Ziel der Kooperation sei es, Inhalte bereits auf Distributionsseite zu prüfen und DSPs so bei der Bewertung angelieferter Repertoires zu unterstützen – soweit technisch zum Zeitpunkt möglich. Die Zusammenarbeit findet im Rahmen des 2025 im CIC Business Hub Berlin gegründeten AI Think Tank statt. Getragen wird die Initiative von Paradise Worldwide, AIxchange, der Association For Electronic Music (AFEM), dem Fraunhofer IDMT und der Music Tech Germany; Gastgeber ist der Cambridge Innovation Campus (CIC) Berlin.
Der Zusammenschluss bringt Vertreterinnen und Vertreter aus Musikwirtschaft, Technologie, Recht und Kulturpolitik zusammen und arbeitet unter anderem an einem europäischen Lizenzierungsstandard für KI-Plattformen. Nach eigenen Angaben bündelt der Think Tank Kompetenzen in den Feldern KI-Erkennung, Creative Weight Attribution und Rechteklärung und setzt dabei auf unabhängige, wissenschaftlich fundierte Technologien aus Europa.
Nachdem AIxchange sein Modell der Creative Weight Attribution – ein Verfahren zur Bemessung des kreativen Beitrags einzelner Werke an KI-Ergebnissen – entwickelt hat, wird das Modell derzeit von verschiedenen Akteuren der internationalen Musikindustrie evaluiert. Dazu zählen unter anderem die niederländische Verwertungsgesellschaft Buma/Stemra, die CWA im Rahmen eines Pilotprojekts getestet hat, sowie weitere international tätige Rechteinhaber und Unternehmen aus dem Bereich KI- Musik.
Aus Sicht der Beteiligten herrsche weiterhin Unsicherheit im Markt: Zahlreiche Anbieter versprächen eine zuverlässige Identifizierung, die Ergebnisse seien jedoch nicht immer präzise und nachvollziehbar. Auch für DSPs sei häufig nicht transparent, in welchem Umfang gestreamte, monetarisierte oder heruntergeladene Inhalte ganz oder teilweise KI-generiert sind – und ob die zugrunde liegenden Trainingsdaten rechtmäßig genutzt wurden.
Cyanite will in die Kooperation nun seine Technologie zur Erkennung KI-generierter Musik einbringen. Das 2019 gegründete Unternehmen ging aus der Popakademie Baden-Württemberg hervor und arbeitet nach eigenen Angaben mit über 200 Musikunternehmen zusammen, darunter Verlage, Production-Music-Libraries, DSPs und Vertriebe.
„Die gegenwärtige Unsicherheit rund um generative KI verlangt der internationalen Musikbranche ein hohes Maß an Flexibilität ab“, erläutert Markus Schwarzer, CEO und Mitgründer von Cyanite. „Große Technologieunternehmen nutzen ihre Marktmacht, um Fakten zu schaffen, während zentrale Fragen zu Trainingsdaten, Rechten und Transparenz weiterhin ungeklärt sind. Als Teil des Berlin AI Think Tank stellen wir mit unserer Technologie wichtige Informationen bereit. Damit möchten wir die Musikindustrie dabei unterstützen, fundierte Entscheidungen zu treffen und Big Tech auf Augenhöhe zu begegnen.“
Ralph Böge, Managing Director Paradise Worldwide und Chairman AIxchange, ergänzt: „Der Berlin AI Think Tank bündelt Kompetenzen in den Bereichen KI-Erkennung, Attribution und Rechteklärung. Unsere Technologien sind unabhängig, wissenschaftlich fundiert und in Europa entwickelt. Damit geben wir der Musik- und Rechtebranche sowie DSPs Orientierung und arbeiten an neuen Standards. Nachdem wir das Creative-Weight-Attribution-Modell von AIxchange gemeinsam mit Buma/Stemra pilotiert haben, erweitern wir unsere Arbeit nun um die KI-Erkennung.“
Der Markt sei weiterhin unübersichtlich, so Böge weiter. „Viele Lösungen versprechen präzise Ergebnisse, liefern diese aber nicht immer nachvollziehbar. Gleichzeitig wissen DSPs häufig nicht, in welchem Umfang die von ihnen gestreamten, monetarisierten oder heruntergeladenen Inhalte ganz oder teilweise KI-generiert sind. Deshalb braucht es neben fairen und intelligenten Attributionsmodellen auch eine verlässliche und transparente KI-Erkennung. Paradise arbeitet dafür im Think Tank eng mit Cyanite zusammen und baut seine Kompetenzen zur Prüfung von KI-Inhalten auf Vertriebsebene aus. Soweit technisch möglich, wollen wir diese Einordnung für DSPs übernehmen.“
Das entstehende Ökosystem soll nach Darstellung der Partner vor allem Kreativen und Rechteinhabern zugutekommen. Eine nachvollziehbare Rechteklärung vor der Nutzung musikalischer Werke als Trainingsdaten sei dabei zentrale Voraussetzung. Zugleich müssten KI-generierte Inhalte verlässlich erkannt, kreative Beiträge differenziert bewertet und daraus entstehende Erlöse fair zugeordnet werden.






