Kurz vor der Echo-Verleihung nahm Frank Briegmann jüngst die Lage im Musikmarkt unter die Lupe. In Hinblick auf die Herausforderungen der Digitalisierung sei es ein Schlüssel gewesen, dass die Musikindustrie die Technologiekonzerne „als Partner und nicht als Totengräber begriffen haben“, sagte der President Central Europe & Deutsche Grammophon von Universal Music im Gespräch mit dem „Handelsblatt“: „Sie kümmern sich um die Technologie, wir liefern die kreativen Inhalte. So macht jeder das, was er am besten kann.“
Zudem bezog Briegmann Position zur Bedeutung der Musikunternehmen als Partner der Künstler in einem zunehmend globalisierten Musikgeschäft: „Reichweite ohne Vermarktung zahlt noch keine Rechnung“, macht der Universal-Spitzenmanager klar. „Ab einem bestimmten Level brauchen die meisten Künstler professionelle Unterstützung.“
Das gelte auch beim Aufbau von Newcomern, auch wenn nicht jede gemeinsame Anstrengung erfolgreich sein könne: „Wir sind im Venture-Business. Jeder Newcomer, den wir aufbauen, bedeutet erst einmal Risiko. Und das geht öfter schief, als dass es funktioniert – in welchem Verhältnis, lasse ich mal dahingestellt“, sagte Briegmann auf die Frage, wie viele Hits man benötige, um mögliche Flops zu finanzieren.
Streaming sieht Briegmann derweil weltweit auf dem Weg „zum dominierenden Format“. Das schlage sich längst auch in den Entwicklung der Umsatzanteile beim Marktführer im Musikgeschäft nieder, der im abgelaufenen Geschäftsjahr : „Weltweit verdienen Universal Music und seine Künstler mittlerweile mehr durchs Streaming als durch den Verkauf von Tonträgern.“ Entscheidend seien dabei in erster Linie die Wünsche der Musikfans: „Und wenn die Leute anfangen sollten, wieder Kassette zu hören, bin ich der Erste, der die alten Kopierstraßen aus dem Keller holt.“
Größere Wachstumschancen als mit althergebrachten Formaten sieht Briegmann aber zum Beispiel in virtuellen Welten oder durch die Sprachsteuerung: „Der Musikkonsum wird dank neuer Technologien noch weiter ansteigen“, ist sich der Universal-Manager sicher. Virtual Reality und künstliche Intelligenz würden „ein riesiges Potenzial für die Musikbranche“ bergen.






