Recorded & Publishing

Dossier: Der Stoff aus dem Vinyl-Träume sind

Der Vinylmarkt hat sich auch 2010 erfreulich positiv entwickelt. In Deutschland stieg der Absatz von 600.000 Stück 2009 auf 900.000 Stück 2010 an, so die Zahlen des Bundesverbands Musikindustrie. In den USA konnte die schwarze Scheibe im vergangenen Jahr sogar einen Zuwachs von 25,9 Prozent auf rund vier Millionen verkaufte Exemplare verbuchen.

Dem Vinylmarkt geht es in der Nische nach wie vor vergleichsweise gut. Die Absatzzahlen steigen insgesamt an, auch wenn manche Bereiche wie zum Beispiel die 12-Inch-Vinylsingle mit Problemen zu kämpfen haben. Während deren Verkauf dort auch 2010 weiter zurückging, erlebt das klassische Vinylalbum einen weiteren Boom. „Nachdem die Branche 2009 ordentlich durchgeschüttelt wurde, stand 2010 bei uns ganz im Zeichen der Erholung“, erklärt Kai Seemann, Geschäftsführer von Speakers Corner, einem Speziali – sten für Wiederveröffentlichungen aus den Bereichen Jazz, Klassik und Pop. „Wir haben im letzten Jahr wieder das Absatzniveau von 2008 erreicht und blicken sehr optimistisch in die Zukunft.“ Auch bei Cargo Records zeigt man sich mit der Absatzentwicklung in den letzten zwölf Monaten sehr zufrieden: „Der Trend ist weiterhin absolut positiv“, erklärt Manuel Amian, Geschäftsführer/Controlling/Special Marketing. „Unsere Kooperation mit dem Label Music For Vinyl hat uns noch einmal ein großes Stück nach vorne gebracht.“ Lag das Verhältnis Vinyl/CD bei Cargo in den vergangenen Jahren konstant bei 20 zu 80 Prozent, so konnte die Firma den Vinylanteil am Gesamtumsatz 2010 noch einmal steigern. „Zudem profitieren wir natürlich auch von starken Themen im CD-Bereich wie J. Mascis, Okkervil River oder Flogging Molly, die sich gleichzeitig auch sehr positiv auf den Vinylabsatz auswirken.“ Auch aus dem Lager der Presswerke sind ausnahmslos optimistische Stimmen zu vernehmen: „Die Zahlen des Bundesverbands sind erfreulich, und in Wirklichkeit liegtdas Volumen der gepressten Vinyle sogar noch höher, da nicht alle hergestellten Schallplatten auch in der Statistik des Bundesverbands auftauchen“, erklärt Grit Schreiber, Prokuristin/Leiterin Marketing/ Vertrieb bei optimal. „Der Vinyltrend ist in unseren Augen langfristig, weswegen wir unser Engagement intensiviert haben und auch künftig weiter ausbauen werden. Der Ausblick für optimal im Vinylbereich ist sehr positiv.“ Das lässt sich unzweideutig auch an den Herstellungszahlen ablesen: „Wir haben im vergangenen Jahr rund fünf Millionen Vinyle hergestellt und 2010 den Umsatz im Vinylbereich um 20 Prozent gesteigert.“ Auch im ersten Halbjahr 2011 sei der Trend wieder positiv: „Die Kurve zeigt eindeutig nach oben: Im laufenden Jahr werden wir mit Sicherheit große Stückzahl- und Umsatzzuwächse in diesem Bereich verzeichnen.“ Was nicht zuletzt auch an der ständig steigenden Nachfrage nach Vinylalben aus fast allen Genres liegt. „Der Grund für diesen Boom liegt sicherlich darin, dass Vinyl wieder eine größere Rolle spielt. Viele Künstler begleiten die Veröffentlichung ihrer Alben mit einer Schallplatte.“ Ähnlich optimi – stisch, was die Umsatzzuwächse angeht, blickt auch Navid Tahernia, Account Manager Music bei MPO Audio und Video, in die Zukunft: „Dieser Ein – schätzung können wir beipflichten – wenn auch erst in den letzten Monaten verstärkt. Und es gibt in der Tat Indizien, die für eine Fortführung dieser positiven Entwicklung stehen. Produzenten, DJs und Musikliebhaber aus unserem Umfeld äußern vermehrt den Wunsch zur Vinylrückkehr. Bei allem Komfort von mp3 & Co. wiegt für sie offenbar doch das Qualitätskriterium hinsichtlich Sound und Materie auf Dauer schwerer.“ Zufrieden mit der Entwicklung im Vinylbereich zeigt sich auch Andreas Peters, Director Sales & Procurement Celebrate Records: „In der Tat sind im letzten Jahr wie auch im ersten Halbjahr 2011 die Vinylumsätze leicht gestiegen. Unser Hauptaugenmerk liegt jedoch im Spezialitätenbereich und nicht ausschließlich im Massensegment. Da Celebrate Records stark indielastig fokussiert ist, versteht es sich fast von selbst, dass bei uns ein höherer Anteil an Besonderheiten an- und nach gefragt wird. Hier spielen das Sonderformat 10 Inch, farbige sowie Picture-, Hybrid-, Shaped-Vinyls mit zum Beispiel aufwendigen Lasergravuren eine entscheidende Rolle.“ Neue Labels setzen verstärkt auf Vinyl Als eines der wenigen Sorgenkinder im Vinylmarkt hat sich die klassische 12-Inch-Vinylsingle herauskristallisiert, deren Umsätze weiterhin abnehmen. „Die Anzahl der Territorien, in denen man 12-Inch-Vinylsingles noch gut verkaufen kann, schrumpft“, erklärt Phillip Lauer, Label/Digital Department Intergroove. „Deutschland zählt zusammen mit Japan und England zu den Märkten, in denen sich diese Platten noch relativ gut verkaufen.“ Der Abwärtstrend in diesem speziellen Segment habe sich aber 2010 deutlich verlangsamt. „Es scheint sich gerade auf einem niedrigen Niveau einzupendeln, was die Stückzahlen angeht.“ Trotz der schwierigen Marktsituation entstehen im Dancesegment aber weiterhin ständig neue Labels, „die ganz bewusst auch wieder auf Vinyl setzen, um sich gegen rein digital agierende Firmen abzuheben“, berichtet Phillip Lauer. „Jede Woche fragen bei uns rund 20 Leute an, die neue Vinyllabels starten wollen.“

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