Recorded & Publishing

Dossier: Aufbruchsstimmung im Schlagersegment

Die Schlagerszene lebt. Quer durch die Branche zeigen sich die Tonträgerfirmen mit der Geschäftsentwicklung 2007 in ihrem Bereich sehr zufrieden. Zwar wachsen die Bäume deshalb nicht gleich in den Himmel, doch viele Branchenexperten blicken durchaus optimistisch in die Zukunft.

Was die Volksmusik oder volkstümliche Musik betrifft, so gibt es in der Branche durchaus unterschiedliche Auffassungen über das Potenzial dieses Genres. Einigkeit herrscht jedoch bei der Einschätzung der Schlagerszene: Ihr geht es, verglichen mit dem Gesamtmarkt, verhältnismäßig gut. So steht für Ken Otremba, Director Marketing Sony BMG Ariola, jedenfalls fest: „Der Schlagermarkt ist lebendig und vital und erneuert sich gerade an den Rändern, was die Käuferschicht angeht.“ Acts wie Michael Wendler, Nik P. oder auch DJ Ötzi sorgten für frischen Wind und neue Käuferschichten. Der Schlager lege sein verstaubtes Image ab, und Protagonisten wie Helene Fischer oder Florian Silbereisen, aber auch neue Medienpartner wie das Printmagazin „Auf Eins“ sorgten dafür, dass diese Musik neu und frisch daher kommt. „Die Absatzzahlen gehen nach oben, neue Acts werden gebreakt – hier rührt sich was“, sagt Otremba. Und er steht mit dieser Einschätzung beileibe nicht allein. Auch Karl Krajic, Geschäftsführer von MCP, zeigt sich mit der Entwicklung im Schlagermarkt, nicht zuletzt wegen des außerordentlich guten Abschneidens seiner Amigos, sehr zufrieden. Alfred Dübell, Head Of A&R MOR bei Koch Universal, findet es vor allem wichtig, die noch bestehenden Schranken zwischen Schlager und Pop weiter aufzulösen: „Wir brauchen mehr junge Künstler. Das Beispiel Helene Fischer zeigt, dass es wieder möglich geworden ist, auch Künstler aus dieser Altersgruppe erfolgreich am Markt zu platzieren. In den 70er-Jahren war das noch ganz normal, wenn man an die junge Wencke Myhre oder an Karel Gott denkt. Die Grenzen zwischen Pop und Schlager waren damals offen, aber im Zug der Formatisierung wurde das problematisch.“ Das Beispiel Helene Fischer zegt, dass das Genre, das lange als nicht sehr agil galt, wieder in Bewegung gekommen zu sein scheint. „Die positive Entwicklung des Schlagersegments wird sich aus unserer Sicht 2008 definitiv fortsetzen“, erklärt denn auch Stefan Ultsch, bei der EMI-Division Capitol zuständig für Marketing/ A&R Electrola. „Der Konsument hat wieder Lust auf authentische, talentierte und junge Schlagerkünstler.“ Electrola habe in diesem Jahr sehr gute und erfolgreiche Aufbauarbeit geleistet, „um im nächsten Jahr die positive Entwicklung fortzusetzen“. Für das erste Halbjahr 2008 stehen hochkarätige neue Albumveröffentlichungen unter anderem von Helene Fischer, Nic, Fernando Express und Atlantis auf dem Plan. Die Flut hochkarätiger Themen, die 2008 angekündigt werden, lässt jedenfalls die schönsten Hoffnungen berechtigt erscheinen. Und die Zahlen sprechen für sich – man nehme nur die Amigos, die in Deutschland innerhalb weniger Wochen von ihrem Album „Der helle Wahnsinn“ mehr als 200.000 Einheiten verkauften, oder die kaum weniger gefragten aktuellen Produktionen von Howard Carpendale und Andrea Berg. Auch Ken Otremba bei Sony BMG ist mit der Entwicklung zufrieden: „Mit Michael Wendler ist es uns gelungen, ein neues Thema am Markt zu etablieren – mit über 50.000 verkauften Alben, über 70.000 verkauften Singles und Downloads und mehr als 30 Wochen Chartpräsenz. Sein Konzert in der Arena Oberhausen war mit mehr als 12.000 Zuschauern ausverkauft. Mit Franziska haben wir eine Newcomerin in die Top 50 der Singlecharts katapultiert. Zudem konnten wir mit Nik P. den erfolgreichsten Autoren und Interpreten des Jahres 2007 neu unter Vertrag nehmen.“ Auch Stefan Ultsch von EMI Music kann nicht klagen: „Wir blicken auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück. Mit Helene Fischer haben wir die neue Künstlerin schlechthin ganz oben im Schlagersegment etabliert. Ihre beiden Alben,,Von hier bis Unendlich‘ und,So nah wie du‘, haben die Goldmarke in Deutschland und in Österreich weit überschritten, Helenes Veröffentlichungen halten sich seit über 30 Wochen ununterbrochen in den deutschen Albumcharts.“ Mit Nic habe EMI zudem einen talentierten Newcomer erfolgreich im Markt positioniert, sagt Ultsch. „Alle drei Singles platzierten sich auf Anhieb in den Charts.“ An neuen und alten Talenten herrscht also ganz gewiss kein Mangel in der Schlager- und Volksmusikszene, obwohl gerade im Radio- und TV-Bereich die Möglichkeiten, Newcomer durchzusetzen, begrenzt sind. Ob der neue Höhenflug der Schlagerszene von Dauer sein wird, muss sich deshalb erst noch zeigen. Aber alle Anzeichen deuten derzeit darauf hin.

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