130 Jahre nach Erfindung des Phonographen ist das Medium Hörbuch als unverzichtbarer Bestandteil der Unterhaltungsindustrie sesshaft geworden. 20 Jahre nachdem die Deutsche Grammophon den Begriff „Hörbuch“ mit der Lesung von „Die Buddenbrooks“ zum ersten Mal kommerziell verwendete, erleben Audiobooks eine anhaltende Konjunktur, wie sie ihnen anfangs niemand zutrauen wollte. Vom bescheidenen Nischendasein hat sich das Medium jedenfalls längst befreit. Im Dezember 2006 ermittelte Media Control immerhin im Auftrag des „Branchen- Monitor-Buch“ für den Sektor Hörbuch/Audiobooks ein Umsatzplus von 17,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. „Unter den Editionsformen war im Dezember das Hörbuch der Spitzenreiter“, bestätigt Dr. Christoph Kochhan, Referent Marketing und Marktforschung beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Insgesamt erwirtschafteten Hörbücher im vergangenen Jahr somit ein Plus von 17,4 Prozent; 2005 waren es 14,1 Prozent. Heike Völker-Sieber, Leiterin der Presseabteilung beim Münchner HörVerlag, sagt, der Markt habe im vergangenen Jahr insgesamt ein Volumen von 150 Millionen Euro zu Endverbraucherpreisen erreicht. Der Anteil der Hörbücher am gesamten Buchmarkt beläuft sich laut Media Control mittlerweile auf 4,2 Prozent, was im Vergleich mit 2005 einem Plus von 0,7 Prozent entspricht. Der HörVerlag geht vor diesem Hintergrund optimistisch von einer Umsatzverdopplung für die komplette Branche bis zum Jahr 2010 aus. Marc Sieper, Vertriebsleiter der Verlagsgruppe Lübbe, rechnet sogar mit einer Verdreifachung des Umsatzes in den nächsten zehn Jahren. Auf dem Markt gibt es mittlerweile mehr als 12.000 lieferbare Titel, pro Jahr kommen 1.000 neue dazu. Ungefähr 170 davon stammen aus dem HörVerlag, der mit 36 Millionen Euro Umsatz und einem Anteil von 20 Prozent Marktführer ist. Mit „Harry Potter und der Halbblutprinz“ konnte sich der HörVerlag den Jahresbestseller sichern – das nächste und wohl letzte Abenteuer des Zauberlehrlings, „Harry Potter and the Deathly Hallows“, soll noch zum Weihnachtsgeschäft 2007 erscheinen. Hörspiele sind kein Kinderspiel mehr Sollte das aber nicht klappen, hat der Hör- Verlag dennoch genug Eisen im Feuer. So kommt am 16. März das „Hesse-Projekt. Die Welt unser Traum“ in den Handel: Mit einer Starbesetzung von Ben Becker über Till Brönner bis zu Xavier Naidoo will das Projekt dem Werk des Dichters ein neues Publikum erschließen und dabei Musik und Poesie verbinden. Der Vorgänger, das „Rilke-Projekt“, erreichte fünfstellige Verkauszahlen. Die Erfolge des HörVerlags bleiben nicht unbemerkt: So durfte Geschäftsführerin Claudia Baumhöver Ende 2006 die „Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft“ in Empfang nehmen. In der Laudatio hieß es: „Schriftsteller sehen es
Dossier: Hörbuch – Boom der Audiobooks hält an
Wenn es um Hörbücher geht, kennt der Markt anscheinend keine Grenzen des Wachstums. Auch 2006 legte der Bereich zweistellig zu, und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Angesichts dieser erfreulichen Entwicklung bleibt als größte Herausforderung, wie sich neue Kundenkreise erschließen lassen. Gesättigt ist der Markt nämlich noch lange nicht.





