Die öffentliche Debatte über den Verkaufspreis von iTunes-Downloads reißt nicht ab. Nun meldete sich Warner-Music-CEO Edgar Bronfman jr. zu Wort. Im Rahmen einer Investorenkonferenz in New York, die das Bankhaus Goldman Sachs ausrichtete, beschwerte er sich als erster Majorchef offiziell über das starre 99-Cent-Preisschema bei Apple. Dieses Thema taucht seit Monaten immer wieder auf und gewann in den letzten Wochen an Dynamik, weil die Vertriebsverträge der großen Plattenfirmen mit dem iTunes Music Store im Frühjahr 2006 auslaufen und demnächst nachverhandelt werden. Einige der führenden Rechteinhaber wollen dann darauf pochen, dass Songs unterschiedlich ausgepreist werden können – aktuelle Hits für bis zu 1,49 Dollar, Katalogtitel für weniger als 99 Cents.
„Es gibt auf der ganzen Welt keinen Content, der nicht ein gewisses Maß an Preisflexibilität hat“, sagte Bronfman vor den Finanzfachleuten. In Abwandlung von George Orwells „Farm der Tiere“ merkte er an: „Not all songs are created equal. Not all albums are created equal. (Nicht alle Lieder sind gleich. Nicht alle Alben sind gleich.)“ Erst vor zwei Tagen hatte Apple-Chef Steve Jobs diese Forderungen zurückgewiesen und bezichtigte die Labels der Geldgier. „Wir wollen die Preise ja nicht durch die Bank anheben“, präzisierte Bronfman nun. „Wir bezweifeln auch nicht, dass der Preispunkt von 99 Cents der richtige für die meisten Titel ist. Doch es gibt Songs, für die Kunden mehr bezahlen würden – und andere, die wir für weniger verkaufen wollen.“ Bronfman ließ keinen Zweifel daran, dass er sich bei Apple durchsetzen will: „iTunes braucht unsere Musik genauso wie wir iTunes brauchen.“
Das sehen Fachleute allerdings nicht genauso. Apples Marktanteil im Digitalvertrieb sei so dominant, dass sich Firmen wie Warner oder EMI am Apfel aus Kalifornien vorerst die Zähne ausbeißen werden, meint Richard Greenfield von Fulcrum Global Partners. Hardware-Innovationen wie zuletzt der iPod nano würden dafür sorgen, dass Apple und iTunes mindestens noch ein Jahr lang am längeren Hebel sitzen wird. Ein Argument, das man in der Musikbranche so nicht gelten lassen will. Schließlich seien derzeit 50 Prozent aller digitalen Umsätze auf Klingeltonverkäufe zurückzuführen, so lautet eine oft gehörte Einschätzung. Und die Branche rechnet in der Zukunft mit noch mehr Einnahmen aus dem mobilen Geschäft.






