Die Zeiten, in denen eine Band auf der Bühne ihre Instrumente in die Verstärker einstöpselte und das Publikum über ein paar Marshall-Amps beschallte, während dazu bunte Scheinwerfer blinkten, gehören zwar nicht gänzlich der Vergangenheit an. Doch wenn es um Live-Entertainment als Millionenbusiness geht, reicht es schon lange nicht mehr, talentierte Musiker einfach auf die Bühne des Lebens zu stellen und darauf zu vertrauen, dass sie ihr Publikum mit Virtuosität und Idealismus verzaubern. Zum Erfolg großer Live-Produktionen tragen maßgeblich aufwendige Technik für Sound und Licht sowie raffinierte optische Effekte und außergewöhnliches Bühnendesign bei. „Aktuelle Bühnenbilder erreichen immer häufiger Dimensionen, die die klassische Definition einer Bühne, wie man sie beispielsweise von Theater-, Musical- oder Opernproduktionen kennt, bei weitem übersteigen“, weiß der Konzert-, Tournee- und Eventfotograf Ralph Larmann. „Ständig entstehen neuartige Bühnenwelten, die mit immer größerem Aufwand in Bezug auf Architektur, Technik und Logistik realisiert werden.“ Larmann lichtet seit über 20 Jahren Musiker in Aktion ab und veröffentlichte unter anderem schon Bücher über Pur, Udo Lindenberg und Howard Carpendale. Seit Oktober 2005 arbeitete der 43-jährige „gelernte“ Schlagzeuger an seinem neuesten Buch, das er das „bislang größte und wichtigste Projekt“ seiner Laufbahn nennt. Auf 400 Seiten dokumentierte er in „Stage Design“ die Bühnenbilder von rund 25 zugkräftigen Produktionen. So finden sich im großformatigen Wälzer beeindruckende Bilderstrecken der Tourneen von Künstlern wie George Michael, Depeche Mode, U2 oder der Rolling Stones. Aber auch beispielhaft gestaltete Bühnen von Musicals, Theater- und TV-Produktionen werden gezeigt. Und immer gelingt es Larmann, dabei die ganz besondere Faszination der jeweiligen Produktion einzufangen, wie sie von den oft mit allen Mitteln arbeitenden Stage-Designern zwecks Intensivierung des Live-Erlebnisses beabsichtigt war. Dabei komme es freilich nicht immer auf die Größe der Produktion an, meint Larmann, der im Auftrag von DEAG Classics unter anderem auch die Konzertprogrammhefte von Rolando Villazón und Nigel Kennedy gestaltete, im Vorwort zu seinem Buch: „Betrachtet man beispielsweise die gigantischen Open-Air-Tourneeproduktionen internationaler Stars, fragt man sich nicht selten:,Wann ist die Grenze des im Rahmen einer Konzerttournee Machbaren erreicht?‘ Doch bei dieser Gigantomanie darf in einem solchen Bildband der Blick auf die vergleichsweise kleinen Produktionen nicht verloren gehen. Denn letztlich entscheidet die hohe Kunst einer Inszenierung darüber, was den Zuschauer am Ende emotional erreicht. Großflächigkeit birgt schließlich auch die Gefahr, dass der Zuschauer den Blick auf das Wesentliche, nämlich die Künstler, verliert. Auf den ersten Blick simpel erscheinende Bühnenbilder können im Zusammenspiel mit der Inszenierung den Zuschauer mindestens ebenso tief berühren.“ Larmann erkennt einen Trend beim Stage-Design: „Es fällt zunehmend auf, dass mit Videos, Bildern und grafischen Animationen bespielbare LED-Flächen unterschiedlichster Art eine immer bedeutendere Rolle innerhalb vieler Bühnenbilder einnehmen. Besonders gilt das für die Bereiche Concert Touring und TV-Show, aber auch für Special Events.“ Wie sich dieser Trend in den Live-Events der laufenden Saison niedergeschlagen hat, wird Ralph Larmann dann wohl im zweiten Teil seiner Bühnendokumentation zeigen, an dem er schon fleißig arbeitet. „Stage Design 02“ soll im Herbst 2008 erscheinen und unter anderem Fotos der Tourneen von The Police, Herbert Grönemeyer, Genesis und Peter Gabriel enthalten, aber auch von der Inszenierung „25 Millionen VW Golf“, der Oper „Tosca“ auf der Bregenzer Seebühne oder vom „Klang der Quadrate“ auf dem Potsdamer Platz in Berlin.
Dossier: Das Auge hört mit bei Live-Events
Während die Verbraucher für Musik pur möglichst wenig zahlen wollen, scheuen sie bei Live-Musik in der Regel weder Kosten noch Mühen. Man gönnt sich eben gern ein einmaliges Erlebnis für alle Sinne. Welche Rolle dabei das Bühnendesign spielt, das dokumentiert ein opulenter Bildband des Fotografen Ralph Larmann.





