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Dossier: Das war die Popkomm 2007

Die Popkomm 2007 stand unter dem Zeichen der Konzentration: An die Stelle der Partymesse in Köln ist wohl endgültig der Businesstreff mit engem Terminkalender getreten. Das bunte Treiben an Unternehmensrepräsentanzen von Medienkonzernen und Geräteherstellern ist eng besetzten Meetingtischen an Gemeinschaftsständen gewichen. Und das kann nicht falsch sein.

“Mich fasziniert die Atmosphäre von Begeisterung und Aufbruch“, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann zur Eröffnung der Popkomm 2007. Damit muss er aber vor allem die Stimmung im politischen Zirkel gemeint haben, denn mit Besuchen und Reden von Wirtschaftsminister Michael Glos, Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Kulturstaatsminister Bernd Neumann war das Fähnlein der auf der Popkomm vertretenen Politprominenz diesmal so groß wie nie zuvor. Offenbar ist die Messe spätestens mit der Vorstellung der Initiative Musik im politischen Herzen Berlins angekommen: Das werteten unter anderem auch Dieter Gorny, der frisch berufene Aufsichtsratsvorsitzende der Initiative Musik, und CDU-Mann Steffen Kampeter als „Signal“ und „Meilenstein“. Ansonsten aber herrschte eher eine konzentrierte Meetingatmosphäre und weniger eine Aufbruchsstimmung. Der Messe selbst scheint das indes gutzu- tun, zumindest wenn man die abermaligen Rekordzahlen der Popkomm-Veranstalter von der Messe Berlin als Maßstab nimmt. Mehr Aussteller und mehr Besucher – so lautet das Fazit von Popkomm-Geschäftsführer Ralf Kleinhenz und Messedirektorin Katja Bittner, das sich aber im Tagesbetrieb nicht immer uneingeschränkt nachvollziehen ließ. Zwar schienen sich die in diesem Jahr erstmals bezogenen Hallen 20 bis 22 bereits am frühen Popkomm-Mittwoch schneller zu füllen als noch in den vergangenen Jahren, doch die großzügig angelegten Gänge zwischen den einzelnen Ständen ließen manchmal auf ein wenig mehr Trubel hoffen. Vor allem das Labelcamp als Sonderangebot mit Pappschachtelkomfort an die unabhängigen Unternehmen der Musikbranche stieß bei den dort kampierenden Firmen nur auf bedingte Gegenliebe – hier hätte ein bisschen mehr räumliche Großzügigkeit sicher für bessere Laune gesorgt. Ganz anders sah es da zum Beispiel am Stand von Baden-Württemberg aus, den noch eine schicke Sitzecke unter dem Motto German Music ergänzte. An dieser Ecke machte sich vermutlich der Fokus aufs Partnerland Deutschland bemerkbar. Weniger allerdings stand Deutschland beim Festival-Programm im Fokus. Zwar war schon im Vorfeld klar, dass es den einen deutschen Abend nicht geben würde, aber immerhin hatten deutsche Acts wie Jim Pansen, Jasmin Tabatabei, Annett Louisan und Knorkator wenigstens bei der Eröffnungsparty Oberwasser. Die zunehmende Konzentration aufs Live-Geschäft als einer wichtigen Stütze der gesamten Musikwirtschaft stieß ansonsten auf eine rundum positive Resonanz: Die Popkomm-Macher und ihr Festivalleiter Dirk Schade haben das Konzept internationaler Showcase-Veranstaltungen erfolgreich auf die Berliner Musikmesse übertragen. Ein wenig konzentrierter als früher ging es auch auf dem Popkomm-Kongress zu: Hier machten neue Räumlichkeiten die Podiumsdiskussionen schneller erreichbar, und dicht gestellte Stuhlreihen sorgten für Seminaratmosphäre. Konzentration herrschte schließlich auch abseits der Konzerte beim abendlichen Begleitprogramm der Popkomm: Selten steuerten dabei in den vergangenen Jahren so viele Besucher des Branchentreffs so zielgerichtet ein Event an wie in diesem Jahr die European Music & Media Night (EMMN). Die erstmals von MusikWoche als Medienpartner begleitete Veranstaltung hat sich ihren Platz im Herzen der Popkomm offenbar gesichert und sorgte sogar für einen klitzekleinen Hauch von Glamour. Der ging der Messe nämlich ansonsten ein wenig verloren. Während früher noch der eine oder andere aktuelle Künstler zumindest zum Stand von MTV kam, um sich dort den Kameras zu zeigen, blieben die Handzettel für die Journalisten in diesem Jahr in einer Spalte schlichtweg leer: nämlich dort, wo früher stand, welche Stars kommen. Mit Abwesenheit glänzten zudem EMI (was nachvollziehbar ist) und viele Unternehmen der Online- oder Mobilfunkbranche, die sich in den vergangenen Jahren noch mit zum Teil aufwendigen Gadget-Ständen in Szene gesetzt hatten.

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