“Wer immer noch nicht verstanden hat, dass sich die Trends im Musikmarkt zyklisch wiederholen, der hofft sicherlich auch noch darauf, dass der Positivtrend ewig anhalten wird“, meint Aga Heller, Geschäftsführer der Hamburger Agentur Supraton, im Gespräch mit MusikWoche. „Denn es wird kommen, wie es kommen muss: Nach dem ganz großen kommerziellen Superboom wird es auch wieder abwärts gehen.“ Das müsse aber nichts Schlechtes bedeuten, sagt Heller – im Gegenteil: „Und wieder wird die Danceszene davon profitieren. Denn der Einbruch im massenkompatiblen, kommerziell ausgerichteten Dancesektor stärkt auf der anderen Seite die Undergroundszene.“ So entstünden dann an der Basis mit den Jahren neue Trends, neue Künstler, neue Ideen – und somit „neues Futter für das nächste Hoch“ im kommerziellen Dancemarkt. „Wer sich also dauerhaft etablieren möchte, der muss in beiden Bereichen aktiv sein. Dauerhaft Geld verdienen wird immer nur derjenige, der nicht nur am kommerziellen Sell-Out partizipiert, sondern auch mit einem Fuß im Underground stehen bleibt.“ In der Tat ist die Wechselwirkung zwischen sogenanntem Underground und Kommerz enorm. Legte Paul Kalkbrenner als einer der großen Stars des Genres vor zehn Jahren noch in kleinen Clubs auf, so räumt München am 3. Juni für ihn den altehrwürdigen Königsplatz frei, wo sonst nur die Eric Claptons oder Anna Netrebkos dieser Welt auf – treten. Ebenfalls auf dem Königsplatz steht David Guetta am 21. Juli an den Reglern. Der große Erfolg des EMI-Künstlers gilt nach wie vor stell – vertretend für den Aufschwung des gesamten Genres. „Der Dance- und Electronic-Markt wächst noch, und er wird weiter wachsen“, bekräftigt Jan Mehlhose, Head of Marketing bei EMI Music GSA. „DJs wie Swedish House Mafia und Deadmau5 erobern weltweit Festivals und Arenen, David Guetta ist einer der meistgespielten Künstler im Radio, und erstmals wird nun auch die USA vom Dancephänomen erfasst.“ Dieser Musikstil repräsentiere perfekt die Generation „Sharing“, bei der es mehr darum gehe, teilzunehmen als zu einem großen Star aufzuschauen, sagt Jan Mehlhose. Er ist wie seine Kollegen von Universal Music, Warner Music und Sony Music Teil eines internationalen Dancenetzwerks, mit dem die Kon – zerne ihr Elektronikrepertoire global noch besser vermarkten wollen. „Zudem sitzen heutzutage auch in den Entscheiderpositionen Leute, die bereits in den Neunzigern Teil des Electronic- Movements waren und es verstehen.“
Dossier: Dance geht durch die Decke
Der weltweite Danceboom ist ungebrochen. Das zeigt sich an vielen Chartserfolgen, aber auch an Rekordbesucherzahlen bei Elektronikfestivals. Sogar die Majors haben das Segment wieder neu für sich entdeckt. Dennoch warnen Experten davor, dass selbst diese erfreuliche Entwicklung irgendwann in ihr Gegenteil umkippen könnte.






