Nach dem personellen Jugendwahn, den manche Kritiker der Musikbranche in den letzten Jahren vorhielten, versucht die Warner Music Group (WMG) nun ihr Glück mit einem Triumvirat aus dem Seniorenklub.
CEO Edgar Bronfman jr. hat die drei in der Branche legendären Warner-Urgesteine Ahmet Ertegun, Jac Holzman und Seymour Stein überredet, wieder für die Firma aktiv zu werden.
Der heute 82-jährige Ahmet Ertegun, einst zusammen mit seinem Bruder Nesuhi Gründer des Labels Atlantic, ist nach einem mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt wegen einer Lungenentzündung wieder täglich in seinem Büro am Rockefeller Center anzutreffen. Dort arbeitet er derzeit an einer Ray-Charles-Kopplung mit Aufnahmen aus dessen Atlantic-Zeit und an einem neuen Projekt des einstigen Led-Zeppelin-Gitarristen Jimmy Page.
Jac Holzman, Gründer der inzwischen aufgelösten Warner-Firma Elektra und heute 73 Jahre alt, steht einer Konzeptgruppe vor, die für die WMG ein rein digitales Label ins Leben rufen soll. Nach dem Vorbild einer ähnlichen Abteilung von Universal Music soll das Digital-Label von Warner nur kurzfristige Verträge mit Künstlern abschließen und deren Musik Titel für Titel ausschließlich nicht physisch über digitale Plattformen vermarkten. Erst wenn diese Downloadveröffentlichungen eine ausreichende Verkaufszahl erreichen, will man den Künstlern einen klassischen Vertrag anbieten. Holzman war zudem mitverantwortlich für die Verpflichtung von Richard Blackstone, der nun den Verlagsarm Warner/Chappell leitet.
Seymour Stein, mit 63 Jahren der jüngste des Veteranentrios und Gründer des Labels Sire, betätigt sich indes als A&R für Warner. Bereits im September 2004 nahm er die finnische Rockband HIM unter Vertrag, derzeit verbringt er viel Zeit in Großbritannien, Südafrika und Indien auf der Suche nach neuen Talenten. „Es ist wichtig, dass man seine Firmentradition ehrt und pflegt“, erklärte WMG-Chef Bronfman gegenüber der „Business Week“. Während des letzten Jahrzehnts sei die Unternehmenskultur bei Warner Music untergegangen, „weil Time Warner nie wirklich verstand, wie man diese Abteilung leitet“. Nun werde man „wiederentdecken, wie unglaublich begabt diese drei Executives sind und wie viel sie einem jungen, unternehmerisch denkenden Managementteam noch immer beibringen können“.






