Recorded & Publishing

Deutsche HipHop-Magazine im Überblick: Lesestoff für Rap-Fans

In Deutschland buhlen fünf Magazine um die Gunst der HipHop-Fans. Doch während sich die Beliebtheit des Genres positiv auf die Auflage und Erscheinungsfrequenz auswirkt, drückt die Krise in der Tonträgerindustrie auf das Anzeigengeschäft.

Mit einem Umfang von 180 Seiten und einer Auflage von 80.000 Kopien (ivw-geprüft) ist „Juice“ das umfangreichste und auflagenstärkste HipHop-Magazin. Für 8,50 Mark bekommt der Käufer zudem eine Gratis-CD mitgeliefert. „Diese Dreingabe wird von unseren Lesern sehr geschätzt“, freut sich Chefredakteur Chris Maruhn im Gespräch mit musikwoche.de. „Unsere Redaktion in München reflektiert das HipHop-Geschehen weltweit, wobei die deutsche Szene gleichberechtigt neben internationalen Themen abgebildet wird. Das spiegelt auch die Heft-CD wieder.

Zudem gibt es spezielle Newcomer- und Demo-Rubriken, um den hiesigen Nachwuchs zu fördern.“ „Juice“ beansprucht für sich die Marktführerschaft in Deutschland. „Da das Heft mit der nationalen HipHop-Szene gewachsen und von Aktivisten der ersten Stunde geleitet wird, konnten wir unsere Stammleserschaft kontinuierlich auf- und ausbauen.“

Die Nummer zwei hinsichtlich Auflage ist „Backspin“. Das Magazin aus Hamburg erscheint bislang sechs Mal im Jahr, will aber die Frequenz ab 2002 auf zehn Ausgaben erhöhen. „Ursprünglich waren es 4000 Stück, heute sind es 70.000“, erklärt Chefredakteur Dennis Kraus. „Über Mailorder werden 6000 Hefte an die Szeneläden vertrieben. Der Rest wird über den IPV in Deutschland, Österreich und der Schweiz verteilt.“

Inhaltlich setzt sich Backspin auf etwa 130 Seiten mit klassischen HipHop-Themen wie Graffiti, Breakdance, Rap und DJs auseinander. Zudem findet man auch Artikel über das Verhältnis der Rap-Kultur zum Drogenkonsum oder die Rechtslage für Graffiti-Sprüher. „Charakteristisch für Backspin ist, dass der Kern der Mitarbeiter keine Schreibtischtäter sind, sondern Sprüher, Musiker oder Breakdancer. Weiter sehen wir uns nicht als Promotionplattform für Plattenfirmen. Wir suchen uns die Themen selber aus. Somit dürften wir zu den wenigen Magazinen gehören, die für eine Anzeige wirklich nur den damit gekauften Platz einräumen.“

Seit einem Jahr kann man „Wicked“ für fünf Mark alle zwei Monate am Kiosk erstehen. Grundsätzlich aber kommt das zweitälteste Magazin in Deutschland über ein Mischvertriebskonzept unters Volk. „Derzeit gehen 30.000 Exemplare über den Freiverteiler direkt an die Szene“, erklärt Chefredakteur Kolja Storm. Dieser soll schon bald auf 40.000 Adressen aufgestockt werden. Die Auflage sei zwar, wie bei „Backspin“, nicht ivw-geprüft, 80 Prozent davon ließen sich jedoch durch Postversandbelege nachweisen. Inhaltlich widmet sich das Heft nicht nur internationalen Acts: „Bei uns spielt der nationale HipHop die Hauptrolle, wobei uns neben dem Mainstream auch der Underground und der Nachwuchs am Herzen liegen.“

Das meist 130 Seiten umfassende „Breakbeat“ erscheint im Karlsruher Medien Verlag Gatterburg & Bäumler. Das Gratismagazin wird im Zwei-Monats-Rhythmus über Szeneläden unter die Leute gebracht. Allein 10.000 Exemplare gehen nach Berlin, weitere 10.000 werden über Groove Attack verteilt. Neben HipHop wird auch der Drum&Bass-Bereich behandelt. Hinzu kommen circa zehn Seiten DJ-Zubehör.

1991 startete der Berliner Mik Kostevc „MKZWO“ unter dem Titel „Mik“s News“ mit 50 handkopierten Exemplaren. Heute wird das „Magazin für HipHop und Dancehall Music“ im Postkartenformat zehnmal im Jahr bundesweit über den Fachhandel angeboten. Von derzeit 35.000 will das Fanzine seine Auflage 2002 auf 50.000 steigern. Das Gratis-Heft steht und fällt mit dem Anzeigenaufkommen – daher die starken Schwankungen im Umfang. „Wir spüren die Krise im Plattengeschäft. Sony und BMG schalten weniger Anzeigen, doch haben wir genügend Kunden, um die Auflagensteigerung durchzuziehen“, gibt sich Kostevc optimistisch.