Nachdem er in den US-Medien immer öfter Ziel negativer Berichterstattung wurde, polierte Lyor Cohen nun sein Image wieder etwas auf. Zumindest gab ihm eine überregionale Tageszeitung jetzt Gelegenheit, seine Arbeit als US-Chef der Warner Music Group (WMG) in ein schmeichelnderes Licht zu rücken.
Zuletzt wurden dem Manager branchenintern wiederholt rabiate Methoden, schlechte Manieren und ein rüder Umgangston vorgeworfen. Doch in einem Interview mit der „Los Angeles Times“ verteidigte der Chairman & CEO der nordamerikanischen Tonträgersparte des Majors die zum Teil als rigorose Rosskur bezeichnete Umstrukturierung der Plattenfirma. „Die Infrastruktur von Warner war viel zu kostspielig. Die ganze Branche ist immer noch völlig aufgebläht. Alle müssen noch wesentlich fitter werden.“
Warner Music habe in der Vergangenheit viele unangenehme Entscheidungen aufgrund der oft geplanten und bislang immer gescheiterten Fusionsvorhaben auf die lange Bank geschoben. Doch als das neue Management unter CEO Edgar Bronfman jr. das Ruder übernahm, sei sehr schnell klar gewesen, wer gehen muss. „Außerdem haben wir die A&R-Leute hierarchisch über das Marketing und die Promotion gestellt. Uns fehlen zwar noch drei bis fünf Jahre, um wirklich wieder eine maßgebliche Firma zu werden, aber dieses Ziel erreichen wir nur mit der A&R-Abteilung an der Spitze.“
Zudem dürfe die Kreativdivision keine Furcht vor Fehlentscheidungen haben – speziell wenn es darum geht, Künstlern den Laufpass zu geben. „Unsere Industrie verschwendet Geld für Hunderte von Acts, weil Manager ihre Verträge nicht kündigen aus Angst, diese Künstler könnten anderswo Erfolg haben. Diese Einstellung müssen wir ändern.“ Vielmehr gelte es, auf diejenigen Künstler zu setzen, die statt eines schnellen und oft kurzlebigen Erfolgs eine langfristige Karriere vor sich haben.
Kritik an seinem Verhalten oder seinen Methoden lässt Cohen jedoch an sich abperlen: „Ich war fraglos schon immer der Außenseiter in dieser Branche. Ich bin eben Unternehmer und sehe die Dinge oft ein wenig anders. Wenn man etwas bewegen will, muss man auch Risiken eingehen. Dabei kann man manchmal auf die Nase fallen und manche Menschen werden sagen, man sei zu aggressiv oder umstritten. Aber einer muss eben als erster in den Pool hüpfen, um die Party in Gang zu bringen.“
Die ausführliche Berichterstattung in der „L.A. Times“, die von einem „Turnaround“ spricht, den Cohen bei Warner vollbracht habe, beeindruckte indes am Tag ihres Erscheinens die Anleger nur wenig. Die Aktie der WMG büßte am 28. August gut zwei Prozent ein und schloss bei 23,21 Dollar.





