“Ich bin jetzt ein glücklicher Mann“, sagt Peter Smidt, General Manager Eurosonic Noorderslag. Im Gespräch mit MusikWoche begründet er sein positives Fazit des Festivals und der angeschlossenen Konferenz nicht zuletzt mit dem hohen Niveau der 337 Bands aus 39 Ländern, die auf 36 Bühnen beim europäischen Eurosonic- und auf elf Bühnen beim rein holländischen Noorderslag- Festival auftraten: „Das zeigt, dass Musik aus Europa eine hohe Qualität und eine große Sichtbarkeit erreicht hat.“ Davon konnten sich auch die Vertreter von 419 internationalen Festivals überzeugten, die nach Groningen gereist waren. Peter Smidt zeigt sich besonders zufrieden, dass die neuen Elemente im Programm von Eurosonic Noorderslag, das nach vier Tagen am 18. Januar zu Ende ging, akzeptiert wurden. Alles habe gut funktioniert, und es sei richtig gewesen, mehr Events überall in der Stadt anzubieten. „Das haben unsere Besucher offenbar genossen.“ Peter Smidt verweist zudem auf neue Formate wie den temporären Pop-up-Shop in der Nähe des Clubs Vera oder auf die Verlängerung des kostenlosen Open- Air-Festivals auf dem Grote Markt, das bislang unter dem Namen „Eurosonic Air“ lediglich am Donnerstag und am Freitag stattgefunden hatte, während diesmal auch am Samstag einige Bands auf dem Marktplatz der nordholländischen Provinzhauptstadt spielten. Als besonders gelungen empfindet Peter Smidt die erste „Innovative Production Fair & Conference“ am Samstag, bei der es vor allem um die Umweltverträglichkeit von Festivalproduktionen ging. „Selbst wenn nicht alle Panels voll besetzt waren, war die Qualität doch überaus hoch.“ Auch die dazugehörige Messe, bei der es um Produkte und Dienstleistungen für Festivals ging, sei gut angenommen worden. Das bestätigt im Gespräch mit MusikWoche Ernst- Ludwig Hartz, Geschäftsführer E.L. Hart Promo – tion: „Positiv fand ich auch die Produktionsmesse am Samstag – sie ist eine gute Erweiterung des Festivals. 2014 war wieder eine sehr gelun gene Veranstaltung. Ich habe viele Kontakte geknüpft und neue Acts wie Hoizier, GuGabriel oder George Ezra gesehen.“ Und auch Sven Varsek, zuständig für Projektleitung und Marketing beim Karlsruher Festival Das Fest, lobt das neue Messemodul: „Wir haben hier sehr hilfreiche Ideen und Anstöße für unser Festival erhalten.“ Zwar räumt Peter Smidt ein, dass zumindest anfangs noch nicht allzu viele Besucher kamen, doch er weiß immerhin von einem Standbetreiber zu berichten, der sein Produkt bereits zweimal verkauft habe. Smidt will sich mit der Innovative Production Fair & Conference noch genauer auseinandersetzen: „Mein erster Gesamteindruck ist positiv, auch wenn wir sicher noch etwas Feinabstimmung betreiben müssen.“ Temporäre Bauten in Containern Angesprochen darauf, warum die Innovative Production Fair & Conference nicht im angestammten Tagungsgebäude De Oosterport, sondern im etwa 20 Gehminuten entfernten Kreativviertel Ebbingekwartier über die Bühne ging, entgegnet Smidt: „Wir haben diese Messe ganz bewusst nicht im oder am De Oosterport veranstaltet – und das nicht nur, weil die Räumlichkeiten dort am Samstag für das Noorderslag Festival vorbereitet werden müssen.“ Man habe das Ebbingekwartier gewählt, weil es dort genug Platz gab, um temporäre Bauten in Containern zu errichten. „Denn genau darum ging es ja auch inhaltlich – schließlich sind Festivals auch temporäre Bauten.“ Zu den wichtigen Ergebnissen von Eurosonic Noorderslag 2014 zählt Peter Smidt auch ein Meeting von 17 Exportbüros, bei dem die Fortführung des European Music Office (EMO) beschlossen wurde. „Dieses Treffen war ein großer Erfolg – ich hatte noch nie ein Meeting mit so vielen Exportbüros.“ In Zusammenarbeit mit der Initiative Musik soll das EMO demnächst wieder die Arbeit aufnehmen. „Bei dem Treffen herrschte eine konstruktive Atmosphäre“, berichtet der Eurosonic-Chef. Wie es im Detail weitergehen soll, besprechen die Exportbüros dann im Mai beim Branchentreff The Great Escape in Brighton. Auch das erstmals ausgerichtete European Club Meeting habe wichtige Impulse geliefert, sagt Smidt. „Alle Teilnehmer waren sich einig, dass dies eine sehr positive Veranstaltung war, die wir auf jeden Fall in den kommenden Jahren ausbauen sollten.“ Smidt wertet darüber hinaus das neue Programm Music Meets Tech als Erfolg: „Und das möchte ich nicht nur an den Panels und Präsentationen fest – machen, sondern auch an der optimi stischen Stimmung, die dort herrschte. Die Leute sind nicht mehr deprimiert über die Musikbranche, sondern sehen vielmehr, dass sich neue Konzepte und Geschäftsmodelle etabliert haben.“ Kevin Godley erhielt den Start-up-Preis Nach mehreren Präsentationen von Start-ups wurde erstmals der Buma Music Meet Tech Award verliehen. Er ging an WholeWorldband, eine irische Firma des einstigen 10cc-Musikers Kevin Godley, der zudem am Samstag im Grand Theatre seine interaktive App für Musiker bei Ray Cokes „Euro – sonic Noorder slag Revue“ vorstellte. Insgesamt bot der Konferenzteil von Eurosonic rund 150 Panels und Workshops, darunter Höhepunkte wie die Keynotes von Folkert Koopmans (FKP Scorpio) und Mark Yovich (President International Ticketmaster). Extrem gut besucht waren wieder das Agentenpanel und eine Veranstaltung über aktuelle Besucherzahlen bei Festivals. Über das diesjährige Eurosonic Noorderslag berichteten 30 der im Netzwerk EBU zusammengeschlossenen öffentlich-rechtlichen Sender; insgesamt kamen 307 Journalisten nach Groningen. Die meisten dürften zufrieden nach Hause gefahren sein – war doch die am meisten gehörte Kritik in diesem Jahr eher ein Luxusproblem: Die neuen Chipkarten, mit denen man die Getränke im De Oosterport bezahlen musste, funktionierten nicht immer reibungslos und wurden nicht in allen Clubs akzeptiert.
Dossier: Eurosonic Noorderslag 2014
Mit 3275 Fachbesuchern und 38.000 Festivalgästen war die 28. Ausgabe des niederländischen Showcasefestivals Eurosonic Noorderslag erneut ausverkauft. 2013 hatten 3250 Delegierte und 35.000 Konzertgäste den Weg nach Groningen gefunden. In diesem Jahr stießen einige neue Module im Programm auf Interesse.






