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Dossier: Berlin – Netzwerker am Förderband

Pop und Politik liegen am Standort Berlin eng beieinander. Das vermitteln auch die Antworten auf die MusikWoche-Umfrage, wie offen die Politik für neue Ideen und Konzepte ist und wie gut die Förderung klappt. Vor allem das noch junge Musicboard, aber auch die Initiative Musik und die Berlin Music Week spielen dabei eine Rolle.

Das Musicboard Berlin, das unter der Leitung der Musikbeauftragten Katja Lucker erst Anfang 2013 seine Aktivitäten aufnahm, förderte mit seinem Gesamtbudget von einer Million Euro schon im Startjahr 33 Projekte, von denen rund 130 in Berlin lebende Künstler oder Bands profitierten. „Die Politik ist sehr offen für neue Ideen und Konzepte“, meint denn auch !K7-CEO Horst Weidenmüller. Motor-Entertainment-Chef Tim Renner pflichtet ihm bei: „Die Kreativwirtschaft steht im Mittelpunkt lokalen politischen Handelns. Insofern ist die Politik sehr offen für neue Ideen.“ Das gelte unter anderem für die Arbeit des Musicboards, dem es nicht nur um die Förderung von Musikwirtschaft und Musikern gehe, sondern auch um die Erhaltung und Weiterentwicklung von Infrastrukturen. Zudem lobt Renner die politischen Akteure: „Mit Björn Böhning ist als Chef der Senatskanzlei ein Kenner unserer Branche Ansprechpartner geworden, und auch die Wirtschaftsbehörde weist viele Kenner unserer speziellen Materie auf.“ Für Ronny Krieger, Labelmanager Monkeytown Music, belegen neben dem Musicboard aber auch „die etablierte Initiative Musik und einige weitere Bemühungen erfolgreiche Standortförderungen“. Der Anstoß für diese Entwicklung kam aber aus der Branche, betont Musikverleger Rolf Budde: „Mit dem Förderungskonzept,Music in Berlin 2020′ hat die Politik einen Forderungskatalog auf den Tisch bekommen, der konkret auf die zu erledigenden Punkte hinweist.“ Dankenswerterweise habe sich die Politik dieser Themen auch angenommen: „Die damit verbundene Förderung könnte natürlich immer noch höher sein, als sie ist, aber in der Zeit knapper Kassen ist es sehr zu begrüßen, dass die vorhandene Förderung von den politischen Kräften befürwortet wurde.“ Als „sehr zufrieden mit der Förderung der Stadt Berlin“ zeigt sich Sebastian Rüß, Geschäftsführer der Velomax Berlin Hallenbetriebsgesellschaft: „Wir als Hallen-betreiber erhalten selber keine Förderungsmaßnahmen, profitieren aber zum Beispiel von der Förderung diverser Sportveranstaltungen.“ Flo – rian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie, weiß: „Wie in vielen anderen Städten auch wird die Kultur- und Kreativwirtschaft und damit auch eine lebendige Musikszene vom Club bis zum Major als Standortvorteil begriffen.“ Seit einiger Zeit sei „eine Konkurrenzsitua – tion zwischen den Regionen zu beobachten, die eine positive Dynamik entfaltet“. Das Musicboard als Anlaufstelle für Musiker in Berlin findet Drücke „begrüßenswert“, darüber hinaus existiere aber mit der Berlin Music Week „eine spannende Plattform, die die Musiklandschaft in der Hauptstadt facettenreich widerspiegelt“. Förderung stärkt den Standort Eine weitere Facette streichen die GVL-Geschäftsführer Guido Evers und Tilo Gerlach heraus: „Berlin beweist, dass kulturelle Vielfalt ein Erfolgsfaktor sein kann.“ Sowohl die regionale als auch nationale Politik in Berlin hätten die Bedeutung der Kreativwirtschaft erkannt. „Dies zeigt sich unter anderem in der vom Bundesbeauftragen für Kultur und Medien gemeinsam mit der GVL und anderen Kulturorganisationen finanzierten Initiative Musik.“ Hierbei handle es sich um eines der größten Förderprojekte der GVL: „Die großzügige Etatbeteiligung durch die Bundesregierung sowie die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Vertretern aus Politik und Kreativwirtschaft verdeutlicht am Beispiel der Initiative Musik, wie die Förderung der Kultur gemeinsam erfolgreich umgesetzt werden kann.“ Björn Döring, Projektleiter der Berlin Music Week, hält die Entscheidungsträger „aus unserer spezifischen Situation heraus“ für „sehr offen“ und meint: „Wir haben mit der Konzeption 2013 einen Ansatz vorgelegt, der von der Branche für die Branche entwickelt wurde und den unser Auftrag- und Geldgeber mit großer Offenheit und Sachkenntnis bewertet und mitgetragen hat.“ Opernhäuser als Messlatte? Dasselbe könne sicher auch Katja Lucker über die Entwicklung des Musicboards sagen, meint Döring. „Und wenn man sich dann weitere Maßnahmen wie die Unterstützungen für die Berlin Music Commission, die Kulturförderung, den Hauptstadtkulturfonds, den Kreativwirtschaftsausschuss der IHK, die Aktivitäten von Berlin Partner im Stadtmarketing und bei der Unternehmensansiedlung anschaut, dann ist die Palette der Aktivitäten enorm groß und das Volumen an Geld, Zeit und Aufmerksamkeit erheblich.“ Aus der Szene höre man zu diesem Engagement allenfalls Kritik, so Döring, „dass die Politiker zu wenig Einfluss nehmen auf die Liegenschaftspolitik, dass der Verkauf von Grundstücken nur dem Aspekt der Ertrags maximierung folgt und dass dadurchnachhaltige Grundlagen für Kreativwirtschaft zerstört werden, die auch eine Förderpolitik nicht wiedergutmachen kann“. Das sei sicherlich ein erhebliches Argument, räumt Döring ein, „allerdings fällt es mir sehr schwer, das eine mit dem anderen zu vergleichen“. Doch es gibt auch andere kritische Aspekte: „Wir sind Unternehmer, die Förderung ist trotz der guten Pognosen doch eher ungenügend“, meint zum Beispiel Carlos Fleischmann, CEO ct creative talent. Und die Branchenanwältin Bianca Müller merkt an: „In einer Stadt, in der drei Opernhäuser pro Abend für jeden Sitz mit rund 250 Euro bezuschusst werden, scheint die Förderung gut zu funktionieren.“ Sie betont aber auch: „In Zeiten, in denen die Einnahmen aus der Verbreitung von Musik auf Tonträgern oder digital sehr gering sind, kann man meiner Meinung nach nicht genug fördern.“ Das sieht auch der VUT so: „Auf Landesebene kennt man die Bedeutung der Branche und fördert sie“, weiß Öffentlichkeitsarbeiter Martin Jungmann. „Doch wir wären ein schlechter Verband, wenn wir sagten, dass alles perfekt sei. Natürlich wünschen wir uns für unsere Mitglieder immer mehr. Das gilt auch für die Förderung aus Bundesmitteln.“ Für die Projekt – förderung über die Initiative Musik sei man indes sehr dankbar – „der VIA! VUT Indie Award ehrenhalber für Staatsminister Bernd Neumann war ein äußeres Zeichen hierfür“.

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