Der Start der gemeinsamen Download-Plattform der deutschen Musikwirtschaft stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Nun droht Phonoline nach nur einem halben Jahr bereits wieder das Aus. Angeblich wollen die Gründer das weit gehend erfolglose Projekt beerdigen. Laut der Informationen, die aus Branchenkreisen an die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ herangetragen wurden, soll der gemeinsame Downloadvertrieb der Industrie ins Musicload-Konzept von T-Online integriert werden. „Uns fehlt die kritische Masse“, beklagte Frank Briegmann die dürftigen Abverkaufszahlen der beiden Phonoline-Händler eventim-music.de und popfile.de. Man werde über das weitere Verfahren „sehr kurzfristig entscheiden“, so der Universal-Chef gegenüber der „FAZ“. Schon Mitte August hatte Maarten Steinkamp, Europa- und Deutschland-Chef von Sony BMG, im Interview mit musikwoche seine Skepsis deutlich gemacht. Phonoline habe „in dieser Form keine Zukunft“.
Das Ende von Phonoline muss als Scheitern der Telekom-Tochter T-Com gewertet werden. Im Juni ließ ein T-Com-Mitarbeiter, der mit dem Auftrag vertraut ist, im Gespräch mit musikwoche keinen Zweifel daran, dass das Projekt intern bei der Telekom umstritten ist und dass es größere Probleme gab: „Das Projektmanagement hat keine Ahnung.“ Zudem hatten die Verbandsfirmen seit dem geplanten Projektstart im August 2003 immer wieder Kritik am Entwicklungsfortschritt des Systems geäußert. Dennoch hielt die Branche bis zuletzt an Phonoline fest, wenngleich der Startschuss erst im März 2004 fiel. Schon Wochen vorher brachte die T-Com-Schwester T-Online ihr Musicload-System auf den Markt. Seit März gab es immer wieder Gerüchte über eine mögliche Vereinheitlichung der beiden Plattformen.
Vor rund vier Wochen machte Phonoline jedoch wieder Hoffnung: Der Bundesverband Phono ließ wissen, dass man monatlich 150.000 Titel über die Plattform verkaufe – 30.000 mehr als Musicload. Bei T-Online sieht man die eigenen Verkäufe aber eher in der Region von 200.000 Songs. Zudem ist unklar, wie Phonoline die veröffentlichten Zahlen erreicht. Handelspartner CTS hat zugegeben, dass über eventim-music nur maximal 45.000 Titel pro Monat verkauft werden. Von popfile.de gibt es keine offiziellen Zahlen, Branchenschätzungen zufolge setzt der Universal-Shop aber ähnliche Größenordnungen ab. Die Differenz zu 150.000 stammt demnach aus einer Promotionaktion von Coca-Cola. Der Getränkehersteller wollte in einer ursprünglich auf zwei Monate begrenzten Kampagne 25 Mio. Phonoline-Songs verschenken, die Aktion wurde jedoch wegen „großem Bedarf“ um einen Monat verlängert. Nicht bekannt ist, ob Coca-Cola bei der Branche alle 25 Mio. Songs bezahlt hat, oder ob die PR-Aktion auf Kommissionsbasis lief.






