Wie hat sich der Erfolg von „Große Freiheit“ ausgewirkt, der die Fanbasis von Unheilig explosionsartig anwachsen ließ? Der Erfolg 2010 kam für mich völlig ungeplant. Ich hatte keine Erwartungen an das Album und bestenfalls mit Gold gerechnet. Damit wären wir alle glücklich gewesen, vor allem weil es zu diesem Zeitpunkt ja keinerlei Radioeinsätze und keine Fernsehauftritte gab. In meinem Leben passierten dann auf einmal Dinge, auf die ich nicht vorbereitet war. Auf einmal war ich permanent unterwegs. Nach ein paar Monaten gab es dann den Moment, in dem ich einfach vom Kopf her am Ende war. Ich bin ein sehr sensibler und emotionaler Mensch und hatte ein Problem, mit der Situation umzugehen. Mir war klar, dass ich etwas ändern musste. Ich sagte dann den Leuten, mit denen ich schon seit zwölf Jahren zusammenarbeite, dass ich doch nur Musik machen will. Deshalb nahmen wir schon während der ersten Tour zum letzten Album ein portables Studio mit, und ich fing an – mal allein und mal mit meinem Keyboarder – Lieder darüber zu schreiben, was mich belastet und was ich gerade erlebte. Ich kam mir in diesem Moment vor wie ein junger Mensch, der vom Land in die Großstadt kommt und für den alles neu ist.
Der Graf im Interview: „Die Reise ist noch nicht zu Ende“
Mit mehr als 1,8 Millionen verkauften Exemplaren von „Große Freiheit“ setzte Unheilig in den vergangenen zwei Jahren Maßstäbe im Markt. Das neue Album, „Lichter der Stadt“ (Vertigo/UDR/Universal), erscheint am 16. März. Sänger und Songwriter Der Graf erklärt im Gespräch mit Norbert Schiegl, wie er mit dem Erfolg und dem daraus resultierenden Erwartungsdruck umgeht und was für ihn künstlerische Integrität bedeutet.






