Musikexperten aus Deutschland und Europa nutzten erst vor wenigen Wochen das in Cannes, um intensiv über Fördermöglichkeiten der vielschichtigen Musikkulturen in Europa zu diskutieren. Hierbei war der Blick zunächst gerichtet auf die jeweiligen Mitgliedsstaaten, von unserer Seite also auf Deutschland; doch die Frage, auf welche Weise eine europäische Förderpolitik der EU-Kommission angemessene Rahmenbedingungen für die Entfaltung der Musikkulturen in den Regionen Europas ausgestalten kann und soll, war richtigerweise stets mit der nationalen Perspektive verknüpft.
Diesen Zusammenhang wird gewiß auch Herr Steffen Kampeter (MdB) bestätigen können, mit dem ich ja bereits im Rahmen der offiziellen Standeröffnung der deutschen Gemeinschaftspräsentation bei der MIDEM im Januar in Cannes Gelegenheit hatte, Möglichkeiten einer stärkeren Förderung der musikalischen Unterhaltungsmusikkultur in Deutschland und darüber hinaus in Europa zu erörtern.
Für die deutschen Komponisten und Autoren ist neben der kulturellen auch die wirtschaftliche Positionierung in Europa von Bedeutung. Deshalb engagiert sich die GEMA schon seit Mitte der 90er Jahre im European Music Office (EMO) mit Sitz in Brüssel für ein europäisches Mu-sikförderprogramm, das – vergleichbar mit EU-Unterstützungen des europäischen Filmschaffens – den Austausch der vielfältigen musikkulturellen Emanationen in Europa befördert und auf der Grundlage des Kulturauftrags des Maastricht-Vertrags dazu beiträgt, positive Rahmenbedingungen für musikalisch-kreative Leistungen in Europa jenseits des internationalen (d.h. angloamerikanisch dominierten) „Mainstreams“ auszuprägen.
Die Ergebnisse dieser Bemühungen in Brüssel sind erfolgversprechend; insbesondere ist es mit maßgeblicher Unterstützung der deutschen und französischen Autorengesellschaften GEMA und SACEM gelungen, der EU-Kommission die für die europäische Idee so grundlegende Verbindung kultureller und ökonomischer Aspekte der Musik deutlich zu machen und bei Expertenmeetings hochrangige Vertreter der EU-Kommission für musikalische Pilotprojekte zu sensibilisieren: Es geht jetzt also darum, ein solches Musikförderprogramm auf europäischer Ebene ab dem Jahr 2005 in der Nachfolge des defizitären EU-Programms „Kultur 2000“ vorzubereiten und dann effektiv durchzuführen.
Gerade auch wegen des europäischen Zusammenhangs ist es aber wichtig, dass zunächst in Deutschland die richtigen Rahmenbedingungen erarbeitet werden. Wenn wir von positiven Rahmenbedingungen in Europa für kreatives Musikschaffen sprechen, so müssen wir in Deutschland mit Blick auf unsere europäischen Nachbarländer konstatieren, dass in unserem Land ein vergleichbares Musikbüro als zentrale Anlaufstelle fehlt, in dem Anforderungen der Musikwirtschaft gebündelt werden und namentlich „Kleine und Mittelständige Unternehmen“ (KMU“s) die Interessen der kreativen deutschen Musikautoren im europäischen Wirtschaftsraum zum Ausdruck bringen können.
Wir sollten also dieses Forum der Musikwirtschaft in der CDU-Bundesgeschäftsstelle dazu nutzen, sich darüber zu verständigen, wie ein deutsches Musikexportbüro im Europäischen Binnenmarkt dazu beitragen kann, regionale Musikkreationen aus Deutschland über unsere Landesgrenzen hinaus auf den Bühnen Europas hörbarer zu machen – so wie es z. B. mit guten Erfolgen bereits in Frankreich, Holland, Östereich und Spanien geschieht. Denn – und dies ist für die in der GEMA zusammengeschlossenen 60 000 Musikschöpfer und -verleger, die in regionalen Kulturtraditionen Deutschlands verankert sind, besonders wichtig: Wenn wir hier bei uns in Deutschland darüber diskutieren, Kulturpolitik auf nationaler Ebene neu zu akzentuieren, so muss fraglos der Schwerpunkt auf einer Außendarstellung der musikkulturellen Leistungen gegenüber den Regionen Europas liegen, denn innerhalb Deutschlands entziehen sich die Kulturverantwortlichen der Länder nicht ihrer Pflicht der kulturellen Förderung regionaler Identitäten.
Wir sollten also darüber diskutieren, was wir mit einem zentralen Musikbüro in Deutschland erreichen könnten und wie die Tätigkeiten eins solchen Büros zu definieren wären. Wir können uns hier in guter „Best Practice“-Übung die Erfahrungen europäischer Nachbarländer einmal näher anschauen und überprüfen, ob sie für unser Ziel tragfähig sein können. Das französische Exportbüro (Bureau d“Export de la Musique Francaise, Paris) konnte zum Beispiel seit Eröffnung im Jahr 1993 dazu beitragen, dass der Verkauf von CD-Alben mit französischem Repertoire auf dem internationalen Markt von 4 Millionen in 1993 auf 39,25 Millionen in 2000 gesteigert werden konnte.
Lassen Sie mich hier abschießend – gerade auch mit Blick auf dieses erfolgreiche Modell Frankreichs – folgendes festhalten:
Ziel des deutschen Musikbüros muss sein: – die Förderung nationaler und regionaler Musikrepertoires aus Deutschland durch international ausgerichtete Maßnahmen der Information, Koordination und Unterstützung, insbesondere der KMUs in der deutschen Musikwirtschaft; – und zwar auf der Grundlage einer europäischen Musikpolitik, die den Austausch der Musikkulturen in Europa befördern soll.
Finanzierung und Organisation: Die Initiative sollte aus der Mitte der Musikwirtschaft kommen und einerseits von der Phonographischen Wirtschaft (Deutsche Landesgruppe der IFPI und Independents) sowie professionellen Organisationen (GEMA, GVL, DMV) mitfinanziert werden, andererseits zu einem gleichen Anteil die staatliche Unterstützung des Beauftragten der Bundesregierung für die Angelegenheiten der Kultur sowie des Auswärtigen Amtes erhalten. (Der Etat des französischen Büros liegt bei einer solchen Kofinanzierung bei jährlich 15 Millionen Francs). Promotion- und Export-Komitees von Musikexperten sollten die Arbeit des Büros begleiten.
Fazit: Es könnte sich also lohnen auszuloten, ob von allen beteiligten Kreisen die Kraft zu einem Konsens für die Musikwirtschaft aus Deutschland vorhanden ist, um eine solche Fördermaßnahme zu Gunsten musikalisch kreativer Menschen aus unserem Land zum Erfolg zuführen. Lassen sie uns beginnen mit einer Analyse der Exportbüros und Exportfördermodelle europäischer Nachbarstaaten und sodann ein detailliertes Konzept für Deutschland ausarbeiten.






