So unvermittelt der Privatinvestor Terra Firma in der Musikbranche auftauchte, so unwahrscheinlich scheint es den meisten Beobachtern, dass die EMI Group bereits verkauft ist. „Das ist nicht das Ende, das ist erst der Anfang“, meint Analystin Laura Martin von Soleil Media Metrics. Die meisten Experten rechnen nun mit neuen, höheren Angeboten. Und alle schauen nach New York.
Die Warner Music Group (WMG) sei der einzige potenzielle Käufer, der aus einer EMI-Übernahme etwas betriebswirtschaftlich Sinnvolles machen könnte, so die einhellige Meinung der Beobachter. Nur so könnten die nötigen Einsparungen in redundanten Unternehmensbereichen erzielt werden. Die Frage ist nun, wann es zu einem Zusammenschluss kommen kann. Möglichst bald, indem Warner Terra Firma überbietet? Oder erst dann, wenn Terra Firma seine Sanierung von EMI vollendet hat und das Unternehmen wieder auf den Markt wirft?
Sollte Warner tatsächlich schon jetzt Nägel mit Köpfen machen wollen, wird ein „sehr schlagkräftiges Angebot“ nötig sein, meinen Insider. Unter 300 Pence pro EMI-Aktie werde Terra Firmas 265-Pence-Offerte nicht auszubooten sein. Bishop Cheen von Wachovia Securities rechnet jedenfalls fest mit einem Bieterkampf, bei dem es wieder um höhere Summen gehen könnte. Aus der WMG-Zentrale war bislang nichts zur Sache zu vernehmen. Die Amerikaner prüfen angeblich noch die Bücher der EMI Group.
Zu hoch sollten sie sich nicht reizen lassen, meint Richard Greenfield von Pali Research: Das Pokern könnte die WMG dazu verleiten, einen zu hohen Preis für EMI zu bezahlen, der letztlich für alle Aktionäre und das zu bildende Unternehmen schädlich wäre.
Mindestens ein EMI-Aktionär will aber auf gar keinen Fall für 265 Pence verkaufen: Hugh Hendry, streitbarer Chairman des Hedge Fonds Eclectica, schimpfte bereits über das seiner Ansicht nach viel zu niedrige Angebot. Die Tatsache, dass der EMI-Vorstand die Terra-Firma-Offerte empfiehlt, zeige nur ein weiteres Mal, wie unglaubwürdig das Management des Majors sei.






