Recorded & Publishing

Branche wartet auf neues EMI-Angebot für Warner Music

Die Fusionskarten liegen wieder auf dem Tisch. Auch wenn Warner Music ein erstes Übernahmeangebot von EMI zurückgewiesen hat, scheint klar: Bald wird es nur noch drei Majors im Musikgeschäft geben. Die Frage ist: Zu welchem Preis? Und was passiert danach?

Die Fusionskarten liegen wieder auf dem Tisch. Auch wenn die Warner Music Group(WMG) ein erstes Übernahmeangebot der EMI Group zurückgewiesen hat, scheint klar: Bald wird es nur noch drei Majors im Musikgeschäft geben. Die Frage ist lediglich: Zu welchem Preis wird die Konsolidierung erfolgen?

Am 1. Mai bot die EMI Group 28,50 Dollar in bar und in eigenen Aktien für Warner Music, doch das Management des US-Majors will bei diesem Preis nicht weiter verhandeln. Insgesamt wäre die EMI-Offerte 4,23 Mrd. Dollar wert gewesen – rund 200 Mio. Dollar mehr als der Börsenwert der WMG zum Zeitpunkt des Angebots und gut 1,6 Mrd. Dollar mehr als der heutige CEO Edgar Bronfman jr. und die Investorengruppe um Thomas H. Lee Partners, Bain Capital und Providence Equity Partners, Ende 2003 dem Time-Warner-Konzern für die Musiksparte bezahlt hatten. Seither strich Bronfman weltweit mehr als 1000 Arbeitsplätze, legte Abteilungen zusammen und brachte die WMG im Mai 2005 an die Börse. Dem Erben des Seagram-Imperiums und seinen Geldgebern gehören zusammen rund 75 Prozent von Warner Music, eine feindliche Übernahme ist also höchst unwahrscheinlich. Zumal die Mehrheitseigner von Warner beim Börsengang einen Großteil ihrer Investitionen wieder eingespielt haben und nun offenbar einen möglichst profitablen Ausstieg anstreben.

Doch noch ist unklar, ob Bronfman & Co. nur pokern, oder ob Warner bei einem Zusammenschluss mit EMI die Oberhand und das Sagen behalten will. Insider behaupten, in New York erwarte man eher ein Gebot in der Region um fünf Mrd. Dollar. In London gelten dem Vernehmen nach 30 Dollar pro Warner-Aktie – also fast 4,5 Mrd. Dollar – als oberstes denkbares Angebot. Schon am 5. Mai, wenn die WMG ihre Quartalsbilanz vorgelegt hat, sei eine aufgebesserte Offerte von EMI zu erwarten. Analysten reagierten jedoch zunächst enttäuscht auf die Ablehnung von Warner Music. Eine Fusion der beiden Musikkonzerne sei sinnvoll und berge ein jährliches Einsparungspotenzial von 180 bis 250 Mio. Dollar. „Dies zeigt, welche Schwierigkeiten in Bezug auf Bewertung und Managementfragen es bei einem Deal dieser Art geben kann“, sagte Lorna Tilbian von Numis Securities.

Doch allzu lange dürfen sich Bronfman und seine Mitstreiter wohl nicht zieren. Beim Kaufangebot von EMI ist die WMG schon jetzt fast neun Mal höher bewertet als das für 2006 zu erwartende EBITDA. Recht viel mehr wird EMI also kaum auf den Tisch legen können, meinen die Experten, weil sonst die Gesamtrechnung für niemanden mehr aufgehen wird. Das zeigte sich bereits am 3. Mai an den Börsen: Während die EMI-Papiere in London nach der Ablehnung des Übernahmeangebots um gut vier Prozent nachgaben und bei 270,5 Pence schlossen, kletterte der Kurs der WMG-Aktie weiter. Die Anleger rechnen mit einem nachgebesserten Angebot aus London, mehr als 3,5 Mio. Anteilsscheine wurden gestern gehandelt – 14 Mal so viel wie an durchschnittlichen Börsentagen. Der Schlusskurs an der Wall Street lag bei 28 Dollar – ein Plus von 2,6 Prozent.

Sollte es tatsächlich zu der Majorhochzeit kommen, entstünde ein Konzern mit einem Weltmarktanteil von 24,7 Prozent, gemessen an IFPI-Angaben. Universal kommt demnach auf 28,3 und Sony BMG auf über 25,5 Prozent Anteil am globalen Musikgeschäft. Zudem hätte EMI endlich ein solides Standbein auf dem nordamerikanischen Markt, wo Warner über 17 Prozent Marktanteil hat und EMI sich schon über zweistellige Anteile freut.

Sollte das Bronfman-Konsortium einer Übernahme durch EMI zustimmen, gilt Alain Lévy, derzeit Leiter der Tonträgersparte EMI Recorded Music, als wahrscheinlicher CEO des fusionierten Unternehmens. Doch sicher ist auch hier nichts: Lévy musste schon einmal seinen Posten räumen, als Bronfman in der Branche auftauchte. Damals war der Franzose Chef von PolyGram, Seagram und Bronfman kauften PolyGram 1998 und verschmolzen die Firma mit MCA zu Universal Music. CEO wurde Doug Morris und Lévy erhielt später ein Angebot von EMI.

Auch die kartellrechtlichen Hindernisse, die in früheren Jahren einen Zusammenschluss von EMI und Warner vereitelt hatten, sind Beobachtern zufolge leicht aus dem Weg zu räumen. Höchstwahrscheinlich müsste Warner-EMI einen der beiden Musikverlage, EMI Music Publishing oder Warner/Chappell, verkaufen. Ein Käufer dürfte sich dafür leicht finden. Universal hatte bereits angekündigt, dass man sich im Verlagssegment durch Zukäufe verstärken will. Und es gibt schon Spekulationen, denen zufolge Edgar Bronfman sich mit den Milliarden aus dem WMG-Verkauf nach neuen Musik-Assets umsehen werde. Dabei könnte sein Augenmerk auch auf Sony BMG und Bertelsmann fallen.

Mehr zum Thema