500.000 Euro steckte Berlin nach Musik- Woche-Informationen in die Kampagne zur Berlin Music Week. Ob sich die Hauptstadt damit in der ersten Liga der inter – nationalen Standorte für Musikbranchentreffs behaupten kann, muss die Zukunft weisen. Die Organisatoren von Messe und Kongress zeigten sich aber zuversichtlich, dass es in den kommenden Jahren weitere Berliner Musikwochen geben wird. Und auch die Zahlen, die von den Verantwortlichen enthusiastisch verkündet wurden, machen was her: 7500 Besucher registrierten sich für die Popkomm, 2000 waren es bei der a2n. Hinzu kamen 253 Redner auf 130 Panels – toll. Für die meisten Besucher ließ sich dieses Angebot allerdings kaum noch überblicken. Allein schon der a2n- Themenstrang „Business Models“, den MusikWoche präsentierte, deckte eine immense Bandbreite ab. Das reichte von den Potenzialen, die hoffentlich noch immer im Live- und im Digital geschäft schlummern, über Fragen des Merchan – disings oder Micropayments bis hin zu Gesprächen über aktuelle Soundtrack- Projekte – Vielfalt, hart an der Grenze zur Beliebigkeit. Eher an die musikalische Basis richteten sich Gesprächsangebote im Hinblick auf erste Schritte im Livegeschäft.Unter den vielen Rednern, die die a2n- Macher verpflichtet hatten, fanden sich mit Mike Masnick und Andrew Dubber unter anderem zwei Vertreter der eher technologiefreundlichen Bloggerszene in Berlin ein. Beide sind für ihre kreati – ven Ideen bekannt – ob sich diese aber auch tatsächlich in tragfähige Geschäfts – modelle umsetzen lassen, steht auf einem gänzlich anderen Blatt. So hat „Techdirt“- Gründer Masnick unter anderem am Beispiel des Musikers Trent Reznor und seines Projekts Nine Inch Nails die mathematisch wirkende Formel „CwF + Rtb = $$$$“ aufgestellt. Übersetzt heißt das: Vernetze dich mit deinen Fans (Connect with Fans) und gib ihnen einen Grund, etwas zu kaufen (Reason to buy) – und schon hast du ein Geschäftsmodell. Schön wär’s. Es mag in Fällen wie eben Trent Reznor, Radiohead oder vielleicht auch noch Amanda Palmer einträglich bis brauchbar funktionieren, bleibt darüber hinaus aber für die meisten Musiker im Word Wide Web ein Ziel, das sie nur schwerlich erreichen können. Andrew Dubber wiederum hat einst das Netzwerk „New Music Strategies“ ausgerufen und verbreitet sein Buch „The 20 Things You Must Know About Music Online“ kostenlos über das Internet. Eine seiner Ideen war unter anderem, Promo – tion-CDs statt an die Medienmeute an ausgewählte Onlinenutzer zu verteilen und darauf zu hoffen, dass deren Freude über das Präsent zu hoffentlich verkaufsfördernden Bewertungen der entsprechenden Produkte auf Plattformen wie Amazon oder iTunes führt. Auch diese Strategie mag wohl in Einzelfällen funktionieren, dennoch dürfte sich der Erfolg gemein – hin in einem kaum messbaren Rahmen bewegen. Aber auch abseits des Themenstrangs „Business Models“ gab es anregende Gesprächsrunden: So stellte Impala- Geschäftsführerin Helen Smith mit Unterstützung von City-Slang-Gründer Christof Ellinghaus und VUT-Justiziar Reinher Karl ihr am Profifußballgeschäft orientiertes Solidaritätsmodell von Ablösegeldern für Künstler vor, deren Karriere zunächst von einem unabhängigen Unternehmen aufbaut wird und die später zu einem Major wechseln. Allerdings stellt sich auch hier die Praxisfrage: So machte Ellinghaus am Beispiel der Formation Hole klar, dass Konzerne schon immer für erfolgversprechende Bands interessante Summen bezahlt haben. Andererseits dürfte sich solch ein Solidarsystem kaum ohne institutionellen oder bürokratischen Aufwand installieren lassen. Dass es mit mehr Praxisbezug geht, machten ebenfalls die Indies klar: So fasste eine Impala-Elefantenrunde mit den Ko-Präsidenten Michel Lambot, Horst Weidenmüller und Helen Smith sowie mit Unterstützung des amerikanischen Indie-Verbandsrepräsentanten Jim Mahoney (A2IM) die Erfolge und Ziele der Indies im Musikgeschäft zusammen. Diese Ziele erläutern Helen Smith und Horst Weidenmüller im MusikWoche- Interview auf Seite 12/13.
Dossier: Berlin Music Wek 2010 – Das Ende vom Lied?
Zwischen himmelhoch jauchzend und ausgesprochen kritisch ablehnend fielen die Reaktionen auf die erste Berlin Music Week aus. Unter dem gemeinsamen Dach ging die Musikmesse Popkomm neu an den Start, der Kongress von all2gethernow wucherte im zweiten Jahrgang ins Beliebige, und das Berlin Festival sowie zahlreiche weitere Live- und Clubevents buhlten um die Gunst des Publikums.





