Downloadmarkt mit geschätzten 10,2 Millionen verkauften Einzeltracks und 700.000 verkauften Bundles ein Wachstum von knapp über 36 Prozent verbuchte. Dieser Trend gilt, wenn auch mit anderen Zahlen, ebenso für die klassische Musik: In den USA nahm die Anzahl der Downloads klassischer Musik 2005 im Vergleich zum Vorjahr um 93,9 Prozent zu. Auch in England greifen Klassikkunden zunehmend zu Onlineangeboten. So ist der Klassik-Marktanteil bei iTunes angeblich auf zwölf Prozent gewachsen, während er im physischen Geschäft weiterhin bei drei bis vier Prozent liegt, behauptete kürzlich die britische Tageszeitung „Guardian“. Zahlen für den deutschen Markt will iTunes-Betreiber Apple nicht preisgeben, doch bestätigt Georg Albrecht, Pressesprecher von Apple Deutschland: „Das Interesse an klassischer Musik ist sehr groß. Unser Klassik-Store bietet viele Titel aus dem Hause Universal, besonders von Decca und der Deutschen Grammophon. Das ergibt ein attraktives Angebot, das von unseren auch Kunden genutzt wird.“ Dabei können sich die Klassik-Titel in den iTunes-Charts durchaus mit bekannten Poptitel messen – was bei „From The Labyrinth“, dem aktuellen Album des Popstars Sting mit Songs von John Dowland (Deutsche Grammophon/Universal Classics & Jazz) natürlich kein Wunder ist. Es belegt Platz zwei der iTunes-Charts. Der Soundtrack zum Film „Parfum“ (EMI Classics) steht auf 30 und die „Dragon Songs“ des Pianisten Lang Lang (Deutsche Grammophon/Universal Classics & Jazz) auf 61. Georg Albrecht betont in diesem Zusammenhang, dass es immer wieder auch einzelne Klassik-Titel in die Singles-Charts schaffen.
Dossier: Klassik goes online
Im Herbst 2006 behauptet sich die Klassikbranche in einem weiterhin problematischen Marktumfeld relativ stabil. Einige Firmen verzeichnen sogar moderates Wachstum. Und verhaltener Optimismus macht sich breit. Das mag mit einem Sinneswandel zu tun haben: Frühere Ressentiments gegen Downloadtracks sind auch in der Klassik der Erkenntnis gewichen, dass das Internet neue Chancen für Zusatzgeschäfte bietet.





