Recorded & Publishing

Brennerstudie bestätigt Argumente der Verbände

Die jährliche Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bringt es an den Tag: CD-Brennerei und illegale Musikdownloads aus dem Internet schädigen die Musikwirtschaft mehr denn je.

Was für Außenstehende wie eine willkommene Ausrede klingt – der gebetsmühlenartige Hinweis der Phonoverbände auf die branchenschädigende Entwicklung beim CD-Brennen und Downloaden – wird von den repräsentativen Zahlen von GfK Panel Services Consumer Research mühelos als stichhaltige Argumentation bestätigt. „Letztes Jahr wurden in Deutschland eine Viertelmilliarde CD-Rohlinge nur mit Musik kopiert“, erläutert Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände. „Das sind rund 100 Millionen Stück mehr als verkaufte CD-Alben“, warnt Gebhardt.

Der Bundesverband der Phono und die Filmförderungsanstalt waren die Auftraggeber der Studie, für die GfK wie in den Vorjahren 10.000 Personen befragte. Die Untersuchung der Hardware-Ausstattung der Konsumenten zeigt, dass das größte Problem für die Musikbranche der CD-Brenner ist. Von den 63,2 Millionen Deutschen, die älter als zehn Jahre sind, haben inzwischen 21 Millionen zuhause Zugriff auf einen Brenner, weitere 17,3 Millionen nutzen derartige Hardware außerhalb der eigenen vier Wände. Das heißt, 51,1 Prozent der Deutschen haben zumindest die Chance, problemlos CDs zu brennen. Die Haushaltspenetration liegt bei 28,6 Prozent. Für die kommenden Jahre prognostiziert die GfK zudem einen weiteren Anstieg der Brennerzahl. Für das laufende Jahr rechnen die Nürnberger Marktforscher damit, dass 34 Prozent der Haushalte einen Brenner besitzen, 2004 prognostizieren sie dann 38 und 2005 schließlich gar 41 Prozent. Dagegen ist die Ausstattung mit Playern oder Mobiltelefonen zur Wiedergabe von MP3-, WMA- oder sonstigen Dateien noch vergleichsweise gering. 3,7 Millionen Deutsche (5,8 Prozent) nutzen derartige Geräte, die Haushaltsausstattung liegt nur bei fünf Prozent.

Insgesamt brannten 25,4 Millionen Deutsche im letzten Jahr 515 Millionen CD-Rohlinge – also rund 20 CDs pro Person. Etwa die Hälfte dieser Rohlinge wurde von 22,5 Millionen Deutschen zum Brennen von Musik genutzt: 259 Millionen CD-Rs und CD-RWs – eine Steigerung von 42 Prozent im Vergleich zu 2001. Und das heißt wiederum: rund zwölf CDs pro Person. 94,7 Prozent der 22,5 Millionen Kopierer gaben an, die CDs für den Eigenbedarf mit Musik bespielt zu haben. 56,5 Prozent versorgten damit Freunde, Kollegen und Verwandte. Das Kopieren von geliehenen Original-CDs nimmt zwar auf hohem Niveau ab (62,8 Prozent), dafür überspielen immer mehr Personen aus dem Internet geladene Songfiles auf CD (47,7 Prozent) und kopieren von bereits kopierten CD-Quellen (35,8 Prozent). Die Gründe hierfür sind eindeutig: 85 Prozent der Brenner wollen nur ihre Lieblingsstücke auf einer CD und 72 Prozent finden CDs im Handel zu teuer. Zudem ist der Faktor Individualität für viele Brenner wichtig. Allerdings scheint die „Brenneritis“ kein Lifestyle-Syndrom zu sein: Nur zwölf Prozent halten das Brennen von CDs für „cool“ oder „in“. Auch eine industriekritische Haltung dient nur wenigen als Vorwand: 35 Prozent sagen, Plattenfirmen verdienen ohnehin genug.

Am stärksten sind Neuheiten vom Brennen betroffen: 42 Prozent substituieren ihre Käufe durch Kopieren neuer Titel. Vergleichsweise ungeschoren bleiben die Repertoire-Bereiche Volksmusik (drei Prozent), Jazz (vier), Klassik (sieben) und HipHop (neun). Deutlich auch die Zahlen bei den Musikdownloads: 6,4 Millionen Deutsche luden sich 2002 rund 622 Millionen Songs aus dem Netz, 31 Prozent mehr als 2001; zu 93,6 Prozent benutzten sie kostenlose Sites.

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