Recorded & Publishing

DMV sieht Kreativität bedroht

Die Jahrestagung des Deutschen Musikverleger-Verbands fand am 12. und 13. Juni in Baden-Baden statt. Ganz oben auf der Tagesordnung standen dabei Fragen zum Urheberecht und drohende Einkommensverluste.

Die Jahrestagung des Deutscher Musikverleger-Verbands fand am 12. und 13. Juni in Baden-Baden statt. Ganz oben auf der Tagesordnung standen dabei Fragen zum Urheberecht und drohende Einkommensverluste.

„Die von der Bundesregierung geplante Novellierung des Urheberrechtsgesetzes droht die kreativen Musikautoren zu Opfern neuer technologischer Entwicklungen zu machen“, sagte DMV-Präsidentin Dagmar Sikorski im Rahmen der Jahrestagung. Im Gespräch mit „MusikWoche“ ergänzte sie: „Der Dreh- und Angelpunkt ist immer das Urheberrecht – das ist es, woraus unsere Autoren ihr Einkommen beziehen.“

Die Änderungen des Zweiten Korbs stellten „eine Verschärfung zu Lasten der Autoren“ dar und bevorzugten die Gerätehersteller einseitig: „Das tut weh.“ Die von der ZPÜ errechneten Einnahmeausfälle durch die Neuregelungen für die Kreativen in Höhe von jährlich 53 Mio. Euro werden zu noch mehr Mainstreamproduktionen führen, fürchtet Sikorski: „All das, was unsere kulturelle Vielfalt eigentlich ausmacht, wird dagegen plattgetreten, da davon keiner mehr leben kann.“

Obwohl die Lobby der Kreativen in Berlin „viel zu klein“ sei, seien die Beratungen zum Zweiten Korb im Bundesrat positiv verlaufen: „Der Bundesrat war unseren Argumenten gegenüber aufgeschlossen, jetzt müssen wir dieses Verständnis auch im Bundestag erreichen.“ Die zweite Lesung des Gesetzes erfolge aber voraussichtlich erst nach der Sommerpause. „Bis dahin müssen wir noch Lobbyarbeit leisten.“

Andere Handlungsmöglichkeiten hätten die Verleger kaum. „Mein Traum wäre ein Tag ohne Musik“, meinte Sikorski: „Keine Musik in den Medien, auf Festen, Trauerfeiern oder in der Werbung. Aber ein Streik der Urheber ist leider nicht realistisch.“ Auch die Bestrebungen der EU-Kommission zur Lizenzierung von Musik für Onlineanwendungen gehen laut Sikorski zu Lasten der Urheber: „Die Anbieter holen sich die Lizenzen künftig da, wo es für sie am günstigsten ist. Die Autoren sind dabei erneut die Dummen.“

Während die Förderung des aktiven Musizierens bei Kindern oder neue Zielgruppen und Nutzungsarten für Musik ebenfalls auf der Tagesordnung des DMV standen, spielten organisatorische Fragen nach den Umstrukturierungen des Verbands im vergangenen Jahr diesmal keine Rolle: „Die neu zugeschnittenen Ausschüsse sorgen für einen komprimierteren Ablauf“, bilanzierte Sikorski.

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