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Dossier: Echo feiert Jubiläum

Der Echo geht 2011 in seine 20. Runde. Längst hat sich der deutsche Musikpreis als ein Fixpunkt im musikalischen Jahreskalender etabliert. Das ist aller Ehren wert, auch wenn manche Player der Musikwirtschaft in einer MusikWoche-Blitzumfrage zum Jubiläum durchaus noch Verbesserungswünsche anbringen.

“Wir haben es einfach versucht“, sagt Executive Producer Gerd Gebhardt im Gespräch mit MusikWoche über die Anfänge des Echo im Jahr 1992. Zur Premiere am 18. Mai in der Kölner Flora kamen damals 450 geladene Gäste. Im Showteil der Veranstaltung traten Queen auf, erstmals ohne den kurz zuvor verstorbenen Freddie Mercury. Der Echo zog weiter, machte in Berlin, Frankfurt/Main und von 1996 bis 2000 fünf Jahre lang in Hamburg Station, bevor er 2001 nach Berlin zog und seitdem dort an wechselnden Orten über die Bühne geht. Zur 20. Echo-Verleihung am 24. März erwarten die Echo-Macher vom Bundesverband Musik – industrie und der Deutschen Phono- Akademie nun 3500 Zuschauer; die rund 1000 frei verfügbaren Tickets waren am 10. Februar binnen zwölf Minuten ausverkauft. Das hat schon Tradition: Auch 1996, als beim Echo-Debüt im Hamburger CCH erstmals Karten in den freien Verkauf gingen, sollen die damals 1500 Tickets innerhalb von nur acht Minuten vergriffen gewesen sein. Mit den für dieses Jahr erwarteten 3500 Zuschauern erreicht der Echo in der Messe Berlin indes nicht die Zuschauermenge wie im bisherigen Rekordjahr 2009, als Künstler wie U2, Depeche Mode, Udo Lindenberg, Amy Macdonald und die Toten Hosen erstmals rund 10.000 Zuschauer zur Verleihung des deutschen Musikpreises lockten. Allerdings hält die Veranstaltung damit erneut ein solides Niveau – was die Echo-Verleihung auch zu einer bedeutenden Kommunikationsplattform für die Branche macht, nach innen wie nach außen: So haben sich nach MusikWoche-Informationen noch nie zuvor so viele Politiker für den Echo interessiert wie in diesem Jahr. Diesen Effekt sollte die Kreativwirtschaft angesichts der anstehenden Diskussion um einen dritten Korb zum Urheberrecht durchaus nutzen können, um auf ihre Sorgen und Wünsche aufmerksam zu machen. Aber auch beim Publikum kommt der Echo an, wenngleich der einmalige Rekordwert von 6,5 Millionen TV-Zuschauern aus den frühen RTLJahren nur schwer zu wiederholen ist. Im vergangenen Jahr wollten 3,42 Millionen die Echo-Verleihung im Fernsehen sehen, rund 400.000 Zuschauer mehr als noch 2009. Immerhin 1,54 Millionen erreichte die ARD in der Zielgruppe der 14- bis 49- Jährigen. Knut Schlinger Beim Echo 2010 für sein Lebenswerk geehrt: Peter Maffay Foto: BVMI/Wüstenhagen 10 13/2011 dossier.echo 2011 MusikWoche-Blitzumfrage „Der Echo ist ein Aushängeschild für Deutschland“ München (ks) – Zum 20. Echo-Jubiläum wollte MusikWoche von Persönlichkeiten der Branche wissen, wie die Musikwirtschaft die bisherige Entwicklung des deutschen Musikpreises beurteilt und welches Potenzial noch im Echo steckt. Frank Briegmann, President Universal Music GSA und Deutsche Grammophon: Der Echo ist und bleibt einer der renommiertesten Musikpreise und genießt höchstes An – sehen – sowohl hierzulande als auch bei inter nationalen Top-Stars. Nun schon zum 20. Mal präsentiert er den Blick auf die größten Erfolge des vergangenen Jahres in Deutschland und bringt die Künstler, aber auch die zentralen Themen unserer Branche einer breiten Öffentlichkeit näher. Der Preis und die Show werden in einem Atemzug mit dem Grammy und den Brits genannt, daher heißt es jetzt, nicht ste – henzubleiben und den Rückenwind der letzten Jahre für weitere Innovationen zu nutzen. Dem Echo und seinen Machern gratuliere ich zum 20. Jubiläum, danke den Partnern für die gute Zusammenarbeit und freue mich auch künftig auf span – nende Shows. Thomas Schreiber, Leitung Programmbereich Fiction und Unterhaltung NDR: Es gibt nur einen Echo – das ist nicht nur der wichtig – ste deutsche Musikpreis, es ist neben Grammy und Brit Awards der wichtigste internationale Musikpreis für populäre Musik. Und deswegen freue ich mich, dass der Bundesverband Musikindustrie und Das Erste ihre Zusammenarbeit beim Echo auch in den kommenden Jahren fort – setzen: Gemeinsam mit den ARD-Radios wollen wir den Echo noch größer, noch lebendiger, noch musikalischer machen. Florian Drücke, Geschäftsführer Bundesverband Musikindustrie: Der Echo hat sich als eine bedeutende Veranstaltung auch über die Grenzen der Musikwirtschaft hinaus etabliert. Das beweist allein schon die lange Liste an klangvollen Namen aus Politik, Gesellschaft und aus allen Zweigen der Kreativwirtschaft, die ihr Kommen angekündigt haben. Unter anderem richtet Staatsminister Bernd Neumann auf der Echo-Bühne erstmals ein Grußwort an uns. Der Echo geht damit längst über die eigentliche Preisverleihung hinaus und wird als Forum anerkannt. Wir wünschen uns, dass der Echo künftig eine Anlaufstelle für Entscheider der gesamten Kulturund Kreativwirtschaft bietet. Es wäre ein toller Schritt, diese Art des Zusammenkommens ausbauen und mit noch mehr Leben füllen zu können. Christoph Becker, Gesellschafter der Stiftung Musik hilft: Bei Musik hilft sind wir alle große Fans des Echo. Die Bedeutung des deutschen Musikpreises ist für uns immens hoch, auch durch das Charity Dinner am Vorabend, die für uns sehr wichtige Spende des Bundesverbands und das dadurch seit Jahren gewachsene, enge Band zum Echo. Die einmalige Verbindung von Cha- So sehen Echo-Sieger aus (v.l.n.r.): Peter Fox mit dem Echo im Jahr 2009, Peter Plate und AnNa R. von Rosenstolz sowie U2-Sänger Bono beim Echo 2007, Annett Louisan Foto: BVMI/Markus Nass Foto: BVMI/Markus Nass Foto: BVMI/Markus Nass Foto: BVMI 13/2011 11 echo 2011.dossier rity und Branchen-Kontaktbörse macht das alljährliche Dinner auch dank der Echo-Verleihung zu einer Veranstaltung, die die ursprüngliche Idee der Musik wieder in den Vordergrund rückt: Sie tut Gutes. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Branche auch weiterhin einen Ort und eine Gelegenheit dazu braucht. Bernd Dopp, Chairman & CEO Warner Music Central & Eastern Europe: Der Echo ist und bleibt die bedeutendste Auszeichnung für nationale sowie internationale Künstler in Deutschland, dem drittgrößten Musikmarkt der Welt. Uli Mücke, Vice President New Music EMI Music GSA: Der Echo hat sich zu einem der Topmusikpreise in der Welt entwickelt. Für den deutschen Markt ist der Echo die wertvollste Musikveranstaltung, bei der sich regelmäßig viele Topstars – national wie international – tummeln, geehrt werden und mit eindrucksvollen Performances ihrer Hits beeindrucken. Großer Dank für die Entwicklung des Echos gebührt vor allem Gerd Gebhardt, der vor 20 Jahren die Grundsteine gelegt und sich über die Zeit mit seinen vielen Verdiensten hinsichtlich der jährlichen Planung, Umsetzung und Weiterentwicklung als unersetzlich erwiesen hat. Die Produktionsverantwortlichen bei MME haben bereits letztes Jahr absolut internationales Topniveau geliefert und sich als starker Partner bewiesen. Die Kooperation mit der ARD gibt dem Echo mediale Breite und Wertigkeit, was gerade für den weiteren zukunftsgerichteten Markenaufbau essenzielle Bedeutung hat. Zu Recht gibt es 2011 erstmals einen Radio-Echo in Kooperation mit den ARDStationen, was vor allem dem Stellenwert deutscher Musik im Radio Rechnung tragen und zu mehr Bewusstsein für deutsche Künstler und Musik führen wird. Eva Kiltz, Geschäftsführerin VUT: Der Echo ist mittlerweile ein mediales Großereignis, in dem die kommerziell erfolgreichsten Künstler verdient geehrt werden. Beim mittlerweile arrivierten Echo Klassik sowie beim in 2010 erstmals verliehenen Echo Jazz kann die Musikbranche die inhaltliche Qualität ihrer Musik demonstrieren und präsentieren. Wir freuen uns sehr, dass es auch im populären Bereich nun bereits im zweiten Jahr zusätzlich einen Jurypreis gibt. Vielleicht geht dieser Preis ja in diesem Jahr an einen Künstler aus dem Independent-Segment, nachdem Arcade Fire bei den Grammys schon gut losgelegt haben. Insgesamt würden wir uns wünschen, dass das Jurysegment ausgebaut wird. Frank Fenslau, Managing Director/Business Development Superstar Entertainment: Ich denke, der Stellenwert des Echo nimmt national von Austragung zu Austragung zu und hat nun ein sehr hohes Niveau erreicht. International gibt es da bestimmt noch Entwicklungspotenzial, aber auch hier stimmt die Richtung, wie man an den teilnehmenden Künstlern sehen kann. Zu überdenken wäre vielleicht die eine oder andere Preiskategorie. Jochen Maass, Vice President Nuclear Blast: Der Echo hat sich mittlerweile etabliert und ist eigentlich nicht mehr wegzudenken. Aller – dings denken wir, dass er doch noch viel zu sehr in Richtung Popmusik tendiert. So wäre ein Metal-Award sicherlich sinnvoll, da die Kategorie Rock/Alternative doch viel zu breit angesetzt ist. Wie man am Grammy sieht, können verschiedene Auszeichnungen durchaus Sinn machen. Ob diese Preise dann alle in die TV-Über – tragung eingebaut werden, muss man sehen. Diverse Musikrichtungen, nicht nur Metal, fristen in den Medien leider noch immer ein Schattendasein, das durch spezielle Auszeichnungen eventuell behoben werden könnte. Einen immer größeren Marktanteil haben diese Sparten schon erobert. So wie der Echo jetzt ist, soll er zwar die breite Masse treffen, ist aber dadurch auch wieder sehr eingeschränkt. Birgit Heuzeroth, General Manager Beggars Group: Der Echo ist der deutsche Musikpreis, unser Pendant zu Brit Awards und Grammys. Die Veranstaltung selbst ist eine beeindruckende Leistungsshow und ein großes Get-together, und daran wird sich wenig ändern. Besonders freue ich mich über die Nominierten für den Kritikerpreis, der in diesem Jahr mit einer wirklich 3 2006, die Fantastischen Vier beim Echo 2008, Bushido im gleichen Jahr auf der Bühne des ICC und Tokio Hotel, die 2007 beim Echo glänzten Foto: BVMI/Markus Nass Foto: BVMI/Markus Nass Foto: BVMI 12 13/2011 dossier.echo 2011 enormen Bandbreite aufwartet und dabei vor allem Independent-Künstler und -Künstlerinnen deutlich vorn sieht. Werner Kimmig, Geschäftsführer Werner Kimmig TV-Produktion: Als Gerd Gebhardt mit seinen damaligen Kollegen Wolf-Dieter Gramatke, Winfried Jung, Jochen Leuschner, Monti Lüftner und Prof. Werner Hay vor 20 Jahren den Echo mutig ins Leben rief, ahnte kaum jemand, dass er damit Musikgeschichte schreiben würde. Heute wissen wir es. Denn der Echo ist inzwischen bekanntlich einer der bedeutendsten und wichtigsten Musikpreise der Welt. Um ihn bemühen sich Weltstars wie Madonna, Robbie Williams und Santana, Udo Jürgens, Herbert Grönemeyer und viele andere. Wer ihn bekommt, ist wer! Inzwischen ist er auch ein Türöffner für deutsche Künstler ins Ausland. Er ist ein Leistungsund Kreativitätsnachweis für die gesamte deutsche Tonträgerbranche und ein wichtiges Marketinginstrument dazu. Wir hatten 15 Jahre lang das außerordentliche Ver gnügen, dieses große Medienereignis zu produzieren; für die ARD, das ZDF und zuletzt für RTL. Bis zu acht Millionen Zuschauer, überwiegend junge Leute, verfolgten damals die Echo-Verleihung an den Bildschirmen. So wurde der Echo auch zum Quotenstar fürs Fernsehen. Zumal wir damit anfingen, diese größte deutsche Popshow live auszustrahlen. Zweimal war der Echo während unserer Produktionszeit sogar die erfolgreichste Preisverleihung des Jahres. Ich glaube, dass der Echo auch nach 20 Jahren seine Zukunft noch lange nicht hinter sich hat. Aber wie das bei Erfolgen immer ist: Sie auf höchstem Niveau zu halten, bedarf nimmermüder Kreativität. Die Tatsache, dass das Musikgeschäft schnelllebiger geworden ist, ist auch eine große Chance für einen abwechslungsreichen Echo. Ich jedenfalls wünsche dem Echo – und vor allem dem Echo-Vater Gerd Gebhardt – ein langes Leben. Denn wir brauchen diesen Preis. Er ist ein Aushängeschild für Deutschland. Uriz von Oertzen, Geschäftsführer hi-life: Der Stellenwert des Echo ist ungebrochen, er ist ohne wenn und aber der deutsche Musikpreis mit internationaler Ausstrahlung. Hier werden die Künstler des Jahres in einer Galaveranstaltung geehrt und ausgezeichnet. Der Künstler ist der Star, und der Echo seine Bühne. Einen besseren Namen für diesen Preis kann es nicht geben. Nach den turbulenten letzten Jahren wünsche ich dem Echo Kontinuität, eindeutig zugeteilte Kompetenz und ein klares Konzept für die Zukunft. Dann mache ich mir um seine Zukunft überhaupt keine Sorgen. Bernd Hocke, General Manager Edel AG: Der Echo ist und bleibt der wichtigste Pop-Award in Deutschland. Eine bessere Möglichkeit, Industrie und Künstler außerhalb des Wettbewerbs einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, haben wir nicht. Das sollten wir nutzen und sogar weiter ausbauen und optimieren – gerade in diesen Zeiten muss die Industrie auf sich aufmerksam machen. Entwicklungsmöglichkeiten für große Events gibt’s aber immer: Augen auf bei der Moderatorenwahl (Ina Müller: Eins mit Sternchen), Überprüfung der teilweise kruden Kategorien. Für die Branchengäste gilt: Unser Aushängeschild ist die Show. Noch vor der Party. Ralf Reichert, Geschäftsführer Intergroove: Die Echo-Verleihung ist unverzichtbar. Jede große Unterhaltungsindustrie braucht ihre Preisverleihung, um ihre Helden ehren und ihre Branche jährlich medien- und publikumswirksam feiern zu können. Dagmar Sikorski, Präsidentin Deutscher Musikverleger- Verband: Beginnend mit einer relativ überschaubaren Veranstaltung vor 20 Jahren in Köln hat sich der Echo in Deutschland zu einem renommierten und publikumswirksamen Preis der Musikbranche – durchaus vergleichbar mit der Grammy-Verleihung in den USA – ent – wickelt. Dieses Lob gilt auch, obwohl zum Leidwesen der Musikverleger trotz einer Vielzahl von Kategorien die Leistungen der Komponisten und Textdichter vom Echo nicht ausreichend gewürdigt werden. Aber dafür gibt es ja den kleinen, aber feinen Deutschen Musikautorenpreis der GEMA. Der Echo hat sich in der deutschen Kulturlandschaft etabliert, und die deutschen Musikverleger hoffen, dass dies in der Zukunft so bleiben wird. Peter Aleksander, Managing Director/Artist Development Superstar Entertainment: Der Echo hat mir besonders in den vergan – genen beiden Jahren sehr gefallen. Die Laudatoren waren charmant, und die auftretenden Künstler verliehen dem Echo ein national wie international sehr hohes Niveau. Besonders freue ich mich auf die diesjährige Gastgeberin Ina Müller, die dem Echo genau das geben kann, was bisher immer gefehlt hat: Charme, Witz und den nötigen Respekt gegenüber den Künstlern. Mit den Nominierten, den auftretenden Künstlern und der Moderatorin garantiert der Echo, auch in diesem Jahr wieder eine großartige Veranstaltung zu werden.

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