Bram Cohen, der Entwickler der überaus erfolgreichen P2P-Software BitTorrent, will seine Erfindung als neuartigen digitalen Medienvertrieb positionieren. Musik, Filme und Games sollen demnächst völlig legal über das Torrent-Netz verteilt werden. Erste Investoren stehen inzwischen mit Millionensummen hinter dem Projekt. Die kalifornische Risikokapitalfirma Doll Capital Management sicherte der im Dezember 2004 gegründeten Cohen-Firma BitTorrent Inc. nun 8,75 Mio. Dollar (rund 7,3 Mio. Euro) Startkapital zur Verfügung. Damit soll aus BitTorrent in den kommenden Wochen und Monaten ein Digitalvertrieb entwickelt werden, der es Rechteinhabern ermöglicht, Kopierschutzsysteme ihrer Wahl einzusetzen.
Für den Medienvertrieb an P2P-User wird BitTorrent künftig entweder einen Verkaufspreis verlangen oder sich über Werbung finanzieren. Denkbar sei z.B., Filme kostenlos, dafür mit Werbeunterbrechungen anzubieten. Als Mitstreiter Cohens fungiert Ashwin Navin, ein ehemaliger Mitarbeiter von Yahoo! und Goldman Sachs. Gemeinsam wolle man sowohl die Branchenverbände, einzelne Entertainmentfirmen und die unabhängigen Betreiber von Torrent-Tracker-Sites von dem legalen Konzept überzeugen, verrieten die BitTorrent-Macher dem US-Magazin „Business Week“. Die Tracker-Sites werden als Wegweiser benötigt, um einen geordneten Datenfluss bei BitTorrent zu gewährleisten.
Die P2P-Anwendung funktioniert nach dem Puzzleprinzip: Große Dateien werden zum Transport übers Internet in einzelne Häppchen aufgeteilt, die auf den Rechnern der herunterladenden Nutzer wieder zusammengesetzt werden. Damit diese Dateihappen wissen, wohin sie gehören, fungieren Tracker-Server als Datenkanäle. Derzeit nutzen schätzungsweise 45 Mio. Menschen die BitTorrent-Software – zum Leidwesen der Unterhaltungsbranche oft auch, um nicht lizenzierte Inhalte zu übermitteln. Dies führte in den vergangenen Monaten wiederholt zu juristischen Gefechten zwischen den Industrieverbänden und Tracker-Sites. Mitunter verursachen BitTorrent-Nutzer ein Drittel des im weltweiten Web anfallenden Datenverkehrs.






