“Hey cool. Eine Coverversion von Puff Daddy.“ So reagierte ein Teenager, als er 1998 das Original des Titels „Every Breath You Take“ von Police hšrte. Ende 2002 entwickelte sich in einem HiFi-Fachmarkt folgender Dialog: ãIch wollte meiner Mama die Swing-Scheibe von Robbie Williams schenken, aber jetzt ist die ausverkauft.“ – ãSchenk ihr doch stattdessen eine CD von Frank Sinatra.“ – ãFrank wer, bitte?“ Auch das ZwiegesprŠch zweier ARD-Kommentatoren wŠhrend der Live-†bertragung der ãSuper Bowl“ in der Nacht zum 6. Februar 2006 hat es in sich. Sagt der eine: ãWas tippst du, welchen Titel die Rolling Stones in der Halbzeitpause spielen werden?“ Darauf der andere: ãHm, ich wei§ nicht, vielleicht âYellow Submarine‘?“ Wer sich nur ein bisschen fŸr die Historie der Rock- und Popmusik interessiert, wird genug Šhnliche Beispiele kennen, die auf Unkenntnis der wahren Sachverhalte schlie§en lassen. Dabei sollte man doch erwarten, da§ berŸhmte Musiker wie Sinatra, die Beatles oder The Police ein bleibendes Erbe hinterlassen haben. Wenn es denn existiert, so ist dieses Erbe heutzutage mehr denn je bedroht. Einst zŠhlten Rock- und Popmusiker zu den VorkŠmpfern fŸr eine bessere Welt; schon in Blues, Jazz und Folk setzten sich viele Schwarze und Wei§e einfach Ÿber herrschende gesellschaftliche Konventionen wie die Rassendiskriminierung hinweg. Nur durch solche sozialen GrenzŸberschreitungen konnten Rock’n’Roll und Beat entstehen und einer ganzen Generation einen Blickwinkel auf die Welt eršffnen, der sich deutlich von demjenigen ihrer Eltern und Erzieher unterschied. So verŠnderten Rock und Pop fŸr diese Generation die Welt und ihr Leben. Hšhepunkt der BefreiungsschlŠge gegen das Establishment waren die Versuche der Hippies und Punks, ihre eigenen anti-repressiven LebensentwŸrfe zu schaffen.
Dossier: Amnesie
Es war alles halt doch nur ein großer Irrtum. Die Mär von der gesellschaftspolitischen Sprengkraft der Popmusik ist längst von den wirtschaftlichen Sachzwängen widerlegt. Ein Veteran, der sich noch gut daran erinnert, wie es früher war, nimmt Abschied.





