Recorded & Publishing

Brüsseler Spitzen gegen Sony BMG

Die Fusionskandidaten BMG und Sony Music sehen sich stärkerer Skepsis der EU-Kommission gegenüber als zunächst angenommen. Ein Bericht der Wettbewerbshüter, der beiden Unternehmen kürzlich zuging, hat gravierende Zweifel am Nutzen der Elefantenhochzeit.

Die Fusionskandidaten BMG und Sony Music sehen sich stärkerer Skepsis der EU-Kommission gegenüber als zunächst angenommen. Ein Bericht der Wettbewerbshüter, der beiden Unternehmen kürzlich zuging, hat gravierende Zweifel am Nutzen der Elefantenhochzeit. Der Prüfbericht stellt zwar nur eine vorläufige Einschätzung der Kommission dar und soll BMG und Sony Music dazu dienen, die Konzessionen für die Kartellwächter genauer zu definieren, jedoch hat man in Brüssel noch immer Bedenken, die verbleibenden Großkonzerne könnten eine „kollektive Dominanz“ im Markt ausüben. In ihrem fast 60-seitigen Dokument kommt die EU-Kommission zu dem vorläufigen Ergebnis, dass der geplante Zusammenschluss „mit dem Gesamtmarkt nicht kompatibel“ wäre. Um beiden Firmen mehr Zeit für ihre Reaktion auf die Bedenken zu geben, verschob die EU-Kommission nun eine für den 7. und 8. Juni geplante Anhörung um eine Woche. Intern wird bereits gemunkelt, dass sich Sony Music und BMG womöglich von ihren Verlagsarmen trennen müssen, obwohl diese gar nicht zum Umfang des Mergers gehören – Brüssel fürchte beim Publishing ebenso Absprachen wie bei den CD-Preisen. Die Majors hätten in den vergangen Jahren trotz sinkender Nachfrage nichts an ihrem Preismodell für CDs geändert, heißt es in dem Bericht. Mit flexibleren Preisen wäre es für die Industrie leichter gewesen, auf die digitale Piraterie zu reagieren. Deshalb stellt Brüssel offenbar auch ein Hauptargument der Fusionskandidaten in Frage, nämlich dass die Synergien, die der Merger mit sich brächte, der Branche einen neuen Schub gäben: Diese Fusion werde hauptsächlich Personalreduzierungen mit sich bringen, so die Kommission, „aber es ist unwahrscheinlich, dass dies einen Einfluss auf die Preise im Handel haben wird“. Und weiter: „Die Kommission denkt nicht, dass die durch die Fusion erzielten Effizienzgewinne an die Konsumenten weiter gegeben werden.“ Zudem habe man Zweifel, dass eine Fusion wirtschaftlich sinnvoller wäre, als wenn BMG und Sony Music ihre Rationalisierungen jeweils alleine für sich durchführten. Nach der Anhörung am 14. und 15. Juni, bei der beide Unternehmen ihre Nachbesserungen unterbreiten können, wird mit einer Entscheidung der EU bis spätestens zum 22. Juli gerechnet. Zwar hat die Kommission bisher 70 Prozent aller Fusionen genehmigt, bei denen sie zuvor Bedenken angemeldet hatte, dennoch rechnen Insider inzwischen nur noch mit einer 50:50-Chance für grünes Licht.

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