Recorded & Publishing

Dossier: Hörbuchmarkt bleibt auf Wachstumskurs

Unter den Hörbuchproduzenten herrscht unterm Strich eine positive Stimmung. Denn gerade beim Verkauf von Tonträgern konnte sich der Markt in Deutschland 2012 weiter stabilisieren – trotz weiterhin schrumpfender Verkaufsflächen im Handel. Auch im Downloadbereich fielen die Zahlen ziemlich gut aus. Einige Unternehmen können sich sogar über deutliches Umsatzwachstum freuen.

Für die Hörbuchbranche hat das Jahr 2013 richtig gut begonnen: Im Januar konnten die Marktteilnehmer insgesamt ein Umsatzplus von 11,4 Prozent im Vergleich zum Januar des Vorjahrs verbuchen, meldet der „Branchenmonitor Buch“ des Börsenvereins. Und in den ersten neun Kalenderwochen 2013 verzeichnete das Genre über den gesamt Hörbuchmarkt hinweg laut Media Control im Durchschnitt ein Wachstum von 7,8 Prozent. Der Hörverlag konnte für diese neun Wochen sogar mit einem Umsatzplus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum aufwarten. „Aber auch die anderen Verlage haben positive Entwicklungen zu verzeichnen“, erklärt Heike Völker- Sieber, Leiterin der Presse- und Öffentlich – keits arbeit beim Hörverlag (DHV) in München. Auch die Durchschnittspreise für Hörbücher seien allen Unkenrufen zum Trotz stabil geblieben. Für Andreas Maaß, General Manager Family Entertainment Universal Music, stellt sich die Situation ähnlich dar: „Stagnation auf gutem Niveau in 2012 sowie im Weihnachtsgeschäft und Anfang 2013. Allerdings ist ein Flächenschwund im Tonträgerhandel zu verzeichnen, der jedoch über Online – handel und das digitale Geschäft ausgeglichen werden konnte. Ansonsten verlief das Geschäft in etwa auf dem Niveau des Vorjahrs und hatte keine nennenswerten Schwankungen aufzuweisen.“ Physische Hörbücher schnitten gut ab Dem kann Marc Sieper, Chef von Lübbe Audio, nur zustimmen. Und er setzt noch einen drauf: „2012 war für uns ein positiv aufregendes Jahr – nicht zuletzt dank des Bestsellers ‚Er ist wieder da“ der uns schon zu Weihnachten den Hörbuch Award in Gold für mehr als 100.000 verkaufte Hörbücher beschert hat.“ Zufrieden zeigt man sich auch bei der Family-Entertainment-Abteilung Europa von Sony Music, die wieder ein sehr erfolgreiches Jahr hinter sich gebracht hat. „Wir haben unsere Marktführerschaft im Kinderhörspielsegment mit 40 Prozent Marktanteil bestätigt“, teilt Arndt Seelig als Head Of Marketing Sony Music Family Entertainment mit. „Auch das Weihnachtsgeschäft, traditionell die wichtigste Saisonepoche, verlief sehr zufriedenstellend“. Für Susanne Bestler, Product- Managerin Random House Audio, ist „die erfreulichste Meldung aus dem Jahr 2012 mit Sicherheit die, dass der schon oft totgesagte Markt für das physische Hörbuch besser abgeschnitten hat als der Buchmarkt. Der Hörbuchmarkt kam im Ver-gleich mit dem Vorjahr fast zu einer schwarzen Null“. Kilian Kissling, Vertriebs- und Marketingleiter bei Argon, berichtet: „Dem Markt geht es gut; der Handel mit physischen Hörbüchern war 2012 stabil und ist in etwa gleich geblieben, während der Downloadmarkt deutlich zugelegt hat. Argon ist moderat gewachsen. Das Weihnachtsgeschäft war ähnlich gut wie 2011.“ Sinkende Durchschnittspreise hält er für ein Gerücht, die Hörbuchpreise seien bemerkenswert stabil. Bei Argon habe sich der Durchschnittspreis in den vergangenen drei Jahren praktisch nicht verändert. „Auch insgesamt sehe ich keine allgemeine Entwicklung nach unten. Die etablierten Preisgruppen haben weitestgehend Bestand.“ Handelt reduziert Verkaufsflächen „Unter dem Strich bleibt der Hörbuchmarkt auf Wachstumskurs“, fasst Johannes Stricker, der Geschäftsführer Hörbuch Hamburg, zusammen. Unter seinen Jahresbestsellern 2012 waren unter anderem die Titel von Marc-Uwe King. „Wir haben noch nie so viele Hörbücher verkauft wie zurzeit, sowohl analog als auch digital“, sagt Stricker. „Paradox ist jedoch: Der stationäre Handel verkleinert vielerorts die Verkaufsflächen, obwohl das Hörbuch für den Hörer immer attraktiver wird und neue Hörer hinzukommen.“ Enttäuscht vom unzureichenden Angebot und schlechter Beratung im stationären Handel würden viele Kunden ins Netz abwandern. „Der weitaus wichtigste Absatzmarkt ist aber immer noch der stationäre Handel. Würde dem Kunden hier allerorts durch Auswahl, Beratung und Präsentation die Kaufentscheidung leichter gemacht, läge dessen Anteil wesentlich höher.“ Das Potenzial sieht Stricker nicht ausgenutzt. Im Gegenteil: „In einer Art falsch verstandenem, vorauseilendem Gehorsam, gepaart mit einer kurzsichtigen, fälschlicherweise pessimistischen Einschätzung der Zukunftsaussichten unter Verkennung der Chancen für den lokalen Handel werden die Hörbücher in hintere Ecken verdrängt und lieblos neben Billig-DVDs präsentiert. So nimmt man auch dem letzten Kunden jedes Gefühl für die Hochwertigkeit dieser Produkte und treibt ihn in die Arme der Global Player.“ Diese wüssten und nutzten, dass die Hörbuchhörer eine äußerst attraktive Zielgruppe bilden: „Gebildet, gutes Einkommen, vielseitig interessiert und entsprechend offen für eine Vielzahl an Produkten guter Qualität,“ so Stricker.

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