Im Gespräch mit Analysten hat Warner-Chef Edgar Bronfman jr. versucht, Schönwetter zu machen. Der Aktienkurs der Warner Music Group (WMG) dümpelt seit Tagen unter 17 Dollar, der Tonträgerabsatz in den wichtigsten Märkten lahmt, und in Sachen EMI-Übernahme scheint der US-Major auch nicht voranzukommen.
Da kam die Securities Media & Telecommunications Conference der Deutschen Bank am 5. Juni gerade recht, um auf die Innovationen aus dem Hause Warner Music hinzuweisen. Vor allem das neue Trägerformat MVI (Music Video Interactive Disc) habe die Erwartungen bei der Markteinführung voll erfüllt. Das auch als DVD-Album bekannte Format stelle die nötige Verbesserung gegenüber der CD im physischen Geschäft dar, so Bronfman.
Dabei falle die zusätzliche Produktion von Inhalten für die MVI-Disc kaum ins Gewicht – die meisten der Zusatzfeatures wie Videoclips, Fotos, Behind-the-Scenes- und anderes Bonusmaterial stelle man ohnehin her. So stimmten demnach auch die Margen bei der Vermarktung dieser Konfiguration. Bei der WMG sei man daher weiter zuversichtlich, dass die Mitbewerber das Konzept übernehmen werden. Der physische Markt brauche dringend eine Frischzellenkur, so Bronfman. Die CD sei als „fast 30 Jahre altes Format“ vielen potenziellen Kunden nicht mehr attraktiv genug.
Auch der minimal höhere Verkaufspreis der MVI sei kein Erfolgshindernis. Echte Fans schrecke der Preis nur selten ab, meinte der WMG-CEO und brachte einen aktuellen Beleg: Das aktuelle Linkin-Park-Album „Minutes To Midnight“ gibt es bei iTunes in einer Standardversion für 9,99 Dollar und in einer Variante mit Bonusmaterial, die zwei Dollar teurer ist. In den ersten Tagen nach Veröffentlichung haben sich 97 Prozent der Downloadkunden für die 11,99-Dollar-Version entschieden.
Dies zeige auch, wie sehr sich der Digitalmarkt inzwischen als Stütze erweise, sagte Bronfman. Dank der Erfolge im Downloadgeschäft betrage das aktuelle Absatzminus in den USA nur rund zehn Prozent, während die Verkäufe von physischen Tonträgern um knapp 20 Prozent hinterherhinken. Aber die größten Hoffnungen setzt Bronfman weiterhin auf den Sektor Mobile Business. Dieser Markt komme zwar vor allem in den Vereinigten Staaten nur langsam voran, werde aber international schon bald die erste Geige im Digitalgeschäft spielen.
Bronfman erwartet sich auch von der bevorstehenden Markteinführung des iPhone einen zusätzlichen Schub für Mobile Music. Dass die WMG mit einem aktuellen Börsenkurs von 16,84 Dollar nur auf eine Marktkapitalisierung von 2,51 Mrd. Dollar kommt, betrachtet Bronfman als Laune der Börsenwelt. Angesichts der Preise, die zuletzt für Musikverlage wie BMG oder Famous bezahlt wurden, sei die WMG mit ihrem Verlag Warner/Chappell völlig unterbewertet.






