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Dossier: Branchenhafen Hamburg

Die siebte Ausgabe des Reeperbahn Festivals schickt sich an, das Rekordjahr 2011 noch zu übertreffen. Die Herausforderung liegt nun darin, den hanseatischen Charme der Veranstaltung auch bei Massenandrang zu wahren.

Still und heimlich, aber zuletzt unübersehbar, hat sich das Reeperbahn Festival an die Spitze der deutschen Branchenevents gesetzt. Dabei war die 2006 von der Agentur Inferno Events in Kooperation mit der Karsten Jahnke Konzertdirektion ins Leben gerufene Veranstaltung ähnlich wie das niederländische Showcasefestival Eurosonic Noorderslag zu Beginn gar kein B2B-Treff, sondern lediglich eine Plattform für neue Bands. Doch weil mit den Bands auch die Booker kamen, ent – wickelte sich daraus im Lauf der Jahre ein allgemeiner Treffpunkt der nationalen wie internationalen Musikbranche, der im vergangenen Jahr 17.500 Festivalgäste und 1900 Fachbesucher nach St. Pauli lockte. Diese Zahlen dürften die Festivalmacher in diesem Jahr noch einmal übertreffen. Das Reeperbahn Festival – Music Campus Arts, wie das dreitägige Großereignis mit vollem Namen heißt, entfaltet dabei auch eine Sogwirkung auf andere Events. So finden erstmals die aus Berlin emigrierte European Music & Media Night (EMMN) und die Content Conference zeitgleich in Hamburg statt. Und auch die Zahl der direkt beim Festival angedockten Events wächst kontinuierlich. Dazu zählen die Konferenz Mobile x Music oder auch eine Kooperation mit dem Wacken Open Air, die Foto: Jörg Engel/Fotolia d o s s i e r r e e p e r b a h n 12_MusikWoche_39_2012 Hamburg Metal Dayz. Die Gefahr, dass man mit Angeboten wie diesen zuviel tut, sieht Detlef Schwarte, Geschäftsführer Inferno Events, indes nicht: „Gerade die Hamburg Metal Dayz und unser Kernangebot bei der Konferenz kannibalisieren sich nicht. Denn wir haben im Festival keine Metalbands, und auch die Panels dort richten sich an eine andere Zielgruppe als die Fachbesucher des Reeperbahn Festival Campus“, betont er im Gespräch mit MusikWoche. Ebenfalls gestiegen ist die Anzahl der Showcase-Veranstaltungen, die Alexander Schulz, Geschäftsführer Reeperbahn Festival, klar vom selbst kuratierten Festivalprogramm trennt. So habe der Zuwachs an Show – cases keine Auswirkungen auf den Umfang des eigenen Liveprogramms. „Die Showcase-Events sind lediglich on top hinzugekommen. Insgesamt werden wir etwa 300 Programmpunkte aus dem Musikbereich haben. Davon sind rund 210 eigene und ungefähr 90 von Partnern ausgerichtete Show case-Konzerte.“ Das sei ein gutes, gesundes Verhältnis. „Letztlich ist diese Mischung, eigenes Programm und klassische Showcases etwa von Exportbüros anzubieten, mit ein Grund, warum das Reeperbahn Festival über die Jahre so erfolgreich geworden ist“, so Schulz. Hinzu kommen 40 weitere Programmpunkte aus dem Arts-Bereich, für die die Festivalmacher ebenfalls verantwortlich zeichnen. „Leicht zurückgefahren“ haben Schwarte und sein Team jedoch erneut die Zahl der Panels. „In diesem Jahr haben wir 22 Konferenzpunkte, was sich aber auch dadurch erklärt, dass wir mehr angeschlossene Veranstaltungen von Partnern und dergleichen haben – wie etwa die besagte Mobile x Music.“ Man habe darauf geachtet, die Balance zwischen den eigenen Konferenzpunkten und denen der Partner zu halten. „Auch wenn wir mit deutlich mehr Delegierten rechnen, so wollen wir doch kein Überangebot“, sagt Schwarte. Ein Höhepunkt des Campusangebots in diesem Jahr ist das Keynote-Interview von Lyor Cohen: Der CEO Recorded Music der Warner Music Group USA spricht am 21. September im Schmidt-Theater. Starke Partner Warner Music und NDR Beim Zustandekommen dieses Engagements dürfte die deutsche Dependance von Warner Music in der nahen Speicherstadt eine nicht unwichtige Rolle gespielt haben. „Warner Music ist seit dem ersten Jahr dabei – und interessanterweise haben sie genau wie wir 2012 ein sehr gutes Jahr“, erklärt Schulz. „Aber unabhängig davon ist diese Partnerschaft für uns ein Mordspfund. Warner ist ein ganz starker Partner.“ Der einzige andere Partner mit einem ähnlich hohen Stellenwert sei der NDR. Der öffentlich-rechtliche Sender steht ebenfalls seit sieben Jahren an der Seite des Reeperbahn Festival und baut in diesem Jahr die Kooperation sogar noch aus. So überträgt NDR 2 die Festivaleröffnung, und die Jugendwelle N-Joy sendet live aus dem Docks-Club sowie dem „Reeperbus“ am Spielbudenplatz. NDR Info schneidet die laut Sender „besten Auftritte des Festivals“ mit, und das NDR-Fernsehen produziert eine 90-minütige Dokumentation. Eintrittsgelder sichern Finanzierung Die Partnerschaft mit iTunes, finetunes und Studio Hamburg bei der Vermarktung von Livemitschnitten sei dagegen „ein reines Kommunikationstool“, erklärt Schulz. „Wir verdienen damit keinen Cent, auch wenn wir da auf Stand-by sind. Die Verzahnung von Live Entertainment, Recorded Music, starken Vertriebspartnern und einer öffentlich- rechtlichen Rundfunkanstalt ist etwas, was wir auch künftig im Auge behalten werden. Wir sind in dieser Gleichung der Content-, aber auch der Imagelieferant.“ Wenn sich daraus kommerziell spannende Perspektiven ergeben sollten, sitze man in der ersten Reihe. Das eigentliche Geschäftsmodell des Reeperbahn Festivals sieht jedoch anders aus, erläutert Schwarte: Während vergleichbare Events die Finanzierung zu je einem Drittel über Dele gierte, Konzertgänger und Sponsoring oder Bezuschussung regeln, machen die Spricht beim Reeperbahn Festival Campus: Lyor Cohen von Warner Music USA Angedockte Veran – staltungen wie die Hamburg Metal Dayz oder Mobile x Music kannibalisieren das Kernangebot des Reeperbahn Festivals nicht. Die Mischung aus Showcase-Events von Partnern und eigenem Programm trägt zum Erfolg des Festivals bei. d o s s i e r MusikWoche_39_2012_13 Anmeldegebühren der Delegierten in Hamburg weniger aus. „Dafür ist bei uns der Anteil aus den Eintrittsgeldern der Konzerte höher.“ Die Reeperbahn- Delegierten steuern ungefähr 20 Prozent bei, der Eintrittsanteil liegt bei etwa 40 Prozent. 30 Prozent stammen von kommunalen und Landesmitteln, der Rest ist klassisches Sponsoring. „Allerdings arbeiten wir auch mit Sponsoring, das die Kosten mildert und deswegen in diese Gleichung nicht direkt einfließt“, sagt Schwarte. So ging das Reeperbahn Festival eine Partnerschaft mit dem neuen Arcotel Onyx an der Reeperbahn Nummer 1 ein: In dem Hotel befindet sich jetzt die neue Festival-Zentrale. Das Zelt auf dem Spielbudenplatz, das bislang als Lounge fungierte, gibt es nicht mehr. Mit dem Hotel könne man den Besuchern noch mehr Services an einem Ort anbieten, da sich im und am Hotel nicht nur die Reeperbahn Festival Lounge, sondern auch Networking Area, Konferenzräume und Catering finden, erläutert Schwarte. „Das wird der neue Hot Spot des Festivals, an dem viel passieren wird und an dem man sich begegnen kann.“ Einem langjährigen Festivalbesucher wird man indes in diesem Jahr dort leider nicht mehr begegnen: Rudy Holzhauer. Der im August verstorbene Musikverleger war in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe des Reeperbahn Festivals geworden. Immer wieder sorgte er bei Panels mit klugen Bemerkungen für Augenblicke voller Wahrheit, während er abends beim Liveprogramm mit Insidertipps aufwartete und gern auch persönlich den einen oder anderen Delegierten zu den Clubs führte. Bei aller Euphorie über den Aufstieg des Festivals – Holzhauer wird in diesem Jahr schmerzlich fehlen. Dietmar Schwenger Auch Hans-Joachim Otto gratuliert dem IMUC Vor zehn Jahren gründeten in Hamburg zehn Künstlermanager und Consultants eine Interessenvertretung für ihre Berufsgruppe. Zur Feier des Jubiläums lud der IMUC gemeinsam mit Musik – Woche zu einem Empfang beim Reeperbahn-Festival ein. Auch Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, schickte ein Grußwort: „Als Frankfurter in Berlin gratuliere ich dem Interessenverband Musikmanager & Consultants e.V. (IMUC) besonders gern zum zehnjährigen Jubiläum. Der IMUC hat sich seit seiner Gründung als Kommunikationsplattform und Berufsverband im Bereich des Musikmanagements fest etabliert. Seine Mitglieder nehmen in der Musikwirtschaft eine ganz wichtige Funktion wahr. Ein gutes Musikmanagement gibt dem Künstler den notwendigen Freiraum für sein kreatives Schaffen, indem es sich vor allem der wirtschaftlichen Belange seiner künstlerischen Entwicklung umfassend annimmt. Musikmanager unterstützen die strategische Karriereplanung und entlasten den Künstler in Fragen der Promotion und des Marketing. Die Mitgliedsfirmen des IMUC und das IMUC-Gütesiegel stehen für fairen Wettbewerb, Professionalität und Zuverlässigkeit. Durch die Kooperation mit anderen Verbänden hat der IMUC außerdem einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass die Belange der Kultur- und Kreativwirtschaft – zu der als Teilmarkt auch die Musikbranche zählt – zunehmend mehr Gehör finden und die wirtschaftlichen Leistungen von Kultur- und Kreativschaffenden anerkannt werden. Ich wünsche dem IMUC auch für die nächsten zehn Jahre alles Gute und seinen Mitgliedern vor allem weiterhin auch viele wirtschaftliche Erfolge.“

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