Recorded & Publishing

Die Story von Clive Calder und Zomba

Die britische Musikbranche handelt Zomba-Gründer Clive Calder nach seinem Millionen-Deal mit Bertelsmann als potenziellen Kandidaten für einen Einstieg bei der EMI Group. musikwoche.de fasst die Zomba-Geschichte zusammen.

Der in Südafrika geborene Clive Calder gründete im Jahr 1972 in Johannesburg unter dem Namen CCP sein erstes Label. Später formte er in Zusammenarbeit mit dem befreundeten südafrikanischen Musiker Ralph Simon im Jahr 1975 in London das Label Zomba, benannt nach der früheren Hauptstadt des afrikanischen Staates Malawi. 1981 eröffneten die beiden Gründer ein Büro in New York.

Sowohl für Zomba als auch für das Schwesterlabel Jive übernahm Calder das Produktionskonzept von Tamla Motown, eigene Künstler mit an das Label gebundenen Songwritern und Produzenten zusammenzubringen. Das führte schon in den Achtzigern zu diversen Hits, unter anderem für Billy Ocean. Seit Mitte der 90er-Jahre ging es für Zomba mit Formationen wie den Backstreet Boys oder später ‚N Sync steil aufwärts. Dabei darf es wohl als Ironie der Popgeschichte gelten, dass sowohl die Backstreet Boys wie auch ‚N Sync via Lou Pearlman ursprünglich direkt bei BMG Ariola München unter Vertrag standen – exklusiv und weltweit – und dass sich beide aus diesem Vertragsverhältnis herausklagten, um direkt bei Zomba zu unterschreiben. Zusammen mit Britney Spears trugen die beiden prototypischen Boy Groups im Jahr 2001 maßgeblich zum Umsatz und damit zum rekordverdächtigen Kaufpreis von Zomba bei.

Ein weiterer Schlüsselpunkt in der Erfolgsgeschichte von Clive Calder war der Vertrag mit dem schwedischen Produzenten Max Martin, der für viele Jive-Ohrwürmer verantwortlich zeichnet. Außerdem hatte Calder auch die notwendige Portion Glück – zum Beispiel, als ein Mädchen namens Britney Spears unangekündigt in den Jive-Büros vorstellig wurde, um ihr Talent unter Beweis zu stellen.

Im Jahr 1996 schätzte Calder den Wert seines Unternehmens auf rund 500 Millionen Dollar, seine Umsätze lagen damals bei rund 450 Millionen Dollar. Seitdem stiegen die Umsätze der Firma stetig weiter und erreichten schließlich im Jahr 2001 mit rund einer Milliarde Dollar und einem US-Marktanteil von 6,7 Prozent ihren Höhepunkt. Außerdem gilt Zomba mit einer Gewinnmarge von rund 20 Prozent als eines der profitabelsten Unternehmen der Branche, verglichen zum Beispiel mit Gewinnmargen von 17,7 Prozent bei Universal Music, 12,5 Prozent bei Warner Music oder EMI mit zwölf Prozent. Branchenkenner führen diesen Umstand vor allem darauf zurück, dass Zomba sich nicht im Bereich Manufacturing betätigt und nur in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden eigene Vertriebsarme betreibt. In Deutschland übernahm Calder im Sommer 1996 die eingeführte Independentfirma Rough Trade.

Im laufenden Jahr muss Zomba – ohne neue Alben von Acts wie Britney Spears, den Backstreet Boys oder ‚N Sync, denen als Top-VÖs nur die Solo-Alben der ‚N Sync-Sänger Justin Timberland und Robyn gegenüberstehen – wohl mit sinkenden Umsätzen rechnen. Vor diesem Hintergrund scheint Calders Ausübung seiner vertraglich fixierten Put-Option zeitlich höchst passend gewählt. Das britische Branchenblatt „Music Week“ meinte sogar, der Bertelsmann-Zomba-Deal sei großartig für Calder, aber für niemanden sonst. Es sei klar, dass es sich um ein für Bertelsmann verheerendes Geschäft handele. Vor zwei Jahren war es wegen des Rechtsstreits mit ‚N Sync zu Irritationen zwischen Bertelsmann und Zomba gekommen; BMG und Pearlman wollten die Veröffentlichung von ‚N Sync-Platten beim Partner Zomba auf dem Klageweg verhindern. Daraufhin stand die Verlängerung des Vertriebsvertrags, den Zomba für die USA mit BMG geschlossen hatte, auf dem Prüfstein und wurde zur Chefsache für Bertelsmann.

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