Angesichts der weiterhin klaffenden Schere zwischen den Verlusten der Branche im physischen Geschäft und den Zuwächsen im digitalen Sektor steht die Diskussion um marktbelebende Maßnahmen weiter im Zentrum des Brancheninteresses. Unterschiedliche Ansichten herrschen dabei noch immer in der Frage über eine mögliche Abkehr von DRM-Systemen.
Diese wurde nach der MidemNet auch wieder beim Fachkongress Music 2.0 in West Hollywood diskutiert. Während sich in den vergangenen Wochen abzeichnete, dass es im Laufe des Jahres wohl vermehrt zu Verkaufsexperimenten mit ungeschützten MP3-Downloads kommen könnte, bleiben besonders die Majors weiterhin äußerst vorsichtig: „Ich glaube nicht, dass die völlige Abschaffung von DRM die Lösung ist“, erklärte George White im Rahmen der Konferenz Music 2.0. Der bei der Warner Music Group für Strategy & Product Development zuständige Senior Vice President hält vielmehr variable Preise für unterschiedliche Produktgruppen für konsumfördernd.
Einen Unterstützer fand White in Larry Kenswil, President von Universal Music eLabs. Der befand knapp: „Die Nutzung von P2P stagniert und die digitalen Verkäufe steigen.“ Kein Grund also, die digitalen Sperren voreilig zu entfernen. „Eigentlich ist DRM doch gar kein Thema“, so Kenswil. „iTunes-Kunden stört es offenbar nicht besonders. Dafür aber alle iTunes-Konkurrenten.“ Einer von diesen ist David Goldberg, Geschäftsführer von Yahoo! Music und ein ausgewiesener DRM-Gegner. Mit DRM-freien MP3-Angeboten hatte er zuletzt vermehrt von sich reden gemacht, besonders der Verkauf von aktuellen Norah-Jones-Songs ließ aufhorchen. Doch Kenswil äußerte Zweifel, ob dieser Feldversuch tatsächlich von großem Erfolg gekrönt war.
Goldberg hielt dagegen: Er könne zwar keine konkreten Zahlen nennen, beharre aber darauf, dass diese MP3-Kampagne „sehr gut“ gelaufen sei. Man habe klar erkannt, dass die Kunden die DRM-freien Downloads bevorzugen. Daher werde Yahoo! Music künftig noch mehr MP3s ins Programm nehmen. „Bis Weihnachten wird ein erheblicher Anteil unserer Inhalte als MP3-Files erhältlich sein.“ Welche Rechteinhaber außer den Independents die Ware ohne DRM bei Yahoo! anbieten werden, verriet Goldberg indes nicht. Kenswil zeigte sich zwar nicht völlig ablehnend, wies aber darauf hin, dass es nach einer Umstellung auf MP3s kein Zurück mehr geben könne. Daher plädierte er für weitere eingeschränkte Tests.





