Recorded & Publishing

Dossier: Darkwave und Gothic in schwerer See

Auch wenn mit Unheilig einer Band aus der Darkwave- und Gothicgenre dieses Jahr der verdiente Durchbruch in den Mainstream gelungen ist, blickt die Szene derzeit nicht gerade optimistisch in die Zukunft. Vor allem die immer weiter einbrechenden Backkatalogverkäufe und die nach wie vor großen Schwierigkeiten, Newcomerbands auf Dauer zu etablieren, bereiten vielen Marktteilnehmern große Sorgen.

Die Zeiten, in denen sich die Darkwaveund Gothicszene von der Entwicklung des Gesamtmarkts erfolgreich abkoppeln konnte, sind längst vorbei. In den vergangenen drei, vier Jahren ist das Segment stark unter Druck geraten. „Sicherlich wurde der Darkwavesektor ähnlich stark in Mitleidenschaft gezogen wie der Gesamtmarkt“, erklärt Gero Herrde, A&RManager bei SPV und unter anderem zuständig für Labels wie Synthetic Symphony und Oblivion. „Zwar steigen die Downloadverkäufe an, aber sie können, genau wie in anderen Bereichen, die Verluste bei den physischen Tonträgern nicht ausgleichen.“ Das sei eine mehr als unbefriedigende Entwicklung. Denn während das Darkwavesegment noch vor ein paar Jahren dem Negativtrend im Popoder Rockbereich trotzte, habe dieser die schwarze Szene mittlerweile ebenfalls erfasst, meint Herrde. „Inzwischen ist der Abwärtstrend in allen Bereichen zu verzeichnen.“ Eine Beobachtung, mit der Gero Herrde nicht alleine dasteht. „Die Lage ist weiterhin zunehmend schwierig“, erklärt auch Stefan Herwig, Geschäftsführer des Labels Dependent. „Was sich nach wie vor gegen den Trend gut behauptet, sind bekannte, bereits seit Jahren etablierte Acts. Newcomer dagegen können nur sehr schwer Tritt fassen.“ Etwas positiver sieht Jochen Arlt, der bei Alive für die Labelkoordination zuständig ist, die Entwicklung im Darkwave- und Gothicbereich: „Wir haben natürlich in diesem Genre mit den gleichen Problemen und Schwierigkeiten zu kämpfen wie alle anderen auch. Trotzdem greifen noch immer sehr viele Leute zum Tonträger. Es gibt immer mal wieder positive Überraschungen, wobei man ehrlich zugeben muss, dass sich das auf 3etablierte Künstler und Bands beschränkt.“ Auch er bestätigt: „Newcomer haben es wahnsinnig schwer.“ Bernd Rohde, Labelmanager bei Indigo, ist mit der Entwicklung des Segments dagegen relativ zufrieden: „Wenn ich unsere Veröffentlichungen in diesem Bereich betrachte, sind die Verkaufszahlen im Vergleich zum Gesamtmarkt nicht weit nach unten gefallen.“ Katalog entwickelt sich zum Sorgenkind Zu einem neuen Problemfeld entwi ckeln sich die weiter zurückgehende Verkaufszahlen von Backkatalogtiteln, betont Stefan Herwig. Das liege nicht nur am mangelnden Kaufwillen der Szenegänger, sondern resultiere vor allem aus der Wechselwirkung einer immer geringeren Präsenz im Handel. Eine fatale Entwicklung, da gerade die Katalogverkäufezu unterschätzende Rolle spielen. „Da viele Händler die aktive Pflege ihres Backkatalogs längst eingestellt haben, darf man sich nicht wundern, dass sie damit den großen Mailorderanbietern die Kunden in die Arme treiben“, sagt Jochen Arlt. „Man sieht aber auch, dass dort, wo den Kunden noch ein entsprechendes Programm angeboten wird, die Backkatalogtitel auch nachgefragt werden.“ Auch Bernd Rohde von Indigo konstatiert insgesamt einen Rückgang der Katalogverkäufe, schränkt aber ein, dass der Einbruch gerade im Darkwaveund Gothicgenre nicht so stark ausgefallen sei. Als sehr wichtig betrachten nach wie vor alle Marktanteilnehmer eine möglichst große Fanbindung. Sie sei eine der wichtigsten Maßnahmen überhaupt, um die Verkäufe zu stabilisieren. Und zur Fanbindung gehörten nun mal auch hochwertige Tonträger. „Was wir nicht machen werden“, erklärt Gero Herrde, „ist eine überhastete Abkehr vom Tonträger.

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