Nach einem Minus von 10,2 Prozent und 14,6 Prozent in den Jahren 2011 und 2012 verbuchte die Klassik zwar im vergangenen Jahr wieder ein Plus von 6,4 Prozent, den Ausgangswert von 99 Millionen Euro 2011 konnte sie mit den 90 Millionen Euro Umsatz 2013 in Deutschland allerdings nicht wieder erreichen. Dennoch freut sich Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie, „dass es für die Klassik erstmals seit drei Jahren wieder bergauf geht, wobei es besonders erfreulich ist, dass neben erfolgreichen Cross over-Künstlern das Wagner- und Verdi-Jahr deutliche Wachstumsimpulse gegeben haben und insgesamt die Vielfalt im Klassikmarkt weiter gestiegen ist“. Seit 2007 seien nicht mehr so viele Klassik-Neuerscheinungen wie im vergangenen Jahr gemessen worden. „Auffallend ist der nach wie vor geringe Downloadanteil, der auch 2013 bei rund fünf Prozent liegt und darauf hindeutet, dass die Klassik die großen digitalen Herausforderungen noch vor sich hat.“ Dabei steht die Klassik gemessen am Gesamtmarkt gar nicht schlecht da, bewegt sie sich doch mit einem Umsatzanteil von 7,2 Prozent an den Zahlen der vergangenen Jahre, in denen der Anteil zwischen sechs und acht Prozent schwankte. Den positiven Trend bestätigt Kleopatra Sofroniou, Marketing Director Deutsche Grammophon. So war 2013 für Deutsche Grammophon Domestic ein sehr erfolgreiches Jahr. „Wir haben nicht nur unsere Umsatzziele gänzlich erreicht, sondern auch unsere Position als Marktführer in der Klassik ausweiten können.“ Deutscher Markt hat Sonderstellung Optimistisch zeigt sich auch Michael Brüggemann, Vice President Sony Classical Germany. „Bei uns weisen die Zahlen seit Jahren nach oben.“ Das liege an der ausgewogenen Mischung der veröffentlichten Themen, sagt er. Besonders verweist er auf das „Verdi“-Album von Jonas Kaufmann, das im September erschien und „der Klassikbestseller der Saison“ war. Brüggemann legt weiterhin große Hoffnung auf den Klassikmarkt, der in Deutschland nach wie vor durch das physische Geschäft geprägt ist: „Gerade hier ist es noch wichtig, die CD in der Hand zu halten und ihre Wertigkeit zu spüren. Aber digitale Kanäle wie Streaming- und Downloaddienste ermöglichen potenziellen Klassikhörern einen leichteren Zugang.“ Diese Einschätzung bestätigt Veronika Lindenmayer, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Naxos. Das Label erwirtschaftete 2013 ein Umsatzplus von vier Prozent mit einem Digitalanteil von zehn Prozent. Sie betont, dass der deutsche Klassikmarkt mit seinen physischen Verkäufen weltweit noch eine Sonderstellung einnehme. Doch dies kann sich auch auf lange Sicht als sein größter Vorteil herausstellen. Birgit SchlingerMit der Vielfalt wachsen Universal Music konnte mit seinen Labels Deutsche Grammophon, Decca, ECM und Mercury Classics die Marktführerschaft in Deutschland weiter ausbauen. Kleopatra Sofroniou, Director Domestic Marketing Deutsche Grammophon, sieht noch Wachstumpotenzial. So aktivierte die Deutsche Grammophon zum Beispiel im vergangenen Jahr das Label Archiv Produktion neu, das sich Veröffentlichungen der Alten Musik widmen soll. Die Wiederbelebung des Labels stehe für das Engagement im Bereich Alte Musik, sagt Kleopatra Sofroniou. Auch sei der Trend zur Barockmusik eine willkommene Repertoire- Erweiterung. „Im Mai veröffentlicht Archiv die erste Aufnahme von Pablo Heras-Casado, einem der besten Dirigenten der jungen Genera – tion. Er wird in den nächsten Jahren als Botschafter des Labels Archiv Produktion fungieren und mehrere Aufnahmen, darunter auch Weltpremieren einspielen.“ Sein Debüt heißt „Il Maestro Farinelli“, das sich mit Farinelli als Dirigenten auseinandersetzt. „Glucks,Orlando‘ unter der Leitung von René Jacobs ist die zweite Aufnahme von Archiv Produktion im Mai. Und es geht spannend weiter.“ Auch erweiterte das Unternehmen mit einem neuen Label das Klassikportfolio. So wurde zum Album – release „Opus“ von Christopher von Deylen alias Schiller im September Panorama aus der Taufe gehoben. Das Album ging auf Anhieb auf Platz eins der MusikWoche Top 100 Longplay und erreichte nur einen Monat später Goldstatus. Die zweite Veröffentlichung stammte vom Red Army Choir, ein drittes Projekt folgt im Mai: „Die Chor jungen sind die erste Boygroup der Klassik“, erzählt Sofroniou. „Nico, Jan und Georg sind drei junge Sänger der Augsburger Domsingknaben. Sie präsentieren ihr erstes Album mit einer Mischung aus Popsongs und Klassik. Ich bin von der Schönheit und Reinheit der Knabenstimmen begeistert.“ Vor allem im digitalen Bereich sieht Kleopatra Sofroniou Wachstumspotenzial. „Auch die Klassik verzeichnet steigernde digitale Umsätze.“ So sei der digitale Anteil von Alben wie Max Richters „Recomposed“ oder Ludovico Einaudis „In A Time Lapse“ vergleichbar mit dem diverser Popalben. Einaudi bleibt exklusiver Decca-Künstler In Zukunft wird Max Richter exklusiv bei Deutsche Grammophon aufnehmen. Ludovico Einaudi, der 2013 mit gleich zwei Alben die deutschen Klassikcharts anführte („In A Time Lapse“ und „Islands“) bleibt exklusiver Decca-Künstler. „Wir setzen die „Recomposed“-Reihe fort und nehmen immer wieder neue Werke auf. Wir fördern Komponisten, die in der Popkultur verankert sind und eine entsprechende Zielgruppe und Fanbase ansprechen. Ich erwähne mit Freude die aktuelle Veröffentlichung von Bryce Dessner mit,St Carolyn By The Sea‘ sowie die Alben von Olafur Arnalds auf Mercury Classics“, ergänzt die Marketingchefin. Außerdem lege das Unternehmen Wert auf digitale Präsenz: „Deutsche Grammophon ist beispielsweise das beliebteste Klassiklabel auf Facebook. Wir sind sehr aktiv und in den sozialen Netzwerken mit Inhalten vertreten.“ Birgit SchlingerErfolgreiches Geschäftsjahr für Sony Zum 31. März endet das Geschäftsjahr für Sony Classical, das Michael Brüggemann, Vice President Classical Music, erfolgreich abschließen kann. Als Rezept nennt er eine ausgewogene Produktpalette in allen musikalischen Segmenten. Doch vor allem Tenor Jonas Kaufmann, der im vergangenen Jahr zu Sony Classical wechselte, sorgt für gute Stimmung beim Berliner Label. Mit dem „Verdi“-Album, das im September 2013 erschien, verbuchte der Tenor auf Platz 16 in den Top 100 Longplaycharts seinen höchsten Chartseinstieg bislang. „Das Album war in der Saison der alles überragende Bestseller“, verkündet Michael Brüggemann. Und im Februar gelangte Jonas Kaufmann mit gleich zwei Produkten zeitgleich in die Top 50: mit dem „Jahrhundert-Parsifal“ aus der New Yorker Metropolitan Opera und mit Schuberts „Winterreise“ auf Platz 38: „Jonas Kaufmann ist damit wohl der einzige Sänger, der je mit einem Lied album in die Top 50 der deutschen Longplaycharts eingestiegen ist“, sagt Brüggemann. Auch für das „Neujahrskonzert“ der Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Daniel Barenboim verbuchte das Label mit Platz zwölf einen weitere Höchstplatzierung in den Hitlisten. Den Erfolg von Sony Classical führt Michael Brüggemann auf die ausgewogene Mischung der Klassikveröffentlichungen zurück. Er nennt bekannte Solisten wie den Pianisten Lang Lang und die Cellistin Sol Gabetta, aber auch Aufsehen erregende CDs von Newcomern wie dem Dirigenten Teodor Currentzis, der mit seiner Einspielung der Oper „Le Nozze Di Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart neue Maßstäbe setze, Katalogeditionen und Crossover- Künstler wie die Piano Guys. Auch wenn die Jubiläen in diesem Jahr von Richard Strauss und Carl Philipp Emanuel Bach nicht an die von Giuseppe Verdi und Richard Wagner 2013 heranreichten, so feiert Sony Classical auch diese Geburtstage mit Produktneuheiten: Beim Label Deutsche Harmonia Mundi (DHM) erscheint am 4. April eine CD des Kammerorchesters Basels und des Pianisten See Siang Wong mit Klavierkonzerten von Carl Philipp Emanuel Bach, bereits im Januar veröffentlichte das Label eine Neuaufnahme seiner Konzerte und Sinfonien mit den Berliner Barocksolisten. Zum Strauss-Jubiläum folgen im April die Opernaufnahme von „Ariadne auf Naxos“ mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros auf DVD und Blu-ray sowie eine Einspielung von Simone Kermes und dem Fauré Quartett mit Liedern. Doch im Fokus steht zunächst im März die neue CD von Tenor Klaus Florian Vogt mit Highlights aus Operette und Musical sowie „Blind Film“ vom Pianisten Yiruma. bs Classical Next meldet Buchungsplus Zum Ende des Buchungszeitraums für den gedruckten Veranstaltungskatalog vermelden die Organisatoren der Classical:Next bereits 600 Anmeldungen zur Klassikfachmesse, die vom 14. bis 17.. Mai in Wien stattfindet. Das entspricht einem Plus von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch sind die Standflächen bereits vergeben – trotz einer bereits eingeplanten Erweiterung der Messefläche im Vergleich zum Vorjahr. Die Buchungen übertreffen die des Vorjahrs um ein Drittel, heißt es vom Veranstalter Piranha Womex. Deshalb stelle man nun ein kleines Zusatzkontingent im Österreichischen Museum für angewandte Kunst (MAK) bereit, dem Veranstaltungsort der Classical:Next. Wichtig sei den Organisatoren, dass die Fachmesse organisch wachse und sich in verschiedenen Bereichen etabliere. Diese reichen „vom weltweiten Vertrieb Naxos bis zum regionalen Education/ Musikvermittlungs-Experten, vom Huddersfield Contemporary Music Festival bis zum österreichischen Haydn-Festival oder dem Orchestra of the Age of Enlightenment, deren Creative Programming Director William Norris zur Alten Musik eine Session hält“, so die Veranstalter. „Die Classical: Next bringt das gesamte Spektrum der Klassik zusammen, einschließlich der verschiedenen Epochen, und ermutigt zu zukunftsweisenden Ansätzen. Nicht nur bei den zeitgenössischen Stilen, sondern gerade auch in den Szenen der Alten und der Barock-Musik gibt es einige einfalls reiche Vertreter, die ihr Genre uminterpretieren und neu präsentieren. Solche ermutigenden Best-Practice- Beispiele ziehen sich auch durch unser Programm, vom Eröffnungskonzert an“, sagt Jennifer Dautermann, Director Classical:Next bei Piranha. Die dritte Ausgabe der Fachmesse wird erstmals um einen Tag verlängert und beginnt 2014 bereits am Mittwochnachmittag vor der Eröffnungsgala. bsWarner Classics lud Händler ein Mit der Übernahme von Parlophone samt der Kataloge von EMI Classics und Virgin Classics bekannte sich Warner Music auch zum Klassikgeschäft. Im Februar stellten die Teams von Warner Music Central Europe und Warner Classics ihren Handels partnern Neuveröffentlichungen und Schwerpunktaktionen vor. Rund 30 Händler folgten der Einladung in die Warner- Räumlichkeiten in der Hamburger Speicherstadt. Ein Besuch der Elbphilharmonie rundete das Programm ab. Bernd Dopp, Chairman & CEO Warner Music Central Europe, begrüßte die angereisten Fachhändler, bevor Marcus Friedheim, Managing Director Sales Central Europe, die Integration der Parlophone Label Group samt der Klassik – labels EMI Classics und Virgin Classics in den Warner- Konzern erläuterte. Markus Petersen, der bei Warner Classics nun als Senior Vice President Global Marketing and Operations fungiert, stellte zudem die globale Restrukturierungsstrategie von Warner Classics aus Marketingsicht vor. Anschließend präsentierte Stephanie Haase, Director Warner Classics, zusammen mit ihrem Team die Neuerscheinungen und Katalogveröffentlichungen: So stehen in diesem Geschäftsjahr 150 Titel zur Veröffentlichung an. Dazu zählen Höhepunkte wie „Music For A While“ von Christina Pluhar mit Philippe Jaroussky sowie das Debüt des Pianisten Bertrand Chamayou mit Werken von Franz Schubert, aber auch Aufnahmen vom Quatuor Ebène mit Stacey Kent, dem Artemis Quartett mit Streichquartetten von Mendelssohn oder Joyce DiDonato mit ihrem Belcanto-Album „Stella Di Napoli“, das im September erscheint. Außerdem plant man bei Warner Classics Katalogaktionen für das Hilliard Ensemble mit einer Drei-CD-Box zum Bühnenabschied des Ensembles, für Nikolaus Harnoncourt und das Erato-Label. Auf der Agenda steht zudem eine Boxenserie mit Einspielungen von Herbert von Karajan, die zum 25. Todestag des Maestros auf Grundlage der Originalbänder in den Abbey Road Studios klangtechnisch neu bearbeitet wurden. Aber auch das Jubiläum von Richard Strauss will Warner Classics zelebrieren. ks Spielte bei der Tagung: Die Cellistin Harriet Krijgh veröffentlicht auf Capriccio Zwei Schwerpunkte: Insgesamt 13 Boxen erscheinen bis Juni mit Einspielungen von Herbert von Karajan, Mitte Mai folgt die Monteverdi- Ausgabe von Nikolaus Harnoncourt auf drei CDs Naxos stimmte auf Schwerpunkte ein Mehr als 20 deutsche Klassikfachhändler konnten sich am 20. und 21. Februar in Poing bei München ein Bild über die Neuheiten von 14 im Naxos-Vertrieb befindlichen Labels machen. Matthias Lutz – weiler, CEO von Naxos Deutschland, zeigte sich in seiner Begrüßung zuversichtlich, dass „der Wachstumskurs auch 2014 fortgesetzt werden kann. Naxos sieht sich als größtes Klassiklabel und Vertrieb weltweit für die Zukunft gerüstet.“ Den Neuheitenreigen eröffneten Oehms Classics, Opus Arte, Rondeau und BR-Klassik, danach folgten Arthaus Musik, C Major, MDG, EuroArts und Hänssler Classic. Am zweiten Tag begrüßte Klaus Heymann, Gründer und Chairman von Naxos, die Konferenz per Skype schaltung. Er betonte, dass auch in Zeiten wachsender Digitalisierung im physischen Geschäft großes Potenzial für Naxos als Label und Vertriebsfirma besteht. Anschließend präsentierte Marketing-Chef Mark Linden die Highlights des Naxos-Labels, bei denen Neuheiten der Dirigenten Marin Alsop, Leonard Slatkin, Antoni Wit und Vasiliy Petrenko sowie der Geigerin Tianwa Yang im Focus standen. Schließlich folgten noch Profil, Nimbus, Capriccio und Analekta.
Dossier: Baustelle Klassik
Das Segment der sogenannten E-Musik legte laut Bundesverband Musikindustrie 2013 wieder leicht zu. Doch konnte diese Entwicklung die Einbußen der beiden vorhergegangenen Jahre nicht wieder ausgleichen. Aber tot, wie zuweilen gemunkelt wird, ist die Klassik deswegen noch lange nicht – nur eben gerade im Umbau.






